"Wir gehen einen neuen Weg, der längst notwendig geworden ist, weil die Lebenshilfe so gewachsen ist", so Ulrich Wustmann, der seit September nun offiziell Aufsichtsratsvorsitzender der Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung oder einer drohenden Behinderung, Kreisvereinigung Erlangen-Höchstadt, ist.
Der aus kleinen Anfängen gestartete Verein Lebenshilfe Herzogenaurach hat heute fast 600 Mitglieder, betreut in zwölf fachlich getrennten Einrichtungen fast 1000 Menschen mit Behinderungen und rund 200 Kinder in Regeleinrichtungen. Die Mitarbeiterzahl ist mittlerweile bei über 400 hauptamtlichen Kräften angelangt. Der jährliche Umsatz des Vereins beträgt mehr als 20 Millionen Euro.
Damit kann sich der Verein, was den Umsatz anbelangt, mit einem mittelständischen Unternehmen vergleichen. "Diese Verantwortung und dem damit verbundenen persönlichen Haftungsrisiko war einem ehrenamtlichen Vereinsvorstand nicht mehr zu zumuten", so Josef Hennemann, bisheriger Geschäftsführer und nun neuer geschäftsführender Vorstand.
Daher wurde zunächst 2015 die Satzung der Lebenshilfe geändert und im Juni dieses Jahres wurde erstmalig ein ehrenamtlicher Aufsichtsrat gewählt, der einen geschäftsführenden Vorstand berief.
Personell gab es in der Mitgliederversammlung nur kleine Veränderungen, Vorsitzender des Aufsichtsrats ist Ulrich Wustmann, bisher Erster Vorsitzender, stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Claudia Bach, bisher Mitglied des Vorstandes, und als Mitglieder im Aufsichtsrat wurden gewählt Joachim Masatz, bisher Mitglied des Vorstandes, German Hacker (SPD), Bürgermeister der Stadt Herzogenaurach, sowie Alexander Tritthart (CSU), Landrat des Landkreises Erlangen-Höchstadt. Der Aufsichtsrat tagte jetzt zum ersten Mal und befasste sich unter anderem mit dem geplanten Bundesteilhabegesetz und den möglichen Auswirkungen für Menschen mit Behinderung und die Einrichtungen der Lebenshilfe.
Durch die Umstrukturierung mit einem hauptamtlichen geschäftsführenden Vorstand und einem Aufsichtsrat entstehen der Lebenshilfe keine neuen Kosten und Aufwendungen. Und so wie der Vorstand bisher ehrenamtlich tätig war, so sind künftig auch die dem Aufsichtsrat angehörenden Personen ehrenamtlich für den Verein tätig.
Im September kam nun mit dem Eintrag ins Vereinsregister der offizielle Wechsel. "Wir sind froh, dass dieser Schritt nun vollzogen ist", so Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Wustmann bei der ersten Aufsichtsratssitzung, "auch künftig legen wir großen Wert darauf, dass die Lebenshilfe kein ,Sozialkonzern‘ wird, sondern dass die pädagogische Arbeit auch weiterhin eine wirksame Förderung, Betreuung, Bildung, Erziehung, Unterstützung und Integration der Menschen mit Behinderung gewährleistet."
Karoline Scharf