In denna Dooch sän miä widdä die "Notizen" vo der Leichts Marri nei die Händ gfalln. Aufgewachsen in der Judenstraße, hat sie schon als junges Mädchen im zweiten Weltkrieg in der Gärtnerei in der Laurenzistraße gearbeitet, dort schließlich in den 50er Jahren eingeheiratet und war im Lauf der Zeit zu einer echten "Kaulbergerin" geworden. Immer wieder hat sie mir Gschichtla erzählt und kurz vor ihrem Tod auch ihre "Notizen" übergeben.
Des Gschichtla do spielt noch im Krieg - vor 1945. Damals bekamen die "Erzeuger", also Bauern, Landwirte und Häcker, die Vieh im Stall hatten, mehrmals im Jahr einen Schlachtschein, für a Sau aus ihrm eigna Stall. Nach dem Gewicht wurde amtlich festgestellt, wie lange das Fleisch für die Familie reichen musste. No ja, so genau aufs Gramm is net ausgerechnt worn, und so waren sie schon etwas besser dran als die andern "Volksgenossen" mit ihren Fleischmarken.
Manche Erzeuger haben dabei einiges riskiert, sogar Gefängnis, und haben beim Schlachten noch eine zweite Sau "aufn Kopf ghaut". Die Verwandten, für die natürlich auch etwas abfiel, fragten dann betont harmlos: "Hot die Sau widdä zwaa Köpf ghobt?" Aber allmählich ist's den Häckern zu viel geworden: immä bloß Schweinäfleisch! Des hängt am ja scho zum Hals raus! Umgekehrt bekamen die vielen, die ihre Marken für einen Sonntagsbraten aufsparten, immer nur Rindfleisch, selten Kalbfleisch. Von einem fetten Schweinsbraten - Nabel mit knuspricha Kracherla - konnten die nur träumen.
Von Zeit zu Zeit wurden dann wegen des "Schwarzschlachtens", Routineuntersuchungen durchgeführt. So musste der Schutzmann Trautmann, der am Laurenziplatz wohnte, auch zu zwei Schwestern gehen. Die ältere Häckerin war unverheiratet, der Mann der jüngeren war als Soldat in Russland. Vorschriftsmäßig, aber ungern, fragte der Polizist: "Hat hier jemand geschlachtet?" Der Jüngeren ist die ständige Kontrolle die Nosn naufganga und spöttisch hot sie gsocht: "Ja, miä hom an Stollhosn gschlacht! Und die Wörscht hänga drom Bodn zum Räuchern!"


In Rationen

In den Jahren nach dem Krieg bis zur Währungsreform 1948 wurde alles immer knapper, auch das Brot. Eine Professorenfamilie mit fünf Kindern hatte keine Verwandten auf dem Land und auch nichts zum Tauschen und musste nur von der Lebensmittelkarte leben, die schließlich auf ein halbes Blatt Papier geschrumpft war. So verteilte die Mutter jeden Morgen die Brotration für den Tag: Jedes Kind bekam zwei dünne Scheiben. Der Sohn aß die sofort heißhungrig auf. Seine drei Schwestern verteilten das Brot sorgfältig über den Tag. Die Jüngste hob es sich bis zum Abend auf und verzehrte die zwei Scheiben mit sichtlichem Genuss, obwohl das Brot mit Maismehl und Kartoffeln gestreckt war.
Ungefähr zehn Jahre später, in den Fünfzigern, waren dann die Abfallkörbe im Hof der Kaulbergschule voll von weggeworfenen Pausebroten. Ein Lehrer beklagte sich darüber beim damaligen Pfarrer Lunz von der Oberen Pfarre. Der brachte es in seiner Sonntagspredigt zur Sprache: "In den Hungerjahren nach dem Krieg hat mir ein kleiner Bub gebeichtet:  Ich habe genascht!' Weil es ja weit und breit keine Süßigkeiten gab, hab ich ihn gefragt, was er denn genascht hätte? Seine Antwort war: ,Brot!' Er hatte sich am Brotkasten zu schaffen gemacht und sich mühsam vom Brot ein Stück heruntergesäbelt."
Ob die heutigen Kinder das noch verstehen können? Aber die, welche diese schlechten Zeiten noch miterlebt haben, können sicher den Galgenhumor im Spruch meiner Großmutter verstehen: "Arm is hart, nackert is nuch härter: Konnst diä net amol a Stückla Brot eisteckn!"