Familienpolitik geht auch anders. Der Bezirk Oberfranken schickt alle Jahre wieder im Frühjahr bei "Rock in Oberfranken", kurz "R.I.O.", vier Bands auf Tournee durch Nordbayern. "Es gibt keine Abneigungen und Berührungsängste zwischen den Musikern. Je länger man auf Tour ist, desto mehr wächst man zu einer großen Rock 'n' Roll-Familie zusammen", bringt es Mario Brozek, der Reimeschmied und Vokalist der Kronacher Rap-Rock-Formation Angiz am Freitagabend vor seinem Auftritt in der Lichtenfelser Musikbar "Paunchy Cats" auf den Punkt.
Tags darauf wurden dann im Anschluss an das Abschlusskonzert im Bayreuther "Zentrum" die Fanstimmen aus allen fünf Konzerten ausgezählt und Oberfrankens beste Band gekürt. Mit dem Titel darf sich die Formation Dead And Stoned aus Kulmbach schmücken. Auf den weiteren Plätzen folgen Angiz, Drake Stone und Rumors Of Riots.
Welche Eindrücke hat Brozek bei der Tour gesammelt? "Das Publikum ist an jedem Ort unterschiedlich. Während man in Bamberg andächtig unserer Musik lauschte, herrschte in Hof eine ausgelassene Feierstimmung, bei der sich die Fans gegenseitig durch den Raum schubsten."


Vier super Newcomer-Bands

"Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die schönste Band im Frankenland?" Diese Frage ist für den Musiker zweitrangig. Während die Fans die Qual der Wahl haben und sich zwischen vier erstklassigen Newcomer-Combos zu entscheiden haben, sieht der Kronacher Künstler das Ganze viel gelassener: "Schön wenn man am Ende mit seiner Band die Nase vorn hat. Aber eigentlich geht es darum, immer wieder ein neues Publikum mit seiner Musik anzusprechen und zu überzeugen."
Das gelang allen vier Kapellen auf ihre ganz eigene Art und Weise. Die Musiker der Gruppe Drake Stone aus Bamberg und Forchheim ließen einen gefühl- und kraftvollen Gitarrenrock vom Stapel, der eingängig, verspielt und herausfordernd zugleich ist. Zeitlich lässt er sich in den 70er- und 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts verorten. Aerosmith, Bon Jovi und Saga lassen grüßen.
Die drei Akteure der Kulmbacher Hard-Rock-Band Dead And Stoned setzten die Reise zu den Helden von anno dazumal nahtlos fort. Nur mit einem Unterschied: Ihr rauer Sound ist eine Spur härter, klingt eher nach Bon Scott als nach Jon Bon Jovi. Kurzum: lebendige Musik zum Aufrütteln und Munterwerden.
Ganz in diesem Sinne agierten auch die Rumors Of Riots aus Hof, deren quicklebendiger, explosiver und mitunter verquerer Punk-Rock-Sound die Rastlosigkeit in sich trägt. Eine Frontfrau sieht man zudem nicht alle Tage bei einer Drei-Akkorde-Band. Hut ab vor Elena Edelmann, die in ihrer Stimme Euphorie und Zorn gewürzt mit einer Prise Wehmut vereint.
Die Kronacher Band Angiz mit Mario Brozek (Gesang und Rap), Lukas Stumpf (Schlagzeug), Thomas Feilner (Gitarre) und André Deuerling (Bass) wurde zum exzellenten Brückenbauer zwischen Rap und Rock. Mario Brozek wurde dabei zur fidelen Rampensau und riet den Zuhörern in einem der klugen Texte: "Nimm Dein Leben in die Hand und geh so weit Du kannst."