von unserem Redaktionsmitglied 
Klaus Schmitt

Kreis Haßberge — Die Situation ist neu für den Landkreis: Bis zu 200 Flüchtlinge, die meisten von ihnen vermutlich aus dem vom Bürgerkrieg geschundenen Syrien, werden ab dem morgigen Dienstag im Landkreis erwartet. Nach der Aufnahme in der Notfall-Unterkunft in Haßfurt (in den Turnhallen West und Ost am Dürerweg mit jeweils 60 Plätzen) sollen die Asylbewerber auf die weiteren Notfall-Unterkünfte in Sand (Sportzentrum, 20 Plätze), Gleisenau (Schloss, 40 Plätze), Wonfurt (Feuerwehrhaus, 20 Plätze) und Breitbrunn (alte Schulturnhalle, 30 Plätze) verteilt werden. Nach ärztlicher Untersuchung und den amtlichen Feststellungen werden die Flüchtlinge entsprechend den Quoten in den Bundesländern in andere Orte der Bundesrepublik gebracht. Etwa sechs Wochen soll diese Notfall-Unterbringung im Landkreis laufen. So weit der Plan, den Landrat Wilhelm Schneider (CSU) und weitere Verantwortliche aus dem Landratsamt am Freitag verkündet haben. Grundlage ist die Aktivierung des Notfallplans durch die Regierung von Unterfranken (Würzburg) für den Landkreis Haßberge und andere Gebiete im Bezirk.


Die erste Maßnahme

Am Samstag, dem Feiertag "Mariä Himmelfahrt", packten die ersten 30 der insgesamt mehrere hundert Personen zählenden Helferschar an, um den Plan in die Tat umzusetzen. Das Technische Hilfswerk und das Rote Kreuz haben die Turnhalle West am Dürerweg in Haßfurt mit Feldbetten ausgestattet. 60 Plätze stehen bereit. Die Turnhalle Ost wird ebenfalls noch vorbereitet. Dort entsteht ein Matratzenlager mit ebenfalls 60 Plätzen. Sand, Breitbrunn sowie Wonfurt und Gleisenau folgen.
Die Breitbrunner Bürgermeisterin Gertrud Bühl ist zuversichtlich, dass ihre Gemeinde und die Menschen die Herausforderung annehmen und die Aufgabe bewältigen können. "Das kriegen wir hin", sagte sie am Samstag unserer Zeitung. Die Bürgermeisterin hatte am Sonntagvormittag nach dem Gottesdienst in der Kirche die Breitbrunner über die neue Situation informiert, nachdem sie in den Tagen zuvor bereits den Gemeinderat und den ehrenamtlichen Bürgerdienst unterrichtet hatte.
In der alten Schulturnhalle sollen die 30 Plätze für die Flüchtlinge zusammen mit dem Roten Kreuz hergerichtet werden. Das passiert vermutlich am heutigen Montag. Am morgigen Dienstag wird die Küchenzeile geliefert und installiert, damit die Flüchtlinge sich selbst versorgen können. Geplant ist ferner, dass in dem Gebäude ein Deutsch-Unterricht für die Flüchtlinge angeboten wird.
Was Gertrud Bühl besonders hoffnungsvoll stimmt: Nach dem Gottesdienst in Breitbrunn gab es Beifall für die Hilfe, die die Menschen dort leisten wollen. Es gebe eine positive Grundstimmung im Ort. Gleich nach dem Gottesdienst hätten sich Freiwillige gemeldet, die mithelfen wollen, schilderte sie. Weit über 20 Helfer weiß sie an ihrer Seite. "In Breitbrunn wird das laufen", ist sie überzeugt.
Läuft alles nach Plan ab, dann wird die Betreuung der Flüchtlinge wie folgt gehandhabt. Das Landratsamt Haßberge ist für Erfassung sowie für die medizinische Untersuchung, soziale Betreuung und Verpflegung der Asylbewerber (drei Mahlzeiten täglich plus Obstkorb, Mineralwasser für 24 Stunden, Kaffee, Tee, im Bedarfsfall Kindernahrung und Spezialnahrung für Kranke) zuständig. Die Mahlzeiten für die Flüchtlinge werden in der Küche der Haßberg-Kliniken, Haus Haßfurt, zubereitet. Auf die Essgewohnheiten der Flüchtlinge wird geachtet. Die Essensausgabe übernimmt in den ersten Tagen das Rote Kreuz. Die Getränkeversorgung regeln logistisch die Haßberg-Kliniken, während die Helfer des Bayerischen Roten Kreuzes Kaffee zubereiten.
Nach Ankunft im "Asylcenter Haßfurt" werden die Asylbewerber durch eine Alltagsbe-treuerin begrüßt und über den weiteren Ablauf informiert. Als Erstes erfolgen die medizinische Untersuchung durch das Gesundheitsamt (drei Ärzte stehen bereit) sowie die Röntgenuntersuchung im Krankenhaus. Nach abgeschlossenem Gesundheitscheck folgen die Registrierung und Ausgabe des Taschengeldes im Landratsamt. Die Transferfahrten mit Kleinbussen übernehmen das Rote Kreuz und Mitarbeiter des Landratsamtes.


Gutscheine

Für den erstmaligen Kleidungs- und Schuhbedarf erhalten die Asylbewerber einen Wertgutschein für die Erstausstattung, der unter anderem im Secondhandshop der Rot-Kreuz-Produktionsschule eingelöst werden kann. Für die Abfallentsorgung ist der Hausmeister zuständig.
Um rechtzeitig auf Notlagensituationen reagieren zu können, stehen tägliche Rundgänge der Sozialhilfeverwaltung gemeinsam mit der Alltagsbetreuerin, Mitarbeitern des Gesundheitsamtes und der Caritas auf dem Programm. Nach Abschluss der ärztlichen Untersuchung werden die Asylbewerber, wie erwähnt, auf die umliegenden Gemeinden mit kleineren Notunterkünften in Sand, Breitbrunn, Gleisenau und Wonfurt verteilt. Dort sollen sie sich selbst versorgen können.


Viele helfende Hände

Jede Unterkunft hat einen eigenen Hausmeister und einen eigenen Ansprechpartner am Landratsamt. Um die Organisation vor Ort abzuwickeln, holen sich die Gemeinden ehrenamtliche Helfer (Helferkreis Asyl, Kirchengemeinden, Feuerwehr, Rotes Kreuz, weitere Freiwillige) mit ins Boot.
In allen Notunterkünften werden mehrsprachige Sicherheitshinweise (mit Notfallrufnummern) und Name der Unterkunft ausgehängt oder an die Asylbewerber ausgehändigt. Zu gegebener Zeit wird entschieden, in welchem Umfang zur Gewährleistung einer medizinischen Erstversorgung vor Ort ausgebildete Ersthelfer des Roten Kreuzes eingesetzt werden sollen. Ansonsten erhalten die Asylbewerber im Bedarfsfall die übliche ärztliche und zahnärztliche Versorgung bei niedergelassenen Ärzten (Ausstellung von Behandlungsscheinen durch das Amt für Soziales und Senioren des Landratsamtes).
Was aber passiert, wenn sich die Lage kurzfristig ändern sollte? Nach neueren Informationen könnte der Fall eintreten, dass die bis zu 200 Flüchtlinge ab dem morgigen Dienstag nicht Zug um Zug nach Haßfurt kommen und in den folgenden Tagen auf die vier anderen Standorte verteilt werden. Möglicherweise kommen sie alle auf einmal nach Haßfurt. Dann würde es eng, und möglicherweise gleich von vornherein müssten Asylsuchende auf die anderen Standorte verteilt werden. Das würde den Ablauf deutlich erschweren.