Herzogenaurach — Fast 60 Anwesende erlebten einen denkwürdigen Klezmer-Abend. Denkwürdig nicht nur wegen des eindrucksvollen Musikvortrags, sondern auch dank der Schilderung der Schicksale lokaler Juden im Landkreis. Das Publikum erlebte Martina Switalski aus Eckental sowohl als ausdrucksstarke Sängerin als auch als Historikerin mit profunder Kenntnis der Lokalhistorie.
Switalski stammt aus einer alteingesessenen Familie in Forth. Durch viele Gespräche ging sie dem Schicksal der Juden nach. Im kleinen Dorf Forth lebten vor dem Zweiten Weltkrieg in zwölf Häusern jüdische Mitbürger. In der Progrom-Nacht 1938 wurden die letzten sieben Juden deportiert. Eindrucksvoll sprach sie vom kollektiven Gedächtnis, das nach wie vor in der dörflichen Gemeinschaft vorhanden ist. Die jüdische Musik ist untrennbar mit der Geschichte verbunden, beginnend mit der Zerstreuung der Juden nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem (70 n. Chr.).
Der musikalische Teil des Abends begann mit zwei chassidischen Liedern. Switalski berichtete dann über die Schtetl-Kultur. Die Schtetl (deutsch "Städtlein") waren Siedlungen mit hohem jüdischen Bevölkerungsanteil in Osteuropa vor dem Zweiten Weltkrieg. Switalski sang ein typisches jiddisches Lied: "As der Rebbe ...". Dann trug sie Halleluja vor und ein jiddisches Wiegenlied.
Jiddische Lieder sind auch in die westliche Unterhaltungsmusik eingeflossen. Bei "Bei mir bistu shein" ("Bei mir bist du schön") wurde Switalski sehr temperamentvoll und das Publikum klatschte und sang mit. Das Lied "Donna, Donna", das 1960 durch Joan Baez bekannt wurde, ist unter dem Eindruck von Ausschwitz entstanden. Ursprünglich hieß es "Donnaj, Donnaj", der Kurzform für Adonaj, dem jüdischen Synonym für Gott. Natürlich durfte auch "Hava Nagila" nicht fehlen. So konnten alle Gäste bei aller Ernsthaftigkeit auch beschwingt nach Hause gehen. red