von unserem Redaktionsmitglied Hans Kurz

Viereth-Trunstadt — Jahrelang ist die nötige Neuplanung für das Gewerbegebiet "Mainäcker" bei Trunstadt nicht vorangekommen. Es sei aber wichtig, dass die Gemeinde hier etwas für ihre Entwicklung tue, führte Bürgermeisterin Regina Wohlpart (BG) im Gemeinderat zum Sachstandsbericht von Ingenieur Frank Schönfelder an, der das Projekt "seit gefühlt 100 Jahren" (Wohlpart) begleite. Es gehe um Arbeitsplätze, um Zuwanderung und auch um Gewerbesteuer, auf die Viereth-Trunstadt nicht verzichten könne. Nicht vorrangig sei es, mit dem Verkauf von Gewerbegrundstücken Gewinne zu erzielen.

"Nicht ganz einfach"

Schönfelder selbst nannte die angestrebte Änderung, also die geplante Erweiterung des 1995 aufgestellten Bebauungsplans, ein "Verfahren der längeren Art". Viele Rahmenbedingungen seien "nicht ganz einfach". So habe es in früheren Jahren vonseiten des Wasserwirtschaftsamtes beinahe jährlich Änderungen der Überschwemmungslinien gegeben. An diesen natürlichen Grenzen muss sich ein Bebauungsplan für ein Gewerbegebiet im Maintal selbstverständlich orientieren. Auch deshalb wurde eine Änderung des bestehenden Bebauungsplanes nötig. Denn einige Flächen, die im bestehenden Bebauungsplan ausgewiesen sind, sind mittlerweile als Überschwemmungsgebiet ausgewiesen.
Weitaus stärker noch als von den veränderten Hochwasserlinien wurde das Änderungsverfahren seit dem Jahr 2003 durch die Pläne für das Freizeitland Pfister tangiert. Das touristische Großvorhaben an den Baggerseen im Maintal zwischen Trunstadt, Staffelbach (Gemeinde Oberhaid) und Roßstadt (Stadt Eltmann, Kreis Haßberge) wirkte sich in vielfältiger Weise auf die Planungen der Gemeinde Viereth-Trunstadt aus.
So wurde zunächst diskutiert, ob und wie sich ein Gewerbegebiet überhaupt als Nachbar mit einem Freizeitareal verträgt. Vor allem aber ging es um Fragen der Erschließung. Etwa um die Verkehrsanbindung über die Bundesstraße 26 bei Trunstadt, über die auch die Zufahrt zum Gewerbegebiet erfolgen soll.

Nachfrage vorhanden

Oder um Fragen der Wasserver- und -entsorgung. Aus diversen Gründen kam und kommt das Freizeitland-Projekt auf dem Gelände, das in den 1990er Jahren durch einen Umweltskandal in die Schlagzeilen geraten war, ins Stocken. Denn es haben dabei nicht nur drei Gemeinden, sondern auch zwei Landkreise und zwei Regierungsbezirke mitzureden.
Weil man in Viereth-Trunstadt nicht länger darauf warten wollte, bis dort Fakten geschaffen werden, die eine Planungssicherheit geben, beschloss der der Gemeinderat im Juni 2013, das Planänderungsverfahren nun selbst voranzutreiben. Der von Ingenieur Schönfelder von der Planungsgruppe Strunz vorgestellte Entwurf sieht eine Verlagerung von Flächen aus dem Überschwemmungsgebiet in den Bereich zwischen B 26 und dem Angelsee vor. Damit verbunden ist eine Vergrößerung des Areals für mögliche Gewerbeflächen. Hintergrund ist auch, dass es der Gemeinde an Gewerbeflächen fehlt. Laut Geschäftsleiter Gerd Franke gibt es zum einen Gewerbebetriebe, die abwandern, weil sie in Viereth-Trunstadt keine Erweiterungsmöglichkeit finden. Und es gibt auch Anfragen nach Gewerbegrundstücken, die die Gemeinde nicht bedienen kann. Franke betonte, dass das Gebiet Mainäcker der einzige Bereich im Gemeindegebiet von Viereth-Trunstadt sei, in dem noch die Möglichkeit bestehe, Gewerbeflächen auszuweisen.
Seit dem Beschluss, die Planungen weiter zu verfolgen, habe es Gespräche mit der Firma Pfister, der Stadt Eltmann und mit Grundstückseigentümern gegeben, führte Schönfelder aus. Dabei habe es "eine gewisse Entnebelung" bei verschiedenen Fragen gegeben. So plane Pfister inzwischen eine Entwässerung über eine Leitung nach Roßstadt. Das heißt, Viereth-Trunstadt können und müsse eine eigenständige Kanalisation planen.

Mehrheit verkaufsbereit

In den Gesprächen mit den Eigentümern habe sich eine Mehrheit verkaufsbereit gezeigt, so Schönfelder weiter. Einige wollten jedoch weiterhin Landwirtschaft dort betreiben. Aus wirtschaftlicher Sicht, wäre es aber am besten, wenn die Gemeinde Eigentümer der gesamten Fläche wäre, meinte der Planer. Alternativ könne aber auch ein externer Erschließungsträger tätig werden.
Sehr skeptisch zu den Gewerbegebietsplänen äußerte sich Gemeinderätin Gisela Becker (UW). Als Vorsitzende des Anglervereins wollte sie zudem dessen Interessen am vereinseigenen See berücksichtigt wissen. Horst Dippold (CSU) plädierte dafür, zunächst Lösungen für die einzelnen Probleme zu finden und weitere Gespräche mit den Eigentümer zu führen.
Für eine baldige Realisierung des Gewerbegebiets machten sich Tim Baum (BG) sowie Alwin Will und Holger Birklein (beide ÜWG) stark. Baum betonte den Faktor Gewerbesteuer. "Wir treten im Moment auf der Stelle", stellte Birklein fest und forderte etwas für diejenigen zu tun, die in der Gemeinde etwas machen wollen. "Wir müssen jetzt sagen: Ja, wir wollen es", unterstrich Will die Dringlichkeit. Denn wer jetzt bauen wolle, sei in fünf Jahren weg. Das Gremium verständigte sich schließlich darauf, vor weiteren Beratungen, Beschlüssen und Planungen eine weitere Gesprächsrunde mit den betroffenen Grundstückseigentümern abzuwarten.