von unserem Mitarbeiter  Tim Förster

Bamberg/Burgebrach — "Ich bin Brass-Band-verrückt und möchte so viel spielen wie möglich." Befragt man die Musiker der "Brass Band Bamberg" zu ihrer Motivation, kommen eindeutige Antworten. Kaum ein Jahr gibt es das Ensemble, da unternimmt es seinen ersten großen Streifzug durchs Mutterland der Brass Band - England. Das neue Konzertprogramm bringt die Musiker schon jetzt an ihre Grenzen beziehungsweise darüber hinaus, auf jeden Fall aber gehörig ins Schwitzen.
Die Geburtsstunde der Brass Band Bamberg liegt im Sommer 2014. Initiator Rupert Motschenbacher, noch so ein Brass-Band-Verrückter, hatte sich auf die Suche nach Musikern gemacht - und war ohne Mühe fündig geworden. Unter dem Dach des Kreisverbandes Bamberg gab die Band im November desselben Jahres ihren Bühneneinstand. Seitdem ist sie eine von wenigen Dutzend Brass Bands in Deutschland. Zum Vergleich: In England sind es etwa 20 000.

Volles Blechrohr

Eine Brass Band nach englischem Vorbild besteht (vom Schlagwerk einmal abgesehen) ausschließlich aus Blechblasinstrumenten. Darunter sind Tuben, Posaunen, Euphonien und das Flügelhorn, aber auch einige in Deutschland weniger bekannte Instrumente: Kornette sowie Alt- und Baritonhörner. Durch deren nahezu gleiche Bauart entsteht ein streng homogener und unvergleichlich voluminöser Klang, der die ganze dynamische Bandbreite von kaum hörbar bis brachial laut abdecken kann. Grund genug für ein paar augenzwinkernde Spitzen gegen die Kollegen aus dem Blasorchester: "Man ist stärker gefordert und hat mehr zu tun, weil man nicht ständig 30 Takte lang auf das Ende eines Klarinettensolos warten muss", freut sich Tanja Dusel, die das Flügelhorn spielt.
Auch Claus Thaler aus dem Kornettsatz ist begeistert: "Es ist eine ganz andere Art und Richtung als in der Heimatkapelle. Hier gibt es keine Flöten und so Zeug." Wie die meisten seiner Kollegen entstammt er einem Musikverein aus dem Landkreis und sammelt in den Projektphasen die außergewöhnliche Spielerfahrung einer in Deutschland noch recht jungen Stilrichtung.

Schneller und flexibler

Christian Lang vergleicht den Unterschied zu einem Blasorchester mit dem zwischen einer Limousine und einem Sportwagen: "Die Brass Band reagiert schneller und flexibler, ist quasi schnell mal auf 280 und genauso schnell wieder zurückgepfiffen." Seit dem Frühjahr steht der Diplomschlagzeuger am Dirigentenpult. Der gebürtige Oberhaider studierte Blasorchesterleitung und ist heute Musiklehrer am Gymnasium. Sein Konzertdebüt mit der Band wird er am 18. Juli in der Steigerwaldhalle Burgebrach geben.
Das Programm ist gespickt mit großen Werken der englischen Brass-Band-Literatur, filigraner, virtuoser und mächtiger als die meisten Musiker bisher gespielt haben. Was Komponist Paul Lovatt-Cooper wohl im Sinn (und im Frühstück) hatte, als er das themagebende Hauptwerk des Abends, "Enter the Galaxies", schrieb, ist eine vieldiskutierte Frage in den Probenpausen der aktuellen Konzertvorbereitung. Das in der Tat galaktische Musikstück treibt die Band spiel- und leistungstechnisch gerne mal an den Rand der Erschöpfung.
"Man kommt schon an seine Grenzen. Seitdem ich in der Brass Band spiele, übe ich deshalb deutlich mehr", sagt Claus Thaler. "Aber es lohnt sich auf alle Fälle. Man verbessert seine Technik und wird musikalisch erfahrener."
Kollegin Tanja Dusel ist im Frühjahr dazugekommen und genauso begeistert: "Dass jeder Bock hat, merkt man schnell. Der Dirigent muss nicht ständig um Aufmerksamkeit oder Konzentration betteln, weil alle schon aufmerksam und konzentriert sind." Für so viel Einsatz gibt es ein Lob vom Chef an seine Musiker. Es sei schön zu sehen, dass alle dasselbe wollen und ihre Begeisterung hörbar machen. An die Substanz geht die Arbeit aber auch für Christian Lang: "Man kann als Dirigent wesentlich mehr Energie reinstecken, weil auch mehr rauszuholen ist. Das ist teilweise unglaublich anstrengend, aber spannend."

Europaweite Freunde

So manch einer hat in der Brass Band schon sein neues musikalisches Zuhause gefunden. Die Szene ist familiär und beschert nicht selten europaweite Freundeskreise. Bassposaunist Roman Käppeler zumindest lässt keine Gelegenheit dafür aus: "Konzerte und Wettbewerbe sind jedes Mal wie große Partys, auf denen man viele Bekannte trifft. Auch die Musiker der besten Bands in Europa mischen sich darunter und sind sehr offen und hilfsbereit."