Draußen ist es die Kunst, die von der Natur geformt ist: stille Seen, intensives Grün in unversehrter Landschaft und eine schon fast betörende Monotonie entlang der Gleise. Es ist eine Reise quer durch Litauen von der Metropole Vilnius bis Klaipeda an der Baltischen See. Der Zug fährt vorbei an namenloser Einsamkeit, ein Stopp nur auf knapp 400 Kilometern.
Wolkenspiele von verhangenem Grau bis in lichte Bläue, die sich schließlich im Meer verliert. Und dann noch dieses dramatisch aufleuchtende Abendrot in nordischer Dichte - warum eine solche Melancholie?


Szenenwechsel

Szenenwechsel und zurück zur Kunst in Vilnius: drinnen abstrahiert gemalte Natur, auf Leinwand gebannt in Öl oder Acryl; Grafik, Keramik und Glas. Wieder grün, ganz anders, seengrün, daneben fjordblau, inspirierendes Blutrot. Waldschattenbäume aus Holz, das sagenumwobene Thule im Relief, das nahezu fotografische Konterfei von Günter Grass in Acryl, die Radierung "Ultima Hojá" als iberisches Gedankengut. Es ist die Summe europäischen Denkens und europäischer Inspiration. Wenn 43 Künstler aus elf Nationen zu einer Ausstellung zusammenkommen, die Häfte mehr als 1000 Kilometer angereist, dann hat die Entdeckungsfreude an gemeinsam Geschaffenem einen Namen: "ARTexchange 2017 Franken-Litauen".


In alten Klostermauern

In fünf großzügigen Räumen in altehrwürdigen Klostermauern, in der Arka-Galerie, sind noch bis 1. Juli insgesamt 145 Exponate zu sehen, die die Mitglieder der internationalen Künstlervereinigung focus-europa und des Bundes Fränkischer Künstler mitgebracht haben. Mit letzterem kooperiert focus-europa das erste Mal, und wie man sieht ist es eine gelungene künstlerische Liaison geworden: ein anregender Spaziergang durch die Galerie im Herzen der Altstadt.
Ein Künstlerpaar, eher ein Novum, kommt aus Nürnberg: Pia Morgenthum und Reinhard Bienert suchen Gemeinsames in der Gegensätzlichkeit, Schwarz und Weiß kontrastieren in ihrer grafischen Malerei und im modernen Expressionismus.
Die Kulmbacherin Marion Kotyba findet in der abstrakten Acryl-Malerei ihren Stil, geheimnisvolle Naturidylle gehören zu ihrem Metier. Und der Neudrossenfelder Lutz Benno Kracke mag es einfach strukturiert, aber in klaren Flächen und Quadraten. "Empty" ist so ein Beispiel, drei matte Farben, kaum unterscheidbar. Kracke ist der Initiator der "ARTexchange", brachte die Künstler zusammen mit dem Hintergrund eines Kunst- und Kulturaustausches.


Positives Fazit

Der Vorsitzende von focus-europa zieht ein positives Fazit nach der Woche in Vilnius, die in einer "ARTconference" mündete. "Die Zeit in Litauen war eine echte Bereicherung im künstlerischen Spannungsfeld des jeweiligen Herkunftslands und der europäischen Idee. Wir konnten wieder die Netzwerke verstärken, die Unterschiede in der Gedankenwelt kennenlernen und feststellen, dass Kunst die Menschen eint über politische Grenzen hinweg". Die Kunst bleibt aber ein hartes Brot, egal ob man in Litauen, Bosnien-Herzegowina, Serbien oder Deutschland wohnt.
Es seien neue Freundschaften entstanden, "die es am Leben zu erhalten gilt". Dass focus-europa mit internationalem Leben weiter bereichert wird, wurde in Litauen deutlich: Die dort heimische Malerin Mykolé Jenciene mit Masterabschluss an der Pariser Akademie ist das neueste Mitglied. Im Oktober trifft man sich in der Galerie im Eishaus Neudrossenfeld zur "ARTexchange 2017 in Franken".