von unserem Mitarbeiter Reinhard Löwisch

Ebermannstadt — "Wie war das eigentlich mit den Nazis bei uns? Dieser Frage geht ein soeben erschienenes Buch nach, das der Ebermannstadter Historiker Manfred Franze für die große Buchreihe des Fränkische- Schweiz-Vereins zusammengestellt hat. Grundlage dieser wissenschaftlichen Frage ist eine Untersuchung, die der Autor als Artikelserie unter der Überschrift "Gegen das Vergessen" vor einem Jahr im FT veröffentlichte.
Darin hat Franze, der sich seit 30 Jahren mit der neueren Geschichte befasst, nachgewiesen, dass es die Nationalsozialisten in evangelischen Gemeinden leichter hatten, durch die Wahlen an die Macht zu kommen, als in katholischen Gegenden, wo die Bayerische Volkspartei (BVP) mit den Dorfpfarrern einen starken Gegenpol bildete.
Franze beleuchtet die Zeit des Nationalsozialismus aus der wirtschaftlichen Perspektive der 20-er Jahre, aus Sicht der Parteienlandschaft und aus der Sicht einiger Persönlichkeiten, die die "Gleichschaltung" 1933 in der Fränkischen Schweiz maßgeblich vorantrieben. Dazu habe er sogar in einigen Gemeinde- und Stadtarchiven der Region alte Protokollbücher nach Hinweisen durchforstet. Und so konnte er beispielsweise die "Übernahme" von Gemeinderatssitzen durch die Nationalsozialisten in einigen Städten und Gemeinden nachvollziehen. Eine ergiebige Quelle waren für Franze die Lokalzeitungen, die die Machtübernahme in der Region fast minutiös beschrieben haben.
Großes Lob für die Publikation erhielt Manfred Franze von profunder Seite. Eckart Dietzfelbinger, jahrelanger wissenschaftlicher Mitarbeiter am Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg, hielt bei der Buchvorstellung im Gasthaus Resengörg die Einführung in das Werk mit dem Titel: "Aufstieg und Machtübernahme der Nationalsozialisten in Forchheim, Ebermannstadt und der Fränkische Schweiz". Ein solches Buch habe es in dieser Form noch nicht gegeben, meinte Dietzfelbinger, weil es neben der Beschreibung der damaligen Zustände auch Anstöße für weiterführende Diskussionen gebe.
Für Hans Weisel, den Herausgeber des Buches, war es das 41. Werk, das sein Arbeitskreis Heimatkunde in den letzten 30 Jahren heraus gegeben hat. Die Gestaltung des Einbandes hatte Probleme bereitet. Man wollte keine nationalsozialistischen Zeichen, was man rechtlich gesehen auch nicht durfte. Der jetzt vorgelegte komplett schwarze Einband ist "rechtlich unbedenklich", wie der Verlagsleiter von Palm & Enke, Hans-Dieter Dörfler, formulierte. Professor Peter Poscharsky dankte Hans Weisel für die Herausgabe des Buches und der 40 Vorgängerbücher.