von unserem Mitarbeiter Manfred Wagner

Haßfurt — Aus "akuter Geldnot" heraus hat sich eine ehemalige Marktleiterin zehn Mal unbefugt aus der Firmenkasse bereichert. Die aus dem thüringischen Sonneberg stammende 34-jährige Mutter zweier Kinder wurde deswegen vom Haßfurter Amtsgericht wegen Untreue in zehn Fällen zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 35 Euro, also 2100 Euro, rechtskräftig verurteilt.
Die bislang unbescholtene Angeklagte zeigte sich in der Verhandlung am Freitag geständig und reuig und versprach, den angerichteten Schaden vollständig wiedergutzumachen.
Wie Ilker Özalp für die Staatsanwaltschaft vortrug, hatte die Frau als Führungskraft eine Vertrauensposition inne und war verpflichtet, die Einnahmen regelmäßig zur Bank zu bringen. Als sich dann aber die "Rechnungen in ihrem Haushalt angehäuft" hatten, bediente sich die Angeklagte immer wieder aus der Firmenkasse. In der ersten Zeit fiel das niemandem auf, weil sie den Fehlbestand in der Kasse immer wieder ausglich, sobald sie ihren Monatslohn erhielt.

Der Schwindel flog auf

Aber der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht: Irgendwann war der Fehlbetrag im Geschäft so groß, dass sie ihn nicht mehr vertuschen konnte - der ganze Schwindel flog auf und der Angestellten wurde von ihrem Arbeitgeber fristlos gekündigt. Das ausstehende Gehalt und das Urlaubsgeld wurden einbehalten, und zu allem Überfluss verhängte die Arbeitsagentur eine dreimonatige Sperrfrist, weil sie durch ihr Fehlverhalten ihren Arbeitsplatz verloren hat.
Für ihren Verteidiger Uwe Gebhardt war es wichtig, dass das Verhalten seiner Mandantin juristisch nicht als "gewerbsmäßige" Handlung eingestuft wird. Da die Beschuldigte immer wieder durch Privatgelder die "Lücken" in der Geschäftskasse geschlossen habe, sei klar, dass sie sich nicht auf Dauer durch eine illegale Einnahmequelle habe bereichern wollen, argumentierte er. Özalp als Vertreter der Anklage sah das auch so.

Raus aus der Schuldenspirale

Dem Vertreter der Staatsanwaltschaft war es wichtig, dass die Frau nicht erneut in eine Schuldenspirale gerät. Da diese aber zwischenzeitlich in einem Industriebetrieb in Schichtarbeit tätig ist, konnte sie glaubhaft versichern, den Schaden wiedergutmachen zu wollen und zukünftig "sauber" zu bleiben. Wie ihr Anwalt erklärte, zahlt die Mutter von zwei Kindern monatlich 300 Euro an die geschädigte Firma zurück. In einigen Monaten sei damit der noch ausstehende Schaden von rund 2500 Euro beglichen.
In ihren Plädoyers beantragten beide Juristen eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen á 35 Euro (1750 Euro). Amtsrichterin Ilona Conver verhängte nach Abwägung aller Gesichtspunkte mit 60 Tagessätzen, also 2100 Euro, ein geringfügig höheres Strafmaß. Ab 90 Tagessätzen erfolgt immerhin ein Eintrag ins Bundeszentralregister, und damit ist der Betreffende vorbestraft.
Mit dem Richterspruch konnten beide Seiten leben. Von daher verzichteten sie noch im Gerichtssaal auf Rechtsmittel. So ist das Urteil umgehend rechtskräftig geworden.