Höchstadt — Dankbarkeit oder auch Fragen, Sorgen und Zweifel dürften die Beweggründe gewesen sein, die die Gläubigen am Silvesterabend in die Stadtpfarrkirche St. Georg zogen.
Die gewonnene Weltmeisterschaft 2014 veranlasste Dekan Kilian Kemmer zur Frage, wie Menschen die Welt meistern können und welchen Beitrag die Kirche zur Weltmeisterschaft von Menschen leistet.
Man sollte nicht der Versuchung zu erliegen, im Mainstream mitzuschwimmen, sich anzupassen, keine Akzente mehr zu setzen oder nur abzuwarten. "Christen gehen zielbewusst einen Weg und entwickeln auf diesem Weg immer wieder neu ihr Profil. Nur dadurch können sie die Welt meistern". Den Verführungen der Passivität nicht zu erliegen, bleibe das Anliegen der Pfarrei.
Die neue Pfarrgemeinderatsvorsitzende Karola dos Reis Goncalves erinnerte an die im vergangenen Jahr verdreifachte Beteiligung an der Pfarrgemeinderatswahl.
Die Intensivierung der Arbeit fand im neu gewählten Gremium in der Begegnung und Vernetzung mit den Trägern aller sozialen Einrichtungen bereits einen ersten spürbaren Erfolg, so Goncalves. Außerdem verwies sie auf die Katholische Krankenhausseelsorge mit Diakon Georg Paszek, die heuer auch durch den Besuch von Erzbischof Ludwig Schick in Spitalkirche und Krankenhaus zum Welttag der Kranken gewürdigt wurde.
Das soziale Engagement für die Opfer des Ebola-Virus oder die Flüchtlingshilfe fanden Anerkennung durch den Besuch des neuen Weihbischofs Herwig Gössl. Auch die Verbundenheit mit den anderen Pfarreien des Dekanates und mit der Weltkirche betonte Karola Goncalves und verwies auf die Visite des römischen Kurienkardinals Walter Brandmüller im Lebensmittelpunkt und auf die Fahrt des Gymnasiums Höchstadt nach Rom.
Kirchenpflegerin Tanja Schwägerl zeigte anhand der Arbeit in der Kirchenverwaltung auf, wie auch im Finanz- und Verwaltungsgremium der Pfarrei vielen Versuchungen der Trägheit oder Gleichgültigkeit widerstanden wurde: Verschiedene Baumaßnahmen oder der Ausbau des Betreuungsangebotes durch die drei Kindertagesstätten sprächen für sich. "Dank der Arbeit unserer qualifizierten Mitarbeiterinnen erhielten die drei katholischen Kindertagesstätten der Stadt die Auszeichnung ,Kindergarten Plus' von der deutschen Liga für Familie und Gesellschaft", berichtete Schwägerl.

143 000 Euro gespendet

Als ein Glück bezeichnete es die Kirchenpflegerin, angesichts der vielen Aufgaben der Kirchenverwaltung nicht nur an sich selbst zu denken. "Dieser Versuchung können wir mit 143 000 Euro Spendengeldern entgegnen, die ausschließlich an die kirchlichen Hilfswerke und für das Armenienprojekt weitergeleitet wurden." Allen Spendern dankte Tanja Schwägerl im Namen der Kirchenverwaltung.
"Wir wollen nicht nur die erreichen, die immer da sind." Dazu erwähnte sie die zehn großen Kirchenkonzerte in St. Georg von den Klassikern über ein Jazz-Oratorium bis hin zum musikalischen Melodram zur "Unsterblichkeit der Seele".
Der Beitrag zum Frieden durch verschiedene Projekte der Pfarrei kam nach Ansicht von Karola dos Reis Goncalves zudem nicht zu kurz: die Gestaltung des Gedenkens an den Beginn des 1. Weltkrieges vor 100 Jahren, der Besuch der Ministranten in der polnischen Partnergemeinde Swinemünde und der Besuch des Konzentrationslagers Auschwitz zur Erinnerung an den Beginn des 2. Weltkrieges vor 75 Jahren und die "Friedensdemonstration" von über 500 Höchstadtern zum 375. Wallfahrtsjubiläum in Dettelbach, das ökumenische Friedensgebet am Pfarrfest. "2015 können wir wieder Weltmeister werden", meinte Kilian Kemmer, wenn wir "miteinander glauben und uns verstehen, anpacken, wo wir gebraucht werden und füreinander da bleiben".
Die Silvestergottesdienste gestaltete Wolfgang Först an der Orgel zusammen mit Katharina Heilmann (Gesang), Martin Oberle (Trompete) und Dethard Peters (Violine). Den Jahreswechsel um Mitternacht umrahmten für die Kirchenbesucher das Glockengeläut, die Gebete, Gesänge und die Musik ebenfalls sehr besinnlich. LM