Christiane Reuther

Ein kleines Jubiläum können die Dorfhexen von Knetzgau feiern. Seit 25 Jahren ziehen sie am Altweiberfasching durchs Dorf. Frei nach dem Motto: "Das Rathaus wird gestürmt um fünf, da zieh mer unsern Bürgermeister raus mitsamt die Strümpf", übernahm das närrische Volk das Kommando im Rathaus. Der stellvertretende Bürgermeister Bernhard Jilke wurde vor das Rathaus gezerrt und musste eine Bewährungsprobe ablegen, ehe das wilde Weibsvolk Milde walten ließ.
Als "Baumbeauftragter", wie ihn die Hexen vom Knetzgauer Carnevalsverein bezeichneten, überreichten ihm die Frauen einen "Kerwesbam", nachdem es im letzten Jahr zwar einen Kirchweihumzug, aber keinen Baum gab. Diesen überreichten die Hexen symbolisch an Jilke, der assistiert von Gemeinderatskollegen Robert Beetz seine Aufgabe bravourös meisterte und den Stamm durchsägte.
Bernhard Jilke prophezeite den Hexen eine harte Zeit: "Seit einem halben Jahr stellt sich der Verkehr in der Gemeinde ganz anders dar, diejenigen, die Verstöße wagen, denen geht es mit Knöllchen an den Kragen". Das Rathaus würde besonders überwacht, dass keine Hexe in die Scheibe kracht. Ein Ratsbeschluss sei auch für das närrische Volk nicht ganz ohne: "Nach Fasching ist ganz Knetzgau hexenfreie Zone". Dazu hatte Jilke eigens ein Schied kreiert.
Die Hexen legten zur Freude der Zuschauer einen kessen Tanz aufs Parkett, ehe sie in die Diskothek weiterzogen.