Andreas Oswald

Vor zwölf Jahren fand in Forchheim die Landesausstellung "Edel und frei - Franken im Mittelalter" statt. 199 000 Besucher wurden in den Monaten zwischen Mai und Oktober 2004 gezählt. "Es war eine der zugkräftigsten Ausstellungen des Hauses der bayerischen Geschichte", erinnert sich Pfalzmuseumsleiterin Susanne Fischer, als unsere Zeitung vor zwei Jahren über die "Spätfolgen" dieses kulturellen Ereignisses berichtete.
Es spricht viel dafür, dass diese Hoffnungen nicht vergebens waren. Die Landesausstellung von 2004 hat sich ins Gedächtnis eingegraben und die Wahrnehmung der Stadt verändert. Dabei sind es seinerzeit vor allem glückliche Zeitumstände gewesen, dass die Landesausstellung nach Forchheim kam. Das Pfalzmuseum war saniert worden und die archäologische Staatssammlung plante ihren oberfränkischen Ableger, der 2008 mit oberfränkischen vor- und frühgeschichtlichen Funden eröffnet wurde.


Viele prominente Gäste

Eine Woche vor der Eröffnung der Landesausstellung öffneten das Stadt- und das Trachtenmuseum seine Pforten für die Öffentlichkeit. Das ging damals fast unter. Am Montag, 10. Mai 2004, erwartete Forchheim hunderte illustrer Gäste zu einem Festakt, den der bayerische Kultusminister, Dr. Thomas Goppel, um 15 Uhr in der Martinskirche eröffnete. Der FT berichtete damals, dass Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WUO), Forchheimer und Oberfranke, in seiner Festansprache die Distanz zu sich selbst als eines der Wesensmerkmale der Franken diagnostizierte.
Als sprachwissenschaftlichen Beweis führte er des Franken Hang zur Verkleinerung an. Man denke dabei nur an mundartliche Formulierungen wie "a weng viel". Das "fränkische Phänomen" scheint nicht einfach zu beantworten. Ein Versuch war die Ausstellung. Stumpf - ganz ohne Distanz, ohne die typisch fränkische Verkleinerung und "nicht ohne lokales Selbstbewusstsein" - nannte Forchheim den richtigen Ort für die Ausstellung, zumal sie in einer alten Königskirche stattfand, ganz nah bei der Pfalz.
Der Eröffnungs-Schirmherr und Unterfranke, Thomas Goppel (CSU), spann den Faden um die Identitäts-Findung der Franken weiter, die sich nicht auf Bratwurst, Bocksbeutel und Mundart reduzieren lassen. Aber haben sie eine eigene Identität? Goppel zweifelt an einer Einheit, die Kraft habe einen eigenen Staat zu tragen. Nein, so viele Franken, so groß ist die Vielgestaltigkeit der Identitäten.
Wenn es überhaupt ein staatstragendes fränkisches Gesamtbewusstsein gebe, dann eines, das sich aus dem Wunsch nach Abgrenzung gegen Bayern speise. Noch vor einigen Jahrhunderten ist der Fall eines Nürnbergers belegt, der "nach Franken" reisen wollte - nach Würzburg. Der Materialfülle an Befindlichkeiten steht eine andere an historischem Ausstellungsstücken gegenüber. Diese zu
sichten und auszuwählen sei ein Verdienst des Hauses der Bayerischen Geschichte, lobt Goppel.
Der fränkische Volksstamm nahm in der Völkerwanderungszeit das Rheingebiet und das heutige Frankreich in Besitz und gab dem fränkischen Königreich seinen Namen.
Was heute als Franken firmiert, ist nur ein kleiner Teil des ehemals östlichen Reiches. Die Zerrissenheit, den fränkischen Flickenteppich, kann man trotzdem kennen lernen: im Kulturpfad, den Dependancen der Landesausstellung, die über ganz Franken verteilt sind.


Ungestümer Volksstamm

Mutig, frech, ungestüm, kühn, aber auch frei - so werden die Franken beschrieben. "Edel und Frei", so der laut Goppel "gelungene Titel" der Ausstellung, waren dabei nicht alle. Nur jene privilegierte Oberschicht. Der Rest darbte in Abhängigkeit und Leibeigenschaft. Auch darauf wies Goppel hin.
"Die Ausstellung ist eröffnet", sagte er. Und er wünschte der Stadt, dass ganz viele Autofahrer die Ausfahrt Forchheim nutzten, nicht um dem Stau zu entkommen, sondern um die Ausstellung und die Stadt zu besichtigen. Darauf könne man stolz sein. Ohne Verkleinerung. Und ohne Distanz.


Touristische Initialzündung

Die Hoffnungen haben sich erfüllt. Zwölf Jahre später ist klar, dass die Ausstellung die Wahrnehmung der Stadt verändert hat. Davon profitiert vor allem der Tourismus der boomt und das Pfalzmuseum, das steigende Besucherzahlen verzeichnet.
Übrigens: Zwei Objekte der Landesausstellung haben dort ihren dauerhaften Platz gefunden - das Pärchen in der frühmittelalterlichen Tracht der Franken und das Modell vom ersten Bamberger Dom.