von unserem Mitarbeiter Manfred Welker

Herzogenaurach — Im Stadtmuseum Herzogenaurach ist bis in den Januar 2016 die Ausstellung "Kriegsweihnacht 1915" zu sehen. Bestückt ist die Ausstellung vor allem mit Leihgaben aus der Privatsammlung von Arno und Tobias Damberger aus Ebnath.
Der Hurra-Patriotismus vom August 1914 war allmählich verflogen, denn der Erste Weltkrieg dauerte länger als gedacht. Zu Weihnachten 1914 wollten die Soldaten wieder in der Heimat sein, stattdessen verbrachten sie nicht nur das Weihnachtsfest 1914, sondern auch 1915, 1916 und 1917 im Schützengraben.
Findige Unternehmer stellten sich darauf ein, so gab es für die Front handliche kleine Weihnachtsbäume mit künstlichem Grün, Kerzenhaltern und Kugeln zum Aufstellen für den Unterstand.
Zuhause konnten die Daheimgebliebenen ihren Weihnachtsbaum mit Schmuck in Form von Zeppelinen und Kugeln mit dem Konterfei des Kaisers und seiner Generalen aber auch der preußischen Pickelhaube behängen. Vorherrschend bei den Fahnen und Bändern war das Schwarz-Weiß-Rot der Reichsflagge.
Für die Soldaten war die Versorgungslage mehr als schlecht. Über Wasser halten konnten sie sich an der Front nur mit den als Liebesgaben apostrophierten Paketen aus der Heimat. Versendet wurde warme Wäsche, aber vor allem viel Essbares. Die Pakete wurden durchnummeriert und mit Postkarten angekündigt. Nur so konnten die Soldaten wissen, ob auch wirklich jede gut gemeinte Gabe ankam.
Ansichtskarten verbreiteten patriotische Parolen, auf einer Ansichtskarten werden Olympische Spiele 1914 unter dem Motto "Wettlaufen" veranstaltet - ein deutscher Soldat vertreibt mit aufgepflanztem Bajonett gegnerische Soldaten.
Auch in der Heimat belegte der Krieg alle Bereiche des Lebens. Kinder wurden mit passenden Uniformen auf ihre Rolle vorbereitet, für sie gab es außerdem Geschirr mit heroischen Bildern. Auch auf dem Essbesteck für Erwachsene wurde am Griff ein eisernes Kreuz eingeprägt. Patriotisch wollte man sein. Mit einem Puzzle aus Postkarten konnte man Paul von Hindenburg und seine Schlachten kennenlernen. Auf einem Esslätzchen findet sich das Zitat von Otto von Bismarck: "Wir Deutsche fürchten Gott, sonst nichts auf der Welt." Viele waren in der Hoffnung, den Vater oder Ehemann wieder in der Heimat begrüßen zu können. Viele kamen aber nicht mehr zurück. Nach Schätzungen verloren 17 Millionen Menschen ihr Leben.
Die ausgestellten Objekte stammen zum größten Teil aus dem Besitz von Arno und Tobias Damberger aus Ebnath. Arno Damberger wuchs in Wunsiedel auf und wurde dort durch das Fichtelgebirgsmuseum animiert, sich für neuere Zeitgeschichte zu interessieren. Seit nunmehr rund 40 Jahren sammelt er Objekte aus der Zeit des deutschen Kaiserreichs, darunter auch Liebesgaben, die mit der Feldpost versandt wurden. Sein Spezialgebiet aber ist filigraner Christbaumschmuck aus der Wilhelminischen Zeit. Die Stücke sind heutzutage rar. Sein Sohn Tobias wurde vor 15 Jahren von der Liebhaberei seines Vaters angesteckt. Er hat sich auf Kindermilitaria und Brettspiele aus der Zeit des Ersten Weltkriegs spezialisiert.