von unserer Mitarbeiterin  daniela pondelicek

Coburg — Alte Badelatschen, Dosenblech, Draht, Gummi, Holzreste, welke Bananenblätter - was auf den ersten Blick wie Müll aussieht, wird von Menschen in Afrika in besonderer Art und Weise wiederverwertet. Mit Kreativität und handwerklichem Geschick fertigen sie aus scheinbar wertlosen Dingen Spielzeuge, Musikinstrumente oder auch kostbare Kunstgegenstände. Das Naturkundemuseum Coburg zeigt ab heute, Samstag, bis zum 5. Juli eine erlesene Auswahl solcher Werkstücke in der Sonderausstellung "Einfälle statt Abfälle - Kulturphänomen Recycling".
Die Exponate stammen zum Großteil aus der Privatsammlung des Coburgers Jürgen Werobèl-La Rochelle. Bei seiner langjährigen Tätigkeit in Afrika seien ihm die liebevoll gefertigten Stücke ins Auge gefallen und er habe angefangen, sie zu sammeln. Ihm gehe es vor allen Dingen darum, ein anderes Bild von Afrika zu vermitteln. "Ich möchte zeigen, dass es dort nicht nur Armut gibt, sondern auch Kreativität und Erfindergeist", betont er.
Das erste Stück war ein aus einer alten Dose gestanzter Armreif. Danach kamen immer mehr Stücke hinzu. In seiner Sammlung befinden sich sowohl kunstvolle als auch skurrile Exponate, etwa ein Klappmesser, das aus einer alten Stoßstange gefertigt worden ist. Vieles stammt aus der Republik Benin, wie auch eine Reihe von Energiespargrills. "In ihnen wurde die traditionelle Technik weiterentwickelt", erklärt Werobèl-La Rochelle. Ursprünglich habe man mit dem Drei-Steine-Feuer die für das Kochen nötige Hitze erzeugt. "Der Energiespargrill ist geschlossen, so wird die Hitze konzentriert und geht nicht so schnell verloren", erklärt er.
Eines seiner Lieblingsstücke sei aber ein Krapfenblech. "Man hat den Deckel eines Ölfasses erwärmt und dann Vertiefungen eingestanzt. Über dem Energiespargrill kann man nun Krapfen backen", erklärt er. Viele Kinder basteln Spielzeuge, um sie an Touristen zu verkaufen: Flugzeuge aus Zündkerzen, Jeeps aus Draht, Puppen aus getrockneten Kürbissen und Stoffresten. "Ihre Kreativität scheint grenzenlos zu sein", sagt Werobèl-La Rochelle. "Wichtig ist, dass die Materialien verfügbar, finanzierbar und beherrschbar sind."
Hans Schmidt, Fachmann für Pädagogik in Entwicklungsländern, gibt am heutigen Samstag, von 10 bis 16 Uhr nähere Erklärungen zu ausgewählten Exponaten der Sonderausstellung. Besucher können sich von ihm außerdem eine Anleitung holen, wie sie selbst mit Abfällen kreativ werden können.