In Bamberg ticken die Uhren manchmal etwas anders. So beispielsweise bei der gestrigen Versteigerungsaktion "Markt der langen Gesichter" im großen Saal der VHS Bamberg. Hier kamen zum ersten Mal unter der Federführung der Stadt unliebsame Weihnachtsgeschenke unter den Hammer. Unliebsam in dem Sinne, dass den Beschenkten das Geschenk nicht willkommen war, dass sie es nicht brauchen konnten oder einfach scheußlich fanden. Im Hintergrund steht auch ein bisschen der Gedanke, Abfall und Verschwendung zu vermeiden.
Das Besondere an der Versteigerungsaktion war jedoch, dass die Preise wie bei Auktionen üblich nicht nach oben gingen und am Ende der Meistbietende den Zuschlag erhielt. Vielmehr musste das Moderatorenduo Marcus Appel von Radio Bamberg und Bürgermeister Wolfgang Metzner (SPD) drastisch die Mindestpreise senken, ehe sich überhaupt ein Bieter meldete. Auch kam es zu keinerlei Bietergefechten. Die Besucher warteten meist ab, bis die beiden Auktionatoren die Preise bis aufs Limit heruntersetzten, und dann erst schlug einer der Anwesenden zu.


Viele Neugierige, wenige Bieter

An der mangelnden Besucherzahl hat es jedenfalls nicht gelegen, dass die Auktionen so schleppend liefen. Denn Gäste kamen reichlich in die Tränkgasse. Auch das Reglement war mehr als einfach. Die zu versteigernden Geschenke - oft waren es unliebsame Weihnachtsgeschenke, die entweder schon vorhanden waren oder die dem Beschenkten nicht gefielen - konnten eine Stunde vor Versteigerungsbeginn unangemeldet vorbeigebracht werden.
Es wurden aber auch noch Exponate während der laufenden Aktion entgegengenommen. Einzige Bedingung: Pro Person durfte nur ein Geschenk abgegeben werden, das neu und originalverpackt sein musste. Ferner musste es einen Mindestwert von 25 Euro aufweisen. Wer wollte, konnte darüber hinaus noch ein Mindestgebot festlegen. Im Falle einer erfolgreichen Versteigerung flossen anteilig zehn Prozent in den Hilfsfonds von Oberbürgermeister Andreas Starke "Gemeinsam helfen für Bamberg". Den Rest konnten die Überbringer behalten.


Eifrige Moderatoren

An Wort und Witz fehlte es ferner bei den Moderatoren nicht. Doch trotz aller Mühen und trotz manch erheiternder Sprüche wie "Ich würde das Kostüm ja selbst ersteigern, aber mir passt eben nur mal XXS" (Wolfgang Metzner) kam keine richtige Lust zu bieten auf. "Ich war ein bisschen enttäuscht. Wir hätten gerne etwas ersteigert, aber bei den Geschenken war nicht das richtige dabei", sagte Melanie Schmidt. Zumal am Ende gerade einmal elf Exponate zur Versteigerung anboten wurden.
Erfreulich jedoch: Zum Schluss der Veranstaltung konnten alle unliebsamen Weihnachtsgeschenke bis auf eine Lederhandtasche an den Mann oder die Frau gebracht werden. Allerdings nur mit Preisabschlägen und oftmals mit Mühe oder weil auch Moderator Wolfgang Metzner zweimal zugeschlagen hatte. Er erwarb sowohl eine rote (!) Salatschüssel mit Salatbesteck als auch eine von Marcus Appel scherzhaft angekündigte Ming-Vase "mit einem Originalwert von 125 000 Euro".
Das wohl kurioseste Exponat ersteigerte der Wildensorger Johann Frank: ein Ganzkörperkostüm mit aufgedrucktem Skelett. Angeboten wurde es für 15 Euro, den Zuschlag erhielt er bei 13 Euro. "Meine Frau und ich schauen gerne bei Versteigerungen vorbei, und wenn uns was gefällt, schlagen wir einfach zu", schilderte er. Das Kostüm erwarb er, weil seine Enkel gerne an Halloween unterwegs sind. Nun hat endlich der Schwiegersohn ein passendes Kostüm, wenn er seine Kinder dabei begleitet. Und wie die spontane Anprobe zeigte, kann es Frank selbst als Faschingskostüm verwenden, denn es passte wie angegossen. Apropos passte: Da auch eine Lammfelljacke, die ebenfalls versteigert wurde, genau seine Größe hatte, schlug er ein zweites Mal zu.
Spontan zugeschlagen hatten ebenso Carmen Pfab und Bertram Weißhaar. Während Pfab sich ein Yoga-Buch nebst Kalender mit Sprüchen und Tasse ersteigerte, ergatterte Weißhaar ein 42-teiliges Essbesteck. "Ich koche sehr gerne. Oftmals koche ich sogar für mich und meine Arbeitskollegen zu Hause etwas vor und bringe es mit zur Arbeit."


Spiegel für zwei Euro

Insgesamt wurden am Ende zehn von elf abgegebenen Exponaten versteigert. Der günstigste Artikel war ein Spiegel im Wert von zwei Euro, das teuerste Produkt hingegen der Besteckkasten für 50 Euro. Zwar hat der Spendenerlös für den Hilfsfonds "Gemeinsam helfen für Bamberg" in Höhe von 25 Euro noch deutlich Luft nach oben, aber die Veranstalter wollen nächstes Jahr auf alle Fälle noch einen zweiten Anlauf unternehmen. "Ich denke, für eine Premiere war es ein guter Auftakt. Es kamen viele Interessierte und das Versteigerungsangebot war vielfältig und reichte von Lockenwicklern bis hin zur Senso-Kaffeemaschine", bilanzierte Bürgermeister Wolfgang Metzner.
Die Idee der Versteigerungsaktion kommt übrigens aus Nürnberg, wo seit vielen Jahren nach Weihnachten unliebsame Geschenke auf diese Art und Weise versteigert werden. Aber auch in Bamberg gab es über viele Jahre eine ähnliche Aktion, initiiert vom Kreisverband des BRK Bamberg. Hier wurden ebenfalls über viele Jahre hinweg meist zu Beginn des neuen Jahres unwillkommene Weihnachtsgeschenke versteigert. Dabei kam es sogar einmal zu einem Rekordgebot für ein Silberservice, welches damals sage und schreibe 1600 Euro erzielte.