von unserem Mitarbeiter Horst Lange

Lisberg — Die Ähnlichkeiten sind recht verblüffend. Schon die Schreibweise von Lisberg im Steigerwald und Lißberg in Hessen unterscheidet sich nur in einem Buchstaben - einmal mit "ß", einmal mit "s". Beide Orte trennen gut 200 Kilometer. Als Wahrzeichen thront über beiden Ortschaften eine Burg und auch landschaftlich ähneln sich der Steigerwald und die Wetterau: bewaldete, von Hügeln durchzogene Landschaft.
Die hessischen Lißberger hatten schon lange die Vermutung, dass es einen zweiten namensgleichen Ort geben müsse. Im früheren Schlossrestaurant hing eine Abbildung von ihrer Burg, die so gar nicht passen wollte. Als vor 40 Jahren der dortige Sportverein ein Ausflugziel suchte, wurden Günter Emrich und seine Helfer dank der Auskunft und mithilfe von zahlreichen Telefonbüchern fündig. Es wurde ein Lißberg in der Schweiz und ein Lisberg in Oberfranken gefunden. Zwischen den Hessen und den Oberfranken wurde ein Kontakt hergestellt und die ersten Besuche und Freundschaftsspiele der Fußballmannschaften folgten schnell. Der Kontakt mit den schweizerischen Namensvettern kam nicht zustande. Die Hessen staunten nicht schlecht bei ihrem ersten Besuch, als sie feststellten, dass die gesuchte Burg aus dem Schlossrestaurant im oberfränkischen Lisberg steht.
Aus den ersten privaten Besuchen erwuchs ein reger Austausch und 1985 wurde ganz offiziell von beiden Gemeinden die Ortspartnerschaft besiegelt. Zum 30-jährigen Bestehen der Gemeindepartnerschaft luden die Lißberger jetzt zu den Festlichkeiten auf ihre Burg ein.
"Freundschaften muss man pflegen, sonst schlafen sie ein", betonte die Bürgermeisterin von Ortenberg, Ulrike Pfeiffer-Pantring, in ihrer Festrede. Fast zwanzig Jahre war es zwischen den beiden Ortschaften ruhiger geworden. Erst vor ein paar Jahren baute die kulturhistorische Arbeitsgemeinschaft aus Lisberg dank des Internets den Kontakt wieder auf.
Immerhin hoben noch zwanzig Lißberger die Hand, als Egon Schmitt, Vorsitzender des Lisberger Sportvereins, fragte, wer alles beim ersten Besuch in Lisberg dabei gewesen sei. Lisbergs Bürgermeister Michael Bergrab (ÜPL) betonte daher bei seiner Ansprache, den Abend für das Kennenlernen und Schmieden gemeinsamer Pläne für zukünftige Besuche zu nutzen, anstatt lange zu reden.
Als fränkisches Gastgeschenk überreichte Michael Bergrab symbolisch eine Rotbuche aus Sperrholz. Die echte werde im Winter gemeinsam gepflanzt. Bis dahin können sich die Lißberger am Gastgeschenk des Rot-Weiß Lisberg erfreuen: ein Fass fränkisches Bier. Für eine angenehme Heimreise bekamen die Lisberger genügend Appelwoi und ein Wappen zum Gedenken an die 30-jährige Partnerschaft überreicht. Tanzeinlagen der Glauburger Garde und Tanjas Tanzgruppe rundeten den Samstagabend ab. Ehe am Sonntag die Heimreise angetreten wurde, umrahmte die Lisberger Blasmusik den Frühschoppen.