Noch stehen Bagger auf dem Gelände und harren ihres Einsatzes. Große Hochbauprojekte müssen nicht mehr gestemmt werden, lediglich noch Restarbeiten nach fünfjähriger Generalsanierung und Erweiterung. So kann sich Manfred Hußlein beruhigt zurückziehen. Nach zwölf Jahren an der Steigerwaldschule wird der Realschuldirektor am Donnerstag offiziell verabschiedet, am Zwischenzeugnis-Freitag will er intern Lebewohl sagen. Wir haben kurz vor diesen beiden letzten großen Veranstaltungen mit Manfred Hußlein gesprochen.

Herr Hußlein, wenn Sie nun zurückblicken, was waren denn seinerzeit die Gründe, die Leitung der Steigerwald-Realschule zu übernehmen?
Manfred Hußlein: Nach der Zeit als Konrektor ging es für mich um die Orientierung in Richtung Schulleitung. Und Ebrach war einfach die Stelle, die am nähesten war und bedeutete, in der Heimat bleiben zu können. Bei 22 Kilometern Entfernung ging das. Schließlich wollte ich nicht nach Oberbayern oder Niederbayern umziehen. Während meiner Zeit an der Realschule Gerolzhofen war ich Schulwanderobmann und hatte so Informationen über Ebrach, das mir gefiel. Die Schule selbst kannte ich nicht und informierte mich über deren Homepage, als die Stelle ausgeschrieben war. Ich habe mich somit schon auf ein kleines Abenteuer eingelassen. Gereizt hat mich die Stelle auch, weil ich gestalten wollte und hier Entwicklungspotenzial erkannte.

Was genau haben Sie in den zwölf Jahren entwickelt?
Zusammen mit dem Kollegium und den Eltern haben wir an der Schärfung des Profils gearbeitet. Das ist notwendig allein schon wegen der besonderen Lage der Steigerwaldschule - mit etlichen Realschulen gleich in der Nähe: Eltmann, Gerolzhofen, Scheinfeld und natürlich Bamberg, das zudem über eine Realschule für Mädchen verfügt. Um konkurrenzfähig zu sein, haben wir erweitert und bieten beispielsweise die neue Wahlpflichtfächergruppe Sozialwesen. Wie sich zeigt, eine richtige Entscheidung.

Ein Novum also, das die Handschrift Manfred Hußleins trägt, worin ist sie noch erkennbar?
Eine bedeutende Errungenschaft dürfte wohl die Einführung der Seminarschule sein, dass also seit 2009 in Ebrach Lehrer ausgebildet werden.Vorausschauend agiert haben wir auch bei der Einführung der offenen und der gebundenen Ganztagsschule. Wir haben an vielen Pilotprojekten teilgenommen, sind breit und vielfältig aufgestellt. Bereits 2007 haben wir ein Schullogo entwickelt - "Mit Herz, Hand und Verstand", worin ich meine Handschrift wohl am deutlichsten erkenne, die Werteerziehung ist mir besonderes Anliegen.

Daneben war die Ära Hußlein von ausgiebiger Bautätigkeit geprägt.
Das stimmt. Ziemlich bald habe ich den Bedarf an Erweiterung und Sanierung erkannt, die Initiative ergriffen und beim Sachaufwandsträger, also dem Landkreis Bamberg Unterstützung gefunden. Die Kooperation mit der politischen Gemeinde habe ich auch immer als positiv empfunden. Bei den Baumaßnahmen ging es darum, möglichst gute Voraussetzungen fürs Lernen und Lehren zu schaffen. Jetzt kann man hier phantastisch arbeiten. Bis auf Restarbeiten und die Außenanlagen ist alles fertig. Freilich hätte ich noch Visionen, aber für mich ist jetzt, bevor ich 65 werde, der richtige Zeitpunkt zu gehen. Der Bau ist abgeschlossen, die Schule hat sich gut entwickelt, wir haben eine gute Außenakzeptanz und die Schüler und Lehrer fühlen sich wohl. Irgendwann kommt für jeden die Zeit.

Was werden Sie wohl am meisten vermissen?
Die tägliche Struktur. Ich muss mich nun neu orientieren, in meinem Heimatdorf neu aufstellen. Für den Übergang habe ich meine drei Enkel. Ich habe vor, wieder Sport zu treiben, meine Englisch-Kenntnisse zu verbessern. Ich werde weiter als Referent in Dillingen an der Lehrerakademie tätig sein. Aber man wird mich nicht am Schulhaus entlangschleichen sehen. Wenn ich zu dem einen oder anderen Fest eingeladen werde, freue ich mich natürlich. Ich freue mich auch, nach nun zwölf Jahren, nicht mehr unter der Woche jeden Tag um 5 Uhr aufstehen zu müssen. Ab 6.45 Uhr war ich an der Schule. Aber das hat dazugehört, wenn man mit Leib und Seele im Beruf aufgegangen ist. Das war die richtige Entscheidung, ebenso wie die für die Schulleitung und für Ebrach. Ich hatte den Freiraum, Dinge zu entwickeln, und konnte wirklich was bewegen. Ich gehe zufrieden. Jetzt ist es an der Zeit runterzufahren, durchzuschnaufen, zur Ruhe zu kommen.

Was wünschen Sie der Schule zum Abschied?
Dass es in dem Sinn weitergeht, sie sich weiterentwickelt, die Schüler weiter im Mittelpunkt stehen, sich die Eltern mit der Steigerwaldschule identifizieren und meine Nachfolgerin Katja Kühne unterstützen.

Die Fragen stellte Anette Schreiber