Die Tagespolitik und der Kulturkalender haben sich gut abgestimmt: Anfang Mai bestätigte das Bundesfinanzministerium der Stadt Bamberg den Ankauf der Lagarde-Kaserne. Ende Mai findet das Kontakt-Festival in diesem Bereich des Konversionsgeländes statt.
Grund genug für die Organisatoren des studentischen Kulturfestivals, vor der Sitzung des Konversionssenats am Dienstagnachmittag zu einer kleinen Aktion aufzurufen. Eine halbe Stunde vor Sitzungsbeginn fand sich eine Handvoll Bürger auf dem Maxplatz zusammen. In Sprechblasen schrieben sie, was sie sich von den Stadträten wünschen: "Macht Platz! Raum für selbstverwaltete Kultur!"
Michael Schmitt, Mitorganisator des Festivales, hatte außerdem eine Art Quartett dabei: Kulturschaffende aus der Stadt hatten ihre Bilder und einen Spruch dafür zur Verfügung gestellt. Einer, der mit im Konversionssenat saß, war sogar doppelt vertreten: als Wolfgang Metzner (SPD) und Irene Mittermeier.
Schmitt hatte ein Quartett für jedes Mitglied des Senats dabei. Damit wollte er noch einmal auf das Anliegen des Vereins Kulturquartier Lagarde aufmerksam machen: die schnelle Zwischennutzung eines Teils der Kaserne im direkten Anschluss an das Festival.


Ankündigung eines Arbeitskreises

Von der Stadt gab es im Vorfeld die Ankündigung eines Arbeitskreises zu dem Thema. Am Dienstag stand der aber noch gar nicht auf der Tagesordnung. Schmitt: "Wir hoffen, dass wir die Kaserne ab Juli nutzen können. Ich glaube, die Chancen stehen so fifty-fifty." Es gehe um einen Veranstaltungsraum und ein Lager.
Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) räumte Schmitt vor dem offiziellen Sitzungsbeginn die Möglichkeit ein, sein Anliegen zu formulieren. Er stehe heute auch für die 40 anderen hier, die im Moment auf dem Kasernengelände mit dem Aufbau beschäftigt seien, sagte Schmitt. "Von Donnerstag bis Sonntag können Sie sich dann davon überzeugen, wie schön das alles ist."
Die "Grün-Alternative Liste Bamberg" (GAL) hatte einen Dringlichkeitsantrag zum Thema schnelle Zwischennutzung gestellt.
Dieser kam nicht zur Abstimmung, stattdessen verschwand Konversionsreferent Christian Hinterstein (CSU) mit Michael Schmitt vor die Tür. Erst rund fünf Stunden später kam der Senat wieder auf die Lagarde-Kaserne zu sprechen.
Tagesordnungspunkt sieben: Roland Huber vom Planungsbüro Drees & Sommer referierte über die Möglichkeit, für einzelne Bereiche der Lagarde ein Investorenauswahlverfahren auszuschreiben, sprich: Investoren und Architekten gemeinsam anzusprechen.
Bei einer raschen Durchführung könnten dann schon Ende des Jahres die ersten Kaufverträge unterzeichnet werden. Harald Lang, zuständiger Beauftragter der Stadt für das Konversionsmanagement, mahnte aber, insbesondere in Richtung der drängelnden SPD-Fraktion, dass sicher nicht vor 2020 gebaut werde: "Das ist schon höchst sportlich. Es geht definitiv nicht schneller."


Für das Kulturzentrum in Lagarde

Die letzte Fraktionsrunde der Sitzung nutzten sowohl Heinz Kuntke (SPD) als auch Ursula Sowa (GAL) und Daniela Reinfelder (BuB), um sich deutlich für ein Kultur- und gegen ein Kongresszentrum in der Lagarde auszusprechen. Kuntke: "Wir haben hier eine klare Meinung. Kongresszentrum ja, aber nicht dort!" Stattdessen sollte man sich schnell mit dem Verein Kulturquartier Lagarde zusammensetzen. Bürgermeister Christian Lange zeigte sich irritiert: Es sei verabredet gewesen, dass alle für ein Kongresszentrum infrage kommenden Orte auf Vor- und Nachteile geprüft werden.
Zudem wolle die Stadt ein neues Kulturzentrum, im Mittelpunkt soll der Verein Kulturquartier stehen. Dazu sei nun die besagte Arbeitsgruppe gebildet worden. Eine Entscheidung über den Ort stehe noch nicht an. "Diese Vorfestlegungen nun finde ich sonderbar." Nicht alles könne auf der Lagarde am besten verwirklicht werden. Wie gut sich die Lagarde tatsächlich eigne, zeige in den kommenden Tagen einmal mehr der Praxistest Kontakt-Festival.
Michael Schmitt war im Anschluss an die Sitzung positiv gestimmt. Christian Hinterstein konnte ihm zusichern, dass das Team nicht komplett abbauen müsse, sondern zumindest Gerätschaften, Equipment werde lagern können. Außerdem soll geprüft werden, ob eine schnelle Zwischennutzung möglich sei, vielleicht sogar schon im Verlauf des Junis.