von unserem Mitarbeiter Stephan Stöckel

Lichtenfels/Unnersdorf — Wenn im Spätsommer auf dem Lichtenfelser Säumarkt Konfetti durch die Luft wirbelt, dann haben sich keine Pappnasen im Datum geirrt, sondern ist das Ausdruck purer Freude über das Lied "My Girl".
"Wenn wir den Oldie der amerikanischen Soulband Temptations spielen, dann ist das für unsere Fans wie eine vorgezogene Weihnachtsbescherung. Sie tanzen und singen voller Überschwang im selbst erzeugten Papierschnipsel-Regen", erzählt Moritz Eisentraut von der legendären Formation "Mojo".
Seit über 25 Jahren sind die Musiker aus Lichtenfels, Leipzig und dem Coburger Raum fester Bestandteil der Traditionsveranstaltung. Stammgäste sind die sechs Akteure auch im "Gasthof zur Linde" Unnersdorf, wo sie am Samstag, 1. August, ab 21 Uhr ein weiteres Mal ihre unverwechselbare musikalische Note abgeben. Selbstverständlich spielt die Gruppe auch beim Korbmarkt am Samstag, 19. September, von 14 bis 18 Uhr. Tags darauf am Sonntag, 20. September, kann man die Gruppe in der Lichtenfelser Gaststätte "Dümpfelschöpfer" ab 15.30 Uhr live erleben. Der Eintritt zu diesem Konzert ist frei.
Swing, Blues, Rock'n'Roll - das Sextett spielt eine Musik, die Glücksgefühle bei den Zuhörern freisetzt. Nomen est omen könnte man in Anlehnung an den Bandnamen sagen, über den im Internetlexikon "Wikipedia" geschrieben steht: "Mojo bezeichnet eigentlich ein magisches Amulett, wird aber auch als Synonym für Glück oder Glücksbringer verwendet." Für Eisentraut ist das Wort afrikanischen Ursprungs, das häufig in Blues und Rock'n'Roll verwendet wird, eng mit der schwarzen Musikgeschichte verwurzelt. "Logisch, dass wir den Klassiker I've Got My Mojo Working spielen", hebt der Lichtenfelser mit Nachdruck hervor.
In diesem ganz speziellen Fall hat das Wort noch eine weitere Bedeutung. Es ist ein Akronym, gebildet aus den Anfangssilben der beiden Vornamen Joachim und Moritz. "Mein Freund Joachim Burdack aus Leipzig, der Anfang der 80er-Jahre in Bamberg studiert hat, und ich sind die Keimzelle von Mojo. Wir schwammen bluesmusikalisch auf der gleichen Wellenlänge und feierten unsere ersten Erfolge in der Musikkneipe ,Pinkus' am Säumarkt", kramt er aus seinen Erinnerungen hervor.
Was lag näher, als die Gruppe "Mojo" für die alljährlichen Blues- und Dixie-Konzerte, die im Rahmen des Korbmarktes am Säumarkt stattfinden, zu verpflichten? Die Idee dazu hatte die damalige Werbegemeinschaft der Einzelhändler, der "Treffpunkt Lichtenfels". "Sie wollten eine Alternative zu den Blasmusikkonzerten am Marktplatz bieten. 1996 spielten wir zum ersten Mal auf dem Säumarkt", erläutert der Bandleader.

Spannendes Gitarrenduell

Mehr als 25 Mal habe man schon am Korbmarkt gespielt, schätzt Eisentraut. Langweilig sei es ihnen dabei nie geworden. Da man nur wenige Konzerte im Jahr gebe - 2014 waren es laut Home page gerade mal vier -, sei jeder Auftritt ein Höhepunkt. Mit einem ganz besonderen Highlight wartet das alljährliche Korbmarktkonzert auf: Die Gruppe wird von Detlef Belk, einem alten Freund Burdacks aus Berlin, unterstützt. "Es kommt zu Gitarrenduellen zwischen ihm und mir, die allerdings nicht in einem Kampf ausarten. Auf Blickkontakt spielen wir uns spontan die musikalischen Bälle zu. Das ist geistige Erbauung für unseren ,Mojo'-Fanclub, der sich im Laufe der Zeit herausgebildet hat", schildert Eisentraut. Der Lichtenfelser und seine musikalischen Mitstreiter Joachim Burdack aus Leipzig (Saxophon, Flöte, Mundharmonika und Gesang), Gerd Löffler aus Lichtenfels (Gitarre und Gesang), Yvonne Preising aus Großheirath (Piano), Heiko Jakob aus Grub am Forst (Bass und Gesang) sowie Jürgen Höhn aus Coburg (Schlagzeug) wollen das musikalische Rad nicht neu erfinden, sondern greifen lieber auf dem großen musikalischen Fundus zurück, den Blues und Rock'n'Roll bereithalten. "Wir lieben es, wohlvertrauten Liedern durch Interpretieren und Improvisieren ein neues musikalisches Gewand zu geben. Das kommt bei unseren Fans gut an."
Auf das Altenteil begeben will sich das Sextett im reiferen Alter noch lange nicht. Solange man geistig und körperlich fit sei, so Eisentraut, werde man auf den heimischen Bühnen anzutreffen sein. Auch um die legendären Korbmarktkonzerte müssen sich die Fans in naher Zukunft keine Sorgen machen, auch wenn der Lichtenfelser, bescheiden wie er nun mal ist, feststellt: "Wir verstehen uns nicht als Platzhirsche. Wenn es gewünscht wird, spielen wir gerne."