Es ist ein schmuckes Kirchlein, das - im 13 Einwohner zählenden Weiler Lochleithen der Marktgemeinde Mitwitz gelegen - auf Besuch wartet. Die kleine, so freundlich, hell und heimelig wirkende ökumenische Kapelle ist wie eine Oase der Ruhe. Das kleine "Schatzkästchen" ziert für die kommende Zeit eine kleine Auswahl von Bildern von Anne Olbrich. Die Künstlerin hat Engelsgedichte vom Kronacher Schriftsteller Ingo Cesaro aus seinem Buch "Aus dem Schatten der Engel" malerisch interpretiert. Am Mittwochabend wurde die Ausstellung im Beisein der beiden eröffnet, die dabei auch auf ihre Arbeiten eingingen.
"Schatten der Engel besetzen ungestüm den Autobus, dass viele keinen Platz finden und gezwungen sind, auf den nächsten Bus zu warten. Kurz nach der Abfahrt noch im Blick explodierte die Bombe und zwischen blutenden Körpern fanden sich zerfetzte Schatten heimlich stahlen sie sich weg bevor Polizei und Militär die Opfer zu zählen begannen für den Bericht." Es war eine andächtige, ergreifende Atmosphäre, als Cesaro am Mittwochabend in der kleinen Kapelle Gedichte aus seinem Buch "Aus dem Schatten der Engel" vortrug. Entstanden sind die Gedichte seit dem Super-GAU von Tschernobyl.


Raum für eigene Gedanken

Mit der Metapher Engel versucht der Kulturvermittler, das "Unaussprechliche" in Worte zu fassen und gleichzeitig viel Raum für eigene Gedanken und Interpretationen zu lassen. Das Gleiche gilt auch für Anne Olbrichs Bilder. Eine Auswahl der Bilder der aus dem Rentweinsdorfer Gemeindeteil Sendelbach stammenden, in Ebern lebenden Künstlerin war bereits vor einigen Jahren in Lochleithen zu sehen. Eine aktuelle Arbeit zum Gedicht "In Patagonien" wird sie in den nächsten Monaten erstmals zeigen. Cesaros Gedichte sind zu den Bildern gestellt, um eine weitere Zugangsmöglichkeit zu ihrer Malerei zu finden. Laut Cesaro kam er über die Johannes-Offenbarung zum Schreiben von Engelsgedichten. Dort heißt es beispielsweise im 7. Siegel und den ersten sechs Posaunen, Vers 10 und 11: "Es wird ein Stern vom Himmel fallen ... und dieser Stern heißt Wermut, als Wermutstern" - auf Russisch oder Ukrainisch - Tschernobyl, obwohl der Ort selbst erst 1196 erstmals urkundlich erwähnt wurde.
Aufwühlende, ausdrucksstarke Bilder - expressionistisch, abstrakt, mitunter auch figürlich greifbar, immer tiefgründig und voller Leidenschaft, Dynamik und einer innigen Ergriffenheit: Die Werke von Anne Olbrich lassen wohl niemanden kalt. Es sind Bilder mit einer geradezu magischen Anziehungskraft, ihre Botschaften für sich selbst zu entdecken und zu deuten. Bilder, die die Auseinandersetzung fordern. Kunstkritiker Michael Koller vom Kunstreferat der Diözese Würzburg beschreibt ihre Werke als "Versuche, das Geheimnis des Lebens abzubilden und die damit verbundenen Wahrheiten zu suchen" und weiter: "Die Arbeiten bleiben geheimnisvoll, tief verschlüsselt und auf mehreren Ebenen lesbar." Cesaro und Olbrich laden alle Interessierten ein, ihre Werke in der kleinen Kapelle zu betrachten. Diese steht meist offen. Ansonsten wenden sich Interessierte bitte an das Gästehaus Doris, das sich etwas oberhalb des Kirchleins befindet. Dessen Inhaber Roland Schwämmlein war es auch, der die Gäste begrüßte und schließlich die Ausstellung als eröffnet erklärte.