von unserem Redaktionsmitglied 
Alexander Hartmann

Kulmbach — Am morgigen Donnerstag werden sich wohl einige Melkendorfer Bürger und Bewohner des Neubaugebiets Am Galgenberg, der Heinrich-Hoffmann-Straße und der Siedlung im Vortragssaal der Sparkasse treffen. Denn dort tagt der Stadtrat (Beginn 17 Uhr), und ein alles andere als unumstrittenes Projekt steht auf der Tagesordnung: das geplante Gewerbegebiet bei Melkendorf.
Von einer Verschandelung der Landschaft ist die Rede, auch eine starke Abgas- und Lärmbelastung wird befürchtet - Bürger, aber auch Träger öffentlicher Belange haben im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit Kritik am Gewerbegebiet geübt beziehungsweise Stellungnahmen abgegeben. Etwa 500 Bürger haben auf einer Unterschriftenliste gegen das Vorhaben der Stadt protestiert. Ob der Stadtrat, der sich morgen mit den Einwendungen befasst, das Projekt weiter vorantreiben wird? Wie eine Nachfrage der BR unter den Fraktionen ergeben hat, wird das Gremium wohl mit einer breiten Mehrheit die Aufstellung eines Bebauungsplan-Entwurfes beschließen.


"Nur" noch 12,5 Hektar

Die Vorlage der Verwaltung sieht im Grunde genommen das vor, was OB Henry Schramm (CSU) im Nachgang zur Infoveranstaltung im Juli verkündet hatte. Nach dem Protest der Bürger hatte er vorgeschlagen, das Gewerbegebiet zu verkleinern. Die reine Gewerbefläche wird demnach nicht 17,5, sondern "nur" noch 12,5 Hektar betragen. Flächen, die in Richtung Stadtgebiet und Melkendorf liegen, werden aus dem Planung herausgenommen.
Für die CSU signalisierte Michael Pfitzner Zustimmung. "Wir stehen zum Gewerbegebiet in der nun abgespeckten Version", sagt der Fraktionsvorsitzende. Das Areal sei im Vergleich zu alternativen Flächen wirtschaftlich am sinnvollsten zu erschließen und könne am besten vermarktet werden. In der Sitzung des Entwicklungsausschusses im März standen laut Pfitzner auch Flächen bei Katschenreuth und Forstlahm zur Diskussion.
Auf die Befürchtungen der Bürger müsse man eingehen. Er glaubt allerdings nicht, dass die Bewohner angrenzender Wohngebiete unter einer großen Lärm- und Geruchsemission leiden werden. Und niemand müsse fürchten, riesige Gebäude vor die Nase gesetzt zu bekommen. Kulmbach braucht, so Pfitzner, Gewerbeflächen, nicht nur um Firmen zu locken, sondern auch um bestehende Betriebe zu halten, die sich erweitern wollen.
Die von der SPD lange favorisierte Fläche lag bei Forstlahm. "Wir haben Melkendorf aber nie abgelehnt", sagt Fraktionssprecher Ingo Lehmann. Seine Fraktion hat gestern Abend getagt, und so wollte sich Lehmann zur grundsätzlichen Haltung der SPD noch nicht äußern. Es sei die Frage, wie die Interessen der Bürger berücksichtigt werden, betont Lehmann. Er könne all die verstehen, die davor Angst haben, dass der Schwerlastverkehr zu einer erheblichen Beeinträchtigung führen wird.


Die Verkehrsanbindung

Die Verkehrsanbindung sei ein wichtiger Aspekt, stellt für die WGK Fraktionssprecher Ralf Hartnack fest. Wünschenswert wäre es aus seiner Sicht, wenn der Schwerlastverkehr nicht über die Melkendorfer Straße Richtung Schauer-Kreuzung, sondern über die neue Umgehung Richtung B 289 geführt würde. Keine Frage sei, dass Kulmbach Gewerbeflächen brauche. Mit der abgespeckten Variante werde man den meisten Forderungen aus der Bevölkerung gerecht, so Hartnack, der verspricht, dass die WGK dafür eintreten werde, dass weder Spielhallen noch Discounter kommen. Seine Fraktion habe eigentlich das Gebiet bei Forstlahm präferiert, das näher an der Autobahn liege. Aufgrund der Topographie wäre dieses aber viel schwerer zu erschließen.
Hans-Dieter Herold (GOL) hat sich noch keine abschließende Meinung gebildet. Er werde die Aufstellung des Bebauungsplan-Entwurfes wohl aber mittragen. In dem Verfahren könne geprüft werden, "was möglich ist", so Herold. Die abgespeckte Variante sei vernünftig. "Vermutlich war es vorher zu groß dimensioniert." Es sei aber noch Einiges zu tun, "damit die Leute in den Wohngebieten mit dem Gewerbegebiet leben können".
Dass Flächen für mögliche Investoren vorgehalten werden müssen, stellt auch Thomas Nagel (FDP) heraus. Das Areal bei Melkendorf sei aufgrund der Nähe zur Kläranlage in Sachen Abwasser am einfachsten zu erschließen, so Nagel, der forderte, dass auch Leerstände wie das alte Stadtwerke-Areal im Goldenen Feld vermarktet werden.
OB Henry Schramm (CSU) will heute einen weiteren Vorschlag unterbreiten. Demnach soll das Gewerbegebiet anders als ursprünglich geplant nicht von Kulmbach, sondern von Melkendorf aus entwickelt werden. Sollte sich das Interesse an Bauflächen in Grenzen halten, hätte das zur Folge, dass das Gewerbe gar nicht an Kulmbach heranrücken würde.