von unserem Redaktionsmitglied 
Lisa Kieslinger

Kreis Haßberge — Für viele Ältere ist er so untrennbar mit der Kindheit verbunden wie das "Ahoj"-Brausepulver oder das Rollschuhfahren: der Kaugummi-Automat. Die Kästen waren früher an vielen Hauswänden heimisch, sind inzwischen aber auch im Kreis Haßberge fast verschwunden.

Spurensuche im Landkreis

Der Fränkische Tag hat sich mal in ein paar Ortschaften umgeschaut, um dem Geheimnis Kaugummi-Automat auf die Schliche zu kommen.
Zwei rote Kästen hängen unscheinbar an einer Hauswand an einem ehemaligen Edeka-Laden in Limbach. Der Zahn der Zeit hat schon ziemlich an ihnen genagt. Auf der einen Seite hängt ein kleineres Modell mit zwei Schächten: Links gibt es undefinierbares Spielzeug für 50 Cent und rechts Kaugummis für 20 Cent. Aber auch ein großer Automat mit drei Schächten hat es an die gleiche Hauswand geschafft. Doch wie kommen die Automaten dahin?
Zunächst denkt man bei dieser Frage an eine Genehmigung von der Stadt. Doch so ist das gar nicht. Thomas Fensel von der Stadt Zeil sind Genehmigungen für die Kaugummi-Automaten nicht bekannt. "Die suchen sich da eher private Leute aus, die das dulden", erzählt Fensel. Auch Norbert Böhm von der Gemeinde Sand ist bis jetzt beruflich noch nicht in den Kontakt mit Kaugummi- Automaten gekommen. "Auf Privatgrund geht das die Stadt nichts an, da handelt es sich um reines Privatrecht", sagt Böhm.
Doch auch nach Rücksprache mit einer Bewohnerin, an deren Hauswand ein Automat hängt, lässt sich die Frage nach den Automatenaufstellern nur mit einem Stirnrunzeln beantworten. "Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie die Automaten da hingekommen sind. Die hängen schon ewig da", erzählt Maria Wölfel aus Limbach. Allein an ihrer Hauswand und Mauer hängen zwei Geräte. Wer sich um die Automaten kümmert, weiß sie nicht. "Vor zwei Jahren habe ich zufällig mal jemanden beim Auffüllen gesehen, aber wie gesagt das war eher Zufall, denn sonst sieht man niemanden", berichtet die Hausbesitzerin.
Maria Wölfel will die Kaugummi-Automaten eigentlich gar nicht mehr an ihrer Hauswand haben. "Sie hängen da, mehr hab ich nicht davon. Geld bekommt man keines dafür", erzählt sie weiter.
Kinder bedienen sich immer weniger an den Automaten. Aufgrund der mangelnden Hygiene ist das für Maria Wölfel auch kein Wunder. Die Frage nach der Herkunft der Kaugummi-Automaten und seinen mysteriösen Aufstellern stellt sich also weiter.

Aus der Mode gekommen

Seit Jahren sind Kaugummi- Automaten an den Hauswänden oder Straßenecken auf dem Rückzug. Ihr Inhalt lässt sich genauso gut in Supermärkten kaufen. Außerdem werden die Automaten von vielen als unhygienisch empfunden, so dass sogar Kinder einen großen Bogen um sie machen. Viele Wand-Automaten wurden und werden zudem immer wieder Opfer von Vandalismus und sind dementsprechend teils in bedauerlichem Zustand.

Zäher als der Inhalt

Das scheint aber niemanden zu interessieren: Mehrmalige Anrufe beim Bundesverband der Warenautomatenaufsteller blieben erfolglos. Dies stellte auch Maria Wölfel fest, die ihre Automaten gerne los haben würde. Für Menschen mit nostalgischer Leidenschaft für Kaugummi- Automaten bleibt die Hoffnung, dass sich bald Rettung für die kleinen roten Kästen auftut. Andere, an deren Hauswand ein solcher Automat hängt, können nur darauf warten, dass dieser irgendwann vielleicht doch entfernt wird.
Anwohner wie Maria Wölfel in Limbach erfreuen sich kaum noch an den Kästen, die für sie so zäh wirken wie ihr Inhalt.