Nein, nichts war wie immer! Es begann schon beim Einlass zum Ehrenhof von Schloss Weissenstein: Sicherheitsdienste kontrollierten akribisch jede Tasche . Dennoch - in Zeiten von Angst und Terror sind solche Vorkehrungen selbst bei der Schloss-Serenade im ländlichen Pommersfelden durchaus verständlich.
Vielleicht gerade deshalb hatte der musikalische Leiter Dorian Keilhack ein Programm zusammengestellt, das besonders bunt und heiter war. Wie sonst wären Mozart, Mahler, Walzerkönig Strauss, Gershwin und Händel unter einen Hut zu bringen. Der in Erlangen geborene Dirigent zeigte sich als echter Entertainer, führte kurzweilig durch den Abend, streute Anekdoten ein, erzählte von seiner Wiener Urgroßmutter, "die manchmal im Traum zu mir spricht", und ernannte, weshalb auch immer, den Radetzky-Marsch zur "National-Hymne von Pommersfelden".
Bei der "Donner- und Blitz-Polka" (Johann Strauss Sohn) ließ er gewaltig auf die Pauke hauen und - er adelte seinen Kollegen Dankwart Schmidt, seit vielen Jahren Dozent bei der Sommerakademie "Collegium Musicum", zum "Hofkapellmeister von Schloss Weissenstein". Johannes von Schönborn, einen der Söhne des gräflichen Hausherrn, baute Keilhack gar als Instrumentalist am Glockenspiel ins Programm ein. Es gab schon stimmigere Schloss-Serenaden, lustigere aber wohl kaum.


Publikum singt im Kanon

Ein lauschiger Sommerabend im Schlosshof, der sich mit hingehauchten rosa Wölkchen fast ebenso leise verabschiedete wie der dritte Satz aus Gustav Mahlers Sinfonie "Der Titan". Dass der Komponist darin das Volkslied "Frère Jacques" aufgenommen und bearbeitet hat, brachte Keilhack auf die Idee, mit den Besuchern den "Bruder Jakob" als Kanon anzustimmen. Überraschenderweise klappte das hervorragend.
Nach der Pause und einem Medley von George Gershwin folgte das, was die gut 2000 Besucher - neben der grandiosen Kulisse des Schönborn-Schlosses - wohl am meisten angezogen hatte: Georg Friedrich Händels "Music for the Royal Fireworks" vor dem Hintergrund eines echt fantastischen Feuerwerks. "Maestro" Dankwart Schmidt, Experte, Dirigent und Dozent "für Blech", der seit vielen Jahren in Pommersfelden dabei ist, leitete das Orchester. In diesem hatten sich Musikstudenten aus 24 Nationen zusammen gefunden.