Das verdient in der Tat die Bezeichnung Festival: Über zwölf Tage, vom 10. bis zum 22. Oktober, laden die Mitglieder des Vereins Alternative Kultur zu Theater, Workshops, Vorträgen, zum Kochen, zu Gesprächen und Konzerten ein. Ein Thema steht über allen Veranstaltungen: Rassismus und die Angst vor anderen Kulturen. "Wir wollen die Problematik in die Stadt hineintragen und möglichst viele Menschen ansprechen", erläutert Sebastian.
Das Festival Contre le Racisme fand erstmals 1995 in Frankreich statt, veranstaltet vom Studierenderverband UNEF. Nach Deutschland holte es 2003 der "freie Zusammenschluss von StudentInnenschaften" (fzs). "Wir haben viele Studenten im Verein und kennen das Festival von unseren Freunden in Bamberg", erzählt Sebastian. Also lag es nah, die Veranstaltung auch nach Coburg zu bringen.
Und weil die Vereinsmitglieder sich nicht nur auf eine Zielgruppe konzentrieren, sondern so viele Coburger wie möglich einbeziehen wollen, haben sie sich Partner in der Stadt gesucht. So ist es möglich, die Veranstaltungen an unterschiedlichsten Orten anzubieten: in der CoJe, im Stadtbüro der Diakonie Coburg (Dialog), im Jugendzentrum Domino, auf dem Güterbahnhofsgelände und an der Hochschule Coburg. "Unser Themenspektrum ist breit", sagt Sebastian.
Los geht es am Montag, 10. Oktober, um 19 Uhr mit der Bühne für Weltbürger in der CoJe. Unter dem Titel "Factory of arts" ist eine kunsttheatralische Installation des Ensembles der Bühne für Weltbürger zusammen mit dem Publikum geplant. "Dabei geht es uns darum, dass sich die Teilnehmer erst einmal kennenlernen." Im Anschluss, um 20.30 Uhr, folgt ein Vortrag mit dem Titel "Einführung in den Rassismus", den ein Student der Hochschule Coburg hält, der dazu eine Masterarbeit geschrieben hat.
Am Dienstag, 11. Oktober, zeigt das Forumtheater Thevo das Stück "FluchtEnde". Das Publikum kann in die Geschichte eingreifen. Beginn ist um 19 Uhr. Am Mittwoch hält Matthias Scheibe, Lehrkraft an der Hochschule Coburg, um 20 Uhr im Veranstaltungsraum der Alternativen Kultur in der Hinteren Kreuzgasse 3 einen Vortrag, der sich mit "Rassismus und Männlichkeit" beschäftigt.


In Chile und hier

Der Freitag, 14. Oktober, ist den Mapuche, dem indigenen Volk Südamerikas gewidmet, das zum Teil in Chile lebt. "Zu unserem Festival kommen Austauschstudenten aus Chile, die einen Vortrag über die spirituelle und territoriale Realität der Mapuche in ihrem Land halten. Sie halten ihn auf Spanisch, es gibt aber eine Übersetzung", erläutert Sebastian. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr im Jugendzentrum Domino. Um 21.30 Uhr folgt dann an gleicher Stelle ein Konzert mit Esteban Sáe, einem Liedermacher aus Temuco. Am Samstag startet um 9 Uhr der Workshop "Antirassistisches Training" im Stadtbüro Dialog in der Metzgergasse. Er läuft auch am Sonntag noch. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, sollte man sich dafür anmelden. Mit dem Workshop "Grenzenlose Kreativität", der am Montag, 17. Oktober, um 17 Uhr in der CoJe beginnt, sollen vor allem schutzsuchende, aber auch andere interessierte Frauen angesprochen werden.
Am Abend (19 Uhr) geht es dann im Jugendzentrum Domino um "Postkolonialismus". Der Autor Timo Stein hat ein Buch über den Antizionismus in der deutschen Linken geschrieben. Darüber wird er am Dienstag ab 19 Uhr im Büro der Alternativen Kultur sprechen. Mit Antiziganismus beschäftigt sich ein Vortrag am Mittwoch, 19. Oktober, um 19 Uhr an der Hochschule Coburg im Raum 5.1.
Der Film "Schwarz Rot Gold", der am Donnerstag um 20 Uhr im Jugendzentrum Domino gezeigt wird, befasst sich mit dem Leben von Menschen mit dunkler Hautfarbe, die in Deutschland aufwachsen.
Für die Abschlussveranstaltung am Samstag, 22. Oktober, ab 14 Uhr auf dem Güterbahnhofsgelände werfen die Mitglieder der Alternativen Kultur noch einmal Schwergewichte in die Waagschale: das Kochen für Weltbürger, einen Zirkus-Workshop für Kinder und Junggebliebene und ein Konzert mit den Bands Stolen Twice aus Coburg (experimenteller Funkrock), Spezial-K aus Nürnberg (Polit-Rap), The Flexfitz aus Rostock (IGI-Punk), Missstand aus Österreich (Punkrock) und Simon Grohé aus Köln (Rap).