von unserer Mitarbeiterin 
Veronika Schadeck

Marktrodach — Eine außerordentliche Gemeinderatssitzung fand am Dienstagabend im Rathaus statt. Der Grund war das von der Gemeinde anvisierte Gesundheitszentrum neben dem Rewe-Markt "Im Gries", die Fortsetzung der Ortskernsanierung in Unterrodach und die Stellungnahme der Regierung von Oberfranken. Anwesend waren auch die leitende Baudirektorin Petra Gräßel und die Baurätin Isabel Strehle von der Regierung von Oberfranken.
Deutlich kam während der mitunter emotional geführten Diskussion zum Ausdruck, dass es nicht immer einfach ist, die Vorstellungen einer Kommune und der Regierung unter einen Hut zu bringen. Letztendlich einigte man sich auf einen Kompromiss.
Die Gemeinde beabsichtigt, neben dem Rewe-Markt "Im Gries" ein Gesundheitszentrum zu errichten. Mögliche Investoren sind vorhanden. In diesem Gebäude sollen eine Arztpraxis, ein Drogeriemarkt untergebracht sowie im zweiten Stock Räumlichkeiten für "Betreutes Wohnen" geschaffen werden.
Bürgermeister Norbert Gräbner (SPD) betonte die Notwendigkeit einer flächendeckenden medizinischen Versorgung in seiner Gemeinde. Für den Standort neben dem Rewe-Markt spreche die vorhandenen Einkaufsmöglichkeiten, die zentrale Lage der Gemeindeteile und des oberen Rodachtals sowie die Möglichkeit, eine ausreichende Zahl von Parkplätzen zu schaffen.
Die Regierung von Oberfranken vertrat dagegen die Auffassung, dass die Gemeinde bestehende Leerstände für dieses Vorhaben in Anbetracht ziehen sollte.
Petra Gräßel erklärte, dass die Städtebauförderung sich auf die Sanierung von Innenbereichen konzentriere. Sie schlug vor, externe Berater und professionelle Hilfe hinzuziehen, die in Zusammenarbeit mit den Bürgern einen Sanierungsbedarf erörtern, die ausloten, welche Gebäude welcher Nutzung zugeführt werden könnten.

"Weitblick zeigen"

Sie und ihre Kollegin Isabel Strehle sprachen mehrmals von neuen Ideen, erforderlichen Konzepten und welche Chancen sich daraus für die Marktrodacher ergeben könnten. So ein Prozess sei natürlich ein Kraftakt, auch spreche man dabei von einem Zeitrahmen von ungefähr zehn Jahren, erklärten sie.
Sie appellierten an die Marktrodacher Gemeinderäte Weitblick zu zeigen. Angesichts der demografischen Entwicklung und der Tatsache, dass oftmals ältere Eigentümer die Häuser im Ortskern bewohnen, stünden in einigen Jahren noch mehr Gebäude leer. Sie stellte klar, dass ein vorliegendes Konzept, das zusammen mit einem Büro entwickelt wurde, entscheidend für Fördermittel sei.
Für die Oliver Skall (SPD) war der Zeitrahmen von zehn Jahren nicht akzeptabel. "Wir brauchen jetzt einen Arzt!" und "Wir sind nicht konzeptlos!" Er bezeichnete den "Gries" als einen zentralen Anlaufpunkt.

Zentraler Ort

Auch Jörg Müller (CSU) sah das Areal neben dem Rewe-markt als einen zentralen Ort. Zudem können dort - im Gegensatz zum Ortskern Unterrodach - schöne Parkplätze geschaffen werden. Norbert Gräbner wies darauf hin, dass es in seiner Gemeinde nur sehr wenig Leerstände gebe. Auch konnten schon bestehende ältere Gebäude im Ortskern wieder einer Nutzung zugeführt werden. Er sagte aber auch, dass die Kommune den Bewohnern der Häuser im Ortskern nicht sagen könnte: "Ihr seid älter, zieht jetzt woanders hin!"
"Fakt ist, wir brauchen schnell einen Arzt, um die medizinische Versorgung und die Lebensqualität sicherzustellen", so Michael Stöhr (CSU). Er wies darauf hin, dass die beiden Damen von der Regierung die Beschlüsse der Landesregierung umsetzen. Ihm komme es aber so vor, als wenn absichtlich so gehandelt werde, um Leute in Ballungsgebiete zu locken.
"Sie unterschätzen unsere Intelligenz!" und "Ihnen fehlt die Ortskenntnis", so Klaus Stege (SPD). Er wies darauf hin, dass Anfang der 90er-Jahre die Gemeinde schon einmal ein Ingenieurbüro mit städtebaulichen Voruntersuchungen beauftragt habe. Damals seien schöne Konzepte erstellt worden, die viel Geld gekostet haben. Letztendlich wurde nichts realisiert.
Alexander Böhm (SBM) konnte die Ansicht der Regierung auch nicht nachvollziehen. In Kronach werde ein ganzer Baumarkt "plattgemacht" und auf der grünen Wiese umgesiedelt. Da sei viel Geld geflossen. Man könne den Eindruck gewinnen, dass sich im Land Bayern alles auf München und im Landkreis alle Einrichtungen auf Kronach konzentrieren sollten.
Bürgermeister Gräbner wies darauf hin, dass sich in Marktrodach bereits Initiativen zusammengefunden hätten, um den Ortskern zu beleben. Bezüglich des Gesundheitszentrums "Im Gries" gebe es aber keine Alternative, zumal auch die Investoren sich einen Standort wünschen, der zentral liegt und von der Bundesstraße aus gut erreichbar ist. "Uns brennt das Problem auf den Nägeln, sonst springen die Investoren möglicherweise noch ab!"

Drei Angebote einholen

"Ich bin voll auf der Seite der Regierung", so der Anwohner der Hauptstraße in Unterrodach, Franz Köstner. Er sprach davon, dass manche Anwohner Bemühungen für eine Belebung dieser Fläche aufgrund ihres Alters nicht mehr mitmachen können. Zudem: Ein Ärztehaus könnte auch aufgegliedert werden.
Eine Anwohnerin des Steigs, die vor zehn Jahren nach Marktrodach gezogen ist betonte, dass entsprechende Strukturen für Familien wichtig seien. Man sollte Ärztehaus und Belebung des Ortskerns nicht miteinander verbinden.
Letztendlich einigten sich die Kommune und die Vertreter der Regierung von Oberfranken dahingehend, dass die Gemeinde drei Angebote von externen Beratern einholt. Anschließend soll das auserwählte Planungsbüro zusammen mit den Bürgern Sanierungs- und Belebungsvorschläge für die gesamte Gemeinde erarbeiten (ISEK).
Es soll auch geprüft werden, ob für "betreutes Wohnen" das Grundstück des ehemaligen Schulgebäudes in Oberrodach verwendet werden kann. Bezüglich des Ärztehauses will die Gemeinde die Bauleitplanung möglichst schnell voranbringen.