Vor genau 50 Jahren war Bamberg Schauplatz des 81. Deutschen Katholikentags.Vom 13. bis 17. Juli 1966 pilgerten Zehntausende von Besuchern auf den Domberg und erlebten die Bischofsstadt sowohl als Gläubige wie auch als Touristen. Man sagt, der Dom sei beim Katholikentag zum letzten Mal frei von jeglichen Gerüsten gewesen. Alois Albrecht, der spätere Generalvikar des Erzbistums, war damals 30 Jahre und Jugendseelsorger in der Erzdiözese Bamberg. Im FT-Gespräch erinnert sich der heute 80-Jährige.

Was kommt Ihnen als erstes in den Sinn, wenn Sie an den Kirchentag in Bamberg zurückdenken?
Alois Albrecht: Es sind zwei Sachen, an die ich mich vor allem erinnere. Das ist der Hauptgottesdienst auf dem Domplatz - da war ich einer der Diakone. Und dann die Jugendveranstaltung in der Alten Hofhaltung, die wir gemacht haben. Das war so eine Replik auf die Geschichte der Kirche - mit der Ermahnung, dass wir auch die Zukunft der Kirche im Blick haben müssen.
Wie haben Sie persönlich die fünftägige Großveranstaltung erlebt, als Mann der Kirche und als Bürger?
Für mich war das ein rein kirchliches Ereignis. Es gab eine großartige Reliquienprozession und große Reden. Professor Joseph Ratzinger (der spätere Papst Benedikt XVI., die Red.) hielt eine sehr aufregende Rede über die Kirche der Zukunft.

Glaubt man Zeitzeugen, dann war der Bamberger ein "Kirchentag der Unruhe" . Würden Sie das bestätigen?
Man spürte eine Art Aufbruch, das ja. Das Zweite Vatikanische Konzil war gerade ein Jahr zu Ende. Mit dem Konzil waren so viele Texte veröffentlicht worden, die den Start in eine sich verändernde, sich erneuernde Kirche markierten. Das spürte man. Wenn Sie so wollen herrschte in Bamberg eine "Unruhe" im sehr positiven Sinn - hin zu Neuem, hin zu einer Öffnung der Kirche, hin zur Welt.

An wie vielen Kirchentagen haben Sie im Lauf ihrer 54 Priesterjahre teilgenommen?
Das waren gar nicht so viele. Es dürften höchstens fünf gewesen sein. An zweien war ich selbst beteiligt: 1978 in Freiburg habe ich die Schlusskundgebung mitgestaltet, 1982 in Düsseldorf an einer Großkundgebung zum Thema "Wähle das Leben" und am Schlussgottesdienst mitgewirkt. Außerdem war ich noch in Berlin, München und Hamburg.

Das Interview führte
Jutta Behr-Groh.