Gertrud Glössner-Möschk

Landkreis Bamberg — Für Anneliese Göller ist es ein ereignisreiches Jahr: Die Landes- und Bezirksbäuerin wurde Ende April mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik ausgezeichnet. Am 30. Mai konnte sie dann einen "runden" Geburtstag feiern: Sie ist 60 Jahre alt geworden. Weniger schön ist, dass sie derzeit nach einer Knieoperation in der Klinik liegen und sich auskurieren muss. Aber sie wäre nicht Anneliese Göller, hätte sie sich nicht das nächste Ziel gesteckt: Beim Deutschen Landfrauentag Anfang Juli in Erfurt will sie unbedingt wieder dabei sein.
Es bleibt das Handy, um aktuell auf Stand zu bleiben und nötigenfalls zu agieren. Die Zeiten sind für die Landwirte ja nicht gerade leicht. Egal ob Milchbauern, Schweinemäster und Getreidebauern: Bei gleichbleibenden Kosten nehmen die Bauern immer weniger für ihre Produkte ein. Alle müssen finanziell zurückstecken und fragen sich, was die Zukunft für den deutschen Agrarmarkt bringen wird. Auf jeden Fall, da ist sich Anneliese Göller sicher, wird der Strukturwandel weitergehen.
Für die Landesbäuerin, die diese Entwicklungen auf ihrem eigenen Hof hautnah mitbekommt, geht es also mehr denn je darum, Lobbyarbeit für die Bauern zu betreiben. Ein anderer wichtiger Teil ist ihre Arbeit für die Landfrauen, eine Untergruppierung im Bayerischen Bauernverband. Bildungsarbeit, Ernährungsthemen, der Dialog zwischen Erzeugern und Verbrauchern, die Heranführung von Kindern an die Landwirtschaft und die Verankerung von Alltagskompetenzen im Schulunterricht sind nur einige der vielfältigen Ausgaben der Landesbäuerin Anneliese Göller. Dafür, wie sie diese Aufgaben anpackt, ist sie jetzt mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden.
In ihrer Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau und zur staatlich geprüften Hauswirtschafterin ist der Grundstein für ihr fachliches Können gelegt worden. Das politische Engagement kam ab den 80er Jahren hinzu. Die Liste ihrer Ämter und Mitgliedschaften ist zu lang, um hier lückenlos dargestellt zu werden. Nur so viel: Unter dem Dach des Bauernverbandes war sie zehn Jahre lang Ortsbäuerin, dann Kreisbäuerin und Bezirksbäuerin. 2012 übernahm sie das Amt der Landesbäuerin. Seit dem Jahre 2002 ist sie Kreisrätin und seit 2005 ehrenamtliche Richterin am Sozialgericht.
Als Landesbäuerin und Vizepräsidentin des Deutschen Landfrauenverbandes ist Anneliese Göller, Mutter von vier Kindern, "in Vollzeit" unterwegs. Zu Hause in Wingersodrf bei Frensdorf bestellt in erster Linie ihr Mann den Hof mit 7,4 Hektar Wald und 140 Hektar Ackerfläche im Vollerwerb. Produziert werden Raps, Zuckerrüben und andere Feldfrüchte. Die Milchviehhaltung haben auch die Göllers aufgegeben. Mit dem eigenen Hof soll es auf alle Fälle weitergehen, so ihr Wunsch. Die nächste Generation steht schon bereit.