Die Gewerkschaft NGG (Nahrung-Genuss-Gaststätten) fordert mehr Mindestlohn-Kontrollen im Kreis Haßberge. Der Schweinfurter Zoll hat nach Gewerkschaftsangaben nur vier Prozent aller Hotels und Gaststätten kontrolliert.
Verstöße gegen den gesetzlichen Mindestlohn werden im Landkreis Haßberge zu selten geahndet - vor allem im Gastgewerbe. Das bemängelt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Nach Angaben der NGG kontrollierte das zuständige Hauptzollamt Schweinfurt im vergangenen Jahr 167 Gastro-Betriebe. Das sind vier Prozent aller Hotels und Gaststätten im Bereich der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) beim Schweinfurter Zoll. Im Jahr zuvor hatten die Beamten 230 Betriebe im Gastgewerbe geprüft. Allein im Kreis Haßberge zählt die Branche 117 Betriebe.
Insgesamt überprüfte das Hauptzollamt Schweinfurt im letzten Jahr 1101 Arbeitgeber auf Schwarzarbeit, Lohn-Prellerei und Betrug bei der Sozialversicherung. Wegen Verstößen gegen den gesetzlichen Mindestlohn verhängten die Kontrolleure dabei Bußgelder von 300 000 Euro und leiteten 174 Ermittlungsverfahren ein - 76 davon im Gastgewerbe. Die Zoll-Bilanz geht aus einer aktuellen Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage der Arbeitsmarkt-Expertin Beate Müller-Gemmeke (Grüne) hervor. Diese liegt der NGG vor.
Geschäftsführer Ibo Ocak nennt die Zahlen "alarmierend": "Von der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns Anfang 2015 sollten die Beschäftigten im Gastgewerbe besonders profitieren. Aber viele Kellner, Köche und Co. gehen offenbar leer aus. 76 eingeleitete Ermittlungsverfahren bei nur 167 geprüften Betrieben zeigen, dass die Zahl der Arbeitgeber, die ihren Beschäftigten den Mindestlohn vorenthalten, noch immer viel zu hoch ist."
Der Mindestlohn beläuft sich derzeit auf 8,84 Euro pro Stunde. red