Lonnerstadt — Um die beiden Begriffe "Lebensraum" und "Heimat" bewegte sich die gesamte Hauptversammlung der Teichwirte Mittelfrankens am Donnerstagabend in Lonnerstadt. Preisgestaltung, Kormoran- und Bibergefahr und andere ökologische Maßnahmen beschäftigen die Teichwirte.
Der CSU-Landtagsabgeordnete Walter Nussel prangerte die oft nicht nachvollziehbaren Maßnahmen von EU und Bund an und bewies an Beispielen, wie ernst und gründlich diese in der Landesregierung geprüft würden. Er versicherte den Teichwirten, dass die Landesregierung und er nur solche Maßnahmen umsetzen würden, die die Probleme der Teichwirtschaft wirklich lösen helfen würden. Dabei nähme er sogar EU-Strafen in Kauf. Über die Belange der Teichwirte vor Ort könne man nicht vom "grünen Tisch" aus in Brüssel und Berlin sachkundig entscheiden.
Peter Thoma vertrat in seinem Grußwort die Teichgenossenschaften von Ober- und Unterfranken. Er ging bei seiner Forderung nach vernünftigen und angemessenen Preisen davon aus, dass der Fisch allgemein und der Karpfen im Besonderen ökologische Produkte seien und dass es nicht sein könne, dass Fleisch teurer verkauft werde. Biologische Aufzucht stehe oft im Widerspruch zu den Maßnahmen, die der Teichwirtschaft aufgezwungen würden.
Der Karpfenexperte Martin Oberle verwies darauf, dass viele Teichwirte aus dem Aischgrund absolut führend auf dem europäischen Markt seien. Die Arbeit in der Teichwirtschaft sei eine schöne, naturfreundliche und interessante Tätigkeit. Er registriere zufrieden, dass diese Tatsache auch zunehmend den Nachwuchs locke. Auch er forderte, dass die Preispolitik stärker den Produkten, die die Teichwirte liefern, gerecht werden müsse. Die Marktsituation insgesamt auf diesem Gebiet müsse verbessert werden. Oberle verwies auch auf die Bedeutung der touristischen Entwicklung im "Karpfenland Aischgrund" und hob hervor, dass einige Teichwirte schon als Touristikführer tätig seien. Dies sei der richtige Weg, um auch sinnvolle Karpfentouristik zu betreiben.

Landesweite Anerkennung

Karpfenkönigin Katrin I. sagte, sie komme viel im Land herum und stelle dabei fest, dass die teichwirtschaftliche Arbeit im Aischgrund landesweit Anerkennung finde. Dies sei für die touristische Bedeutung gut und notwendig.
Mit Spannung wurde von den Teilnehmern der Hauptversammlung das Grundsatzreferat von Fritz Loscher-Frühwald, Präsident des Fischereiverbands Mittelfranken, erwartet. Er sprach zum Thema "Teichwirtschaft und Angelfischerei sichern Lebensräume unserer Heimat".
Im Aischgrund gebe es derzeit 7185 Teiche mit einer Fläche von etwa 3000 Hektar, die von 1200 Teichwirten bewirtschaftet werden. Die Vermarktung habe sich verbessert und es gäbe stabile Beziehungen zu Gastwirten. Erfolge würden dort erzielt, wo die betreffenden Gastwirte auch Mitglied der Teichgenossenschaft seien. Der Redner sagte: "Unsere Weiher sind ein beachtliches Stück Heimat."
Er verwies auf die ausgeprägte Gemeinsamkeit der Arbeit, vor allem beim Abfischen. Früher habe man schon nachts am Weiher gesessen, bei Lagerfeuer und einer kräftigen Brotzeit. Dies habe den Gemeinschaftssinn vertieft. Auch heute noch sei die Arbeit am Teich von Gemeinsamkeit geprägt, und der Familienbetrieb lebe wieder auf. Dies sei eine langjährige, traditionelle Entwicklung. Man müsse sich wieder stärker auf Fischerfeste und andere Traditionen besinnen und besonders die Jugend so beeinflussen, dass sie der Natur wieder mehr Respekt entgegen bringe.
Abschließend wurde Fritz Loscher-Frühwald "in Anerkennung seines unermüdlichen Einsatzes für unseren Aischgründer Karpfen" zum Ehrenmitglied der Teichgenossenschaft Aischgrund ernannt.
Dieter Gropp