Am letzten Oktober-Wochenende wird Bamberg von den Magyaren geprägt: Erstmals gehen in der Domstadt die Ungarischen Kulturtage über die Bühne. Organisiert werden die allesamt kostenlosen Veranstaltungen mit Musik und Literatur (Programm siehe Infobox) von der "Culturelle Foundation". Hinter der Stiftung, die vor allem staatlich gefördert, aber auch privat finanziert wird, steckt das Ehepaar Judith Glaser-Gecsö und Tamás Gecsö aus Budapest, das betont, "unpolitisch" zu sein und zu arbeiten. In den vergangenen Jahren hat es bereits in sechs anderen bayerischen Städten solche Kulturtage veranstaltet. Über sein "Geschenk an die Bürger von Bamberg" spricht Tamás Gecsö im Interview.

Es ist Ihr siebtes Kulturprojekt in Bayern - warum hat es solange gedauert, bis Sie nach Bamberg gekommen sind?
Tamás Gecsö: Wir haben unsere Stiftung 2008 ins Leben gerufen und seit diesem Jahr haben wir praktisch in jedem Jahr ein kompaktes Kulturprojekt, entweder in Ungarn, aber meistens im Ausland veranstaltet. Wir sind eine kleine, sehr intime Stiftung und haben nur die Kapazität für ein Projekt dieser Art im Jahr. Mehr können und wollen wir nicht leisten.

Was ist der Anlass für die Kulturtage in Bamberg?
Wir haben sogar zwei: Der erste wäre, dass wir Ungarn in diesem Jahr den 60. Jahrestag der ungarischen Revolution und des Freiheitskampfes 1956 feiern. Die Festrede des Generalkonsuls wird natürlich dieser Revolution des Freiheitskampfes gedenken. Der zweite Anlass: Bamberg hat eine Partnerschaft mit der ungarischen Stadt Esztergom, die bereits seit 25 Jahren existiert. Estzergom schickt eine Delegation, und die Bürgermeisterin der Stadt wird das erste Mal nach Bamberg kommen.

Was macht die ungarische Kultur aus?
Ungarn ist ein altes Land im Herzen von Europa, mehr als 1000 Jahre alt. Es war ziemlich selten selbständig, und das bedeutet, dass auch die Kultur des Landes sehr bunt, sehr vielfältig ist. Das sogenannte Karpatenbecken war ein Treffpunkt für Wanderer. Es gibt natürlich eine ungarische Kultur, aber diese Kultur ist keine "reine Kultur", sie ist eine Mischung der ungarischen Kultur und der Kultur der Nationalitäten der Minderheiten in Ungarn, und das bezieht sich natürlich auf alle Gebiete der Kultur. Wenn wir etwa über die ungarische Musik sprechen, dann sprechen wir natürlich auch über die Musik der Slowaken, der ehemaligen Jugoslawen, der Roma-Leute, der Zigeuner in Ungarn. Wir sind eine sehr gesunde Mischung der verschiedensten Kulturen im Karpatenbecken.

Wenn jetzt jemand nur für eine Veranstaltung an diesem Wochenende Zeit hätte, was würden Sie ihm empfehlen?
Alle drei - also ich könnte nicht wählen. Das Jazz-Trio ist mehr als fantastisch, so ein Konzert kann man in Bamberg - auch in Ungarn - nur sehr selten hören. Die Kodály-Messe ist eine Seltenheit und das im Kaiserdom als Hauptmesse mit diesem Chor - das wird ganz einmalig. Was die Literatur anbelangt, dieses Genre ist ein intimes Genre, dort rechnen wir mit einem kleineren Publikum bei der Lesung. Aber die Tiefe des Romans, die Tiefe der Gedanken, sie wird alle Teilnehmer sofort erreichen und die, die dort anwesend sein können, werden sich noch lange an diesen Literaturabend erinnern.

Die Fragen stellte
Michael Memmel