VON Katja Glatzer

Schweinfurt — Wegen versuchten Totschlags muss sich derzeit ein 56 Jahre alter Mann vor dem Schöffengericht des Schweinfurter Landgerichts verantworten. Er soll am 14. Juni vergangenen Jahres seinen Nachbarn mit zwei Messerstichen schwer verletzt haben.
Auf der Fahrt ins Krankenhaus erlitt das Opfer einen Herzstillstand und musste reanimiert werden. Gott sei Dank liege kein vollendetes Tötungsdelikt vor, sagte der Vorsitzende in Richtung des Angeklagten. "Das hätte auch ganz anders ausgehen können." Dies ist dem 56-Jährigen bewusst. "Ich schrecke hoch, wenn ich daran denke, was ich getan habe." Vor Gericht zeigte er sich geständig. Es tue ihm leid, die Tat begangen zu haben.
Nach eigenen Angaben bezog der von Hartz IV lebende Mann im April 2012 eine Wohnung in Schweinfurt. Zuvor hatte er eine Zeit lang auf der Straße gelebt. Wohl Ende 2013 zog der Nachbar ein, von dem er zunächst nichts mitbekam. Bis dieser oft und auch in der Nacht laut Musik hörte. "Er hatte dabei meistens Fenster und Türen geöffnet." Der 56-Jährige fühlte sich gestört, empfand die laute Musik als Lärmbelästigung. Als er den Nachbarn darauf ansprach, sei dieser einsichtig gewesen und habe sich entschuldigt.
Immer wieder nachts aufgewachtDas war jedoch nur von kurzer Dauer, so der Angeklagte vor Gericht. Immer wieder sei er nachts aufgewacht und um seinen Schlaf gebracht worden. "Einmal habe ich sogar die Polizei gerufen." Auch habe er ein Gespräch mit seiner Vermieterin geführt, "doch nichts ist passiert". Am Nachmittag des 14. Juni dann hatte der Nachbar nach Aussage des Angeklagten die Musik laut aufgedreht, befand sich selbst aber draußen vor dem Haus. Durch die offen stehende Tür drang der 56-Jährige in die nachbarliche Wohnung ein, schnappte sich den MP3-Player und zerstörte ihn. Das kaputte Gerät warf er dem Mann vor die Füße und gab ihm eine "Watsche". Als der Nachbar - zurück in seiner Wohnung - laut schrie und an die Wände klopfte, wurde der Angeklagte nach eigenen Angaben noch ärgerlicher. Mit einem Brotmesser ging er hinüber. Das Messer habe er aus Angst eingesteckt, um sich verteidigen zu können, sagte er zunächst aus. Das Gericht schenkte ihm keinen Glauben, hinterfragte weiter. Der Angeklagte gab zu: "Ja, ich wollte ihn verletzen. Aber niemals töten."
Als die Klinge des Messers beim zweiten Stich im Bauchraum des Opfers stecken blieb, sei ihm klar geworden, was er getan hatte. "Ich habe geschrien, dass jemand die Polizei rufen muss." Mit einem Handtuch habe er versucht, die Blutung der Wunde zu stillen. Die Verhandlung wird am 26. Januar fortgesetzt.