Klaus-Peter Gäbelein

Wie erfüllt man die Innenstadt mit Leben? Nun, man hält einen Markttag ab oder organisiert ein Fest in der Stadt. Altstadtfest, Mittelalterfest oder Stadtmessen sind ein beredtes Beispiel. Die nächste findet ja bereits am kommenden Wochenende statt. Und selbst die kleinen Märkte am Mittwoch und am Samstag beleben das Städtchen.
Im April 1988 genehmigte der Stadtrat diese beiden Einrichtungen zum Leben und seither floriert das Leben: anfangs am ehemaligen mittelalterlichen Markt hinter dem Rathaus, heute entlang der Hauptstraße bis hin zum Fehnturm. Und dabei sind Markttage in der Aurachstadt keine Erfindung der Neuzeit. Schon am 1. Juli 1409 hatte König Rupprecht auf Ersuchen des Herzogenauracher Amtmannes (das war damals der Nürnberger Patriziers Sebald Pfinzing), "dem stettlin Herzog-Awrach" zwei Jahrmärkte genehmig. Und über 200 Jahre später, am 11.Dezember 1630, bewilligte Bischof Johann Georg zwei weitere Jahrmärkte.


Strenge Verordnungen

Diese machten Herzogenaurach zu einem wichtigen Handelsplatz für das südliche Hochstift Bamberg. Hauptabnehmer und Lieferanten der angebotenen Waren fanden sich im nahen Fürth und in der damaligen Großstadt Nürnberg mit ihren 50 000 Einwohnern. Schließlich war Herzogenaurach nur eine Tagesfahrt von den genannten Städten entfernt, so dass die Frachtkosten den Preis der Produkte nicht übermäßig belasteten.
Und schließlich kamen durch diese Beziehungen auch Herzogenauracher Textilprodukte (Leinen und Wolltuche beziehungsweise Filze) in die Noris, die ein wichtiger Abnehmer und Handelspartner für die hiesigen Tuchmacher bis ins 19. Jahrhundert wurde.
Alle Märkte fanden auf dem Platz vor dem heutigen Rathaus, also auf dem Marktplatz statt. Die sehr streng ausgeübte Marktaufsicht lag in den Händen und unter Aufsicht der Stadt Herzogenaurach. Die Gerichtsordnung von 1560 drohte mit strengen und hohen Geldstrafen für unlautere Angebote: "So ein Metzler (Metzger) zu Herzogenaurach Pfennigfleisch (das heißt minderwertiges Fleisch) und nit an gesünderten Orten und Stetten (an besonders ausgewiesenen Stellen) .... wird verkauffen oder welchen Becker sein brot zu gering geschetztet und zerschnitten wurde...". Also: zu kleine Brote oder solche, die nicht den Qualitätsansprüchen genügten, wurden zerschnitten (und verschenkt).
Die vereidigten Prüfer und Kontrolleure, als "geschworne Fleisch- und Brotbeschauer", standen unter demselben Rechtsschutz wie die Gerichtsschöffen , deren Bestechung (in ir Aydt reden) eine Art "Todsünde" darstellte.


"Lotterbuben" unerwünscht

Bis zum Jahr 1802 kannte man in der Stadt vier Jahrmärkte. Während fast die gesamte Ausfuhr nach Fürth oder Nürnberg erfolgte, bot Herzogenaurach auch für die auswärtigen Händler ein interessantes Betätigungsfeld und einen lukrativen Absatzmarkt. Seltene Stoffe, wie Samt oder Seide, Pelze, Schmuck oder exotische Artikel aus dem Mittelmeerraum oder aus Übersee waren in der Stadt sehr gefragt.
Weil es auf den Markttagen auch immer wieder zu Streit kam, war die Obrigkeit gehalten, "Lotterbuben" (Gesindel oder unehrliche Händler) aus der Stadt zu vertreiben und allen Besuchern zur Auflage zu machen, "dass sie keine Waffen, keine Schwerter oder Messer größer als ein Handbreit bei sich tragen durften."
Die Markttage waren mehr als nur ein "Einkaufsmeile". Da gab es für alle Bevölkerungsschichten jede Menge an Abwechslungen. Musikanten und Gaukler sorgten für Unterhaltung, Seiltänzer oder Bärenführer traten auf. Letztere ließen ihre Bären zu Tamburinklängen tanzen und führten ihren Braunbären am Ring, den man dem Tier durch die Nase gezogen hatte, und konnten ihn somit im wahrsten Sinn "an der Nase herumführen!"