von unserem Mitarbeiter René Ruprecht

Zeil — "Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie", das ist ein außergewöhnlicher Name für ein Duo, das im Zeiler Rudolf-Winkler-Haus eine kabarettistisch-musikalische Höchstleistung auf der Bühne darbot. Wiebke Eymess und Fridolin Müller haben in ihrem Zwei-Stunden-Programm Satire, urkomische und ernst gemeinte Liebeslieder, spitzige, zynische Kritik über Gesellschaft und Politik mit grotesker Ausgelassenheit verbunden. Und das Kind hat auch einen Namen: "Paradiesseits".

Die Fragen der Zeit

Unzählige Fragen und die Suche nach dem "Paradiesseits von Eden" beschäftigten die hannoveraner Fensterbank-Philosophen in Zeil; dabei schauten sie auch in die Abgründe ihrer Partnerschaft. Wiebke, die vegane Ökodame, möchte deshalb endlich aufs Land ziehen, und das geht nur am Dienstag. Blöd, dass Stadtliebhaber Fridolin genau an diesem Tag keine Zeit hat. Er findet, in der Provinz sei es zu laut: Bahngleise, Mähdrescher Traktorenrattern - auf dieses "ländlich-provinzielle Dauerrauschen" hat er gegenüber dem "urban-akustischen Flirren" gar keine Lust.
Aber für Wiebke stoßen schon mal alleine Katzen auf dem Land weniger Kohlendioxid aus, weil die Stadtkatzen Katzenstreu benötigen.
Noch viele weitere skurrile Dialoge und Gedanken hat das Duo an diesem Abend zum Besten gegeben und damit das Plaudern zur Kunstform erhoben: etwa zum "Konzept Kind", zur Unordnung in der Spülmaschine oder zu weiteren Alltagssituationen. Das real-fiktive Paar aus Hannover hatte die Einladung der Volkshochschule Zeil in das Rudolf-Winkler-Haus angenommen. Die Besucher erlebten am Donnerstag einen exklusiven und spannenden Abend.

Tatsächlich schon eine Familie

Am Rande plauderte das kreative Paar: Die hochschwangere Wiebke erwartet das zweite Kind von Fridolin und findet ein neues Publikum wie in Zeil "besonders aufregend, weil die Leute unser untypisches Kabarett oft nicht kennen. Da müssen wir zeigen, was wir können, und das ist immer wieder spannend und eine Herausforderung, obwohl wir schon alte Hasen sind." Dass sich die beiden Kleinkünstler, die mit ihren Programmen seit 2008 in ganz Deutschland unterwegs sind, mit ihrer urkomischen, aber auch denkanregenden Weltanschauung richtig ins Zeug legten, belegte ohne Zweifel das entzückte fränkische Publikum. Das Duo spielte zwei Zugaben. Die beiden Fensterbankdenker haben sich während des Kulturwissenschaftsstudiums kennengelernt und verliebt. Ihre kreative Partnerschaft ist von Erfolg gekrönt, der sich in etlichen Kleinkunstpreisen ausdrückt, die die beiden errungen haben. Nach dem Großen Passauer Scharfrichter-Beil und dem Stuttgarter Besen 2011 sowie dem Mindener Stichling 2012 bekamen sie zuletzt etwa den Thüringer Kleinkunstpreis 2013 zuerkannt.