Das Umweltamt des Landratsamts Erlangen-Höchstadt hatte als veranstaltung der Bayern-Tour-Natur zu eine Wanderung rund um die Leeritzen- und Wartweiher-Weiher nahe Oberlindach organisiert. Mit diesem Vorhaben setzt das Landratsamt im Naturschutzbereich eine Veranstaltungsreihe fort, die seit 2001besteht. Zur Wanderung kamen unerwartet viele Interessenten.
Landrat Alexander Tritthart begrüßte die Gäste. Für Juliana Renz, die ein Freiwilliges ökologisches Jahr" (FÖJ) im Fachbereich Naturschutz des Landratsamte absolviert, war es eine Art Praktikum, um zu zeigen, was sie beim Naturschutz bisher gelernt hat.


Artenreich

Bei der Wanderung wurde sichtbar, dass der Aischgrund, der für seinen Spiegelkarpfen bekannt ist, auch andere seltene Arten der Tier- und Pflanzenwelt beheimatet. Renz standen bei dieser Weiherwanderung gestandene Fachleute auf dem Gebiet des Naturschutzes zur Seite: Georg Knetzger (Natur- und Umwelt-Fachmann), Lorenz Grünfelder (Wasserwirtschaftler), Karl-Heinz Hertlein (Teichwirt) und Anton Krivic (Naturschützer). Die Böden zwischen Erlangen und Höchstadt, die für die Landwirtschaft aufgrund ihrer wasserstauenden Keupertonschichten schwer nutzbar waren, eignen sich sehr gut für die Fischzucht. Die war während der jährlichen Fastenzeit besonders wichtig. Darauf besann man sich in der Mitte des 20. Jahrhunderts und begann, diese alte Tradition wieder zu beleben.
Heute gibt es im Landkreis Erlangen-Höchstadt wieder etwa 4500 Weiher mit einer Gesamtfläche von fast 2000 Hektar. Inzwischen wird die Karpfen-Wirtschaft sogar durch die EU gefördert. Aischgrunder Spiegelkarpfen kann man auch in München oder gar in Brüssel essen. Er ist ein gesunder fettarmer Fisch. Sein Fettgehalt darf die festgelegte Grenze von acht Prozent nicht überschreiten.
Teichwirt Karl-Heinz Hertlein erklärte an einigen seiner Weiher die Besonderheiten des Verlandungsprozesses. Einerseits kann die Verlandung der Weiherlandschaft Tierarten als Schutz- und Brutraum dienen, andererseits kommt es jedoch zu Uferabbrüchen. In der modernen Teichwirtschaft findet man deshalb öfters Steinabschüttungen zum Schutz der Uferzonen.
Viele Fragen wurden von den Besuchern zum Kormoran gestellt, da er den Teichwirten sehr zu schaffen machen kann. Wenn ein Pulk Kormorane über einen Weiher herfällt und die Wasseroberfläche zudeckt, kann es Verluste bis zu 95 Prozent geben. Da der Kormoran ein sehr guter Taucher ist, durchschwimmt er unter Wasser den gesamten Weiher und reißt die Karpfen. Der Rest geht stark psychisch gestört zugrunde. Der Kormoran lässt sich schwer bekämpfen, da er ein sehr scheuer Vogel ist und immer in großer Zahl auftritt.


Mittelalterliche Zeugnisse

Es wurde in dieser Veranstaltung sichtbar, dass die Natur ein einheitliches Ganzes ist. In seinem Wald machte Hertlein darauf aufmerksam, dass man hier noch mittelalterliche Zeugnisse finden könne. Damals war diese Gegend völlig versandet und die Bäume waren für den Hausbau und als Brennholz abgeholzt. Man schuf später kleine Wälle im Sandboden, fing das Regenwasser auf und hatte sich so die Möglichkeiten zur Fischzucht geschaffen. In unmittelbarer Nähe von Oberlindach wurde in der leicht abfallenden Landschaft ein Biotop geschaffen.
Diese Wanderung gab den teilnehmern viele Anregungen dafür, mit offenen Augen durch die Natur zu gehen und ihre Schönheit und ihren Reichtum wahrzunehmen.
Dieter Gropp