von unserem Redaktionsmitglied 
Jochen Berger

Coburg — Gute Nachricht für alle Manfred-Kern-Fans in der Region: Der in Coburg lebende Schriftsteller hat einen neuen Band vorgelegt. "Schöne Grüße aus dem Elfenbeinturm" lautet der mit ein wenig Selbstironie gewürzte Titel. Auf gut 200 Seiten versammelt Kern Gedichte, die unter verschiedenen Zwischentiteln gebündelt sind und das thematisch weite Spektrum des Autors widerspiegeln.
Wer beim Stichwort Gedicht ängstlich zusammenzuckt und vorsorglich einen weiten Bogen um den neuen Kern machen will, muss sich in diesem Fall freilich keine Sorgen machen. Denn Kerns Lyrik kommt eben keineswegs aus dem gern zitierten Elfenbeinturm, sondern greift mitten hinein in die Fülle des Lebens. Wer Angst vor moderner Lyrik haben sollte - hier ist sie völlig unbegründet. Denn Kern ist ein Autor mit ausgeprägtem Talent, scheinbar alltägliche Situationen in Poesie zu verwandeln. Der Blumenstrauß, der den dunklen Flur verzaubert, das Herbstlaub, das zum Wintermantel der Natur wird - immer wieder gelingt es Kern, scheinbar vertraute Situationen und Motive neu zu entdecken, in neuem Licht zu zeigen und durch einen kleinen Schwenk der Beleuchtung plötzlich zu verwandeln.


"Der arme Poet"

Immer wieder streut Kern Selbstreflexionen ein, lädt dazu ein, lesend dem Dichter bei der Arbeit über die Schulter zu schauen. "Wenn die anderen schlafen, / schreibt er seine Gedichte" heißt es beispielsweise in "Dichter in der Nacht".
In "der arme Poet" macht sich Kern Gedanken über das berühmte Spitzweg-Bild. Kern lässt den armen Poeten träumen "von einem Regenschirm / der einen Regenbogen / auf seinem Dach hat", während jener Regenschirm, den ihm Spitzweg gemalt hat, tintenblau ist.
In den letzten Jahren hat sich Manfred Kern zusammen mit dem Blues-Musiker Harry Düll mit literarisch-musikalischen Auftritten Gehör verschafft und ein ganz eigenes Format entwickelt im Wechselspiel von Wort und Ton. Das Faible für die Musik hat auch in seinem neuen Gedichtband Spuren hinterlassen.
Unter dem Zwischentitel "Die Stimme seines Herrn" sinniert Kern in lyrischer Form über Evergreens von Elvis Presley ("Blue Moon") über Willie Nelson ("On the Road Again") bis Bob Dylan ("Shelter From The Storm") und Harry Belafonte ("Banana Boat Song"). Zu dieser Thematik passt auch Kerns Loblied auf Luftgitarristen ("Wie ein Luftgitarrist seine Luftgitarre stimmt").
Nur eine Seite weiter entwirft Kern mit Lust an grotesker Überzeichnung sogar die Vision, "unser Dichterfürst sei unter die Luftgitarristen gegangen".