Mit großem Interesse verfolgten die Teilnehmer beim zweiten Netzwerktreffen Sozialraum Herzogenaurach die Präsentation der bisherigen Ergebnisse. Josef Hennemann, geschäftsführender Vorstand der Lebenshilfe begrüßte mit den Worten: "Wir möchten den Aufbau und die Verbesserungen der inklusiven Strukturen gemeinsam mit den verschiedenen Akteuren in Herzogenaurach voranbringen."
Beim ersten Netzwerktreffen Anfang des Jahres, so geht es aus einer Pressemitteilung der Lebenshilfe weiter hervor, gründeten sich drei Arbeitsgruppen, um die Mobilität, das Wohnen und die Freizeit für Menschen mit Beeinträchtigung in Herzogenaurach zu analysieren und Schritte einzuleiten, um mehr Teilhabe zu ermöglichen. Diese Arbeitsgruppen präsentierten nun den Zwischenstand ihrer Arbeit.


Barrierefreiheit

Aus der Arbeitsgruppe Mobilität und Barrierefreiheit berichtete Arbeitsgruppensprecher Wolfgang Jörg über die Testfahrten mit dem Herzobus, Begehungen der Innenstadt und Erhebungen zur Barrierefreiheit in Herzogenaurach. Auch wenn Bürgermeister German Hacker deutlich machte, dass im Bereich Barrierefreiheit schon viel in Herzogenaurach getan wurde und die Bedingungen sehr gut seien, veranschaulichte Jörg mit den Ergebnissen der Arbeitsgruppe, dass es dennoch an einzelnen Stellen viel zu tun gebe. Neben bereits durchgeführten Maßnahmen zur Barrierefreiheit sieht die Arbeitsgruppe noch Handlungsbedarf, beispielsweise im Bereich der Fußgängerzone.
Die neu gestaltete Hauptstraße Richtung Würzburger Straße soll als verkehrsberuhigte Zone als Fortsetzung des verkehrsberuhigten Abschnitts der Innenstadt ausgestaltet werden. Die Straße sei schon jetzt für Menschen im Rollstuhl ohne Hürden sehr gut zu nutzen, für Personen mit einer Sehbeeinträchtigung fehlen aber Kontraste und ertastbare Markierungen.


Privat noch Nachholbedarf

Ein großes Ziel der Arbeitsgruppe Mobilität ist es, im privaten Sektor (Gaststätten, Geschäfte, Arztpraxen) für das Thema Barrierefreiheit zu sensibilisieren. Die Besitzer seien zwar sehr hilfsbereit, aber von einer barrierefreien Infrastruktur noch weit entfernt, sagte Jörg. Er bedauerte, dass es bei neuen Privatbauten mit Publikumsverkehr keine bindenden Vorgaben bezüglich Barrierefreiheit adäquat zu öffentlichen Gebäuden gebe. Einigkeit bestand darin, dass Barrierefreiheit für zehn Prozent der Bevölkerung notwendig sei und von 90 Prozent als Komfort gesehen werde.
Annika Lang, Projektverantwortliche des Projekts Wohnen - Mobilität - Freizeit/Kultur der Lebenshilfe, stellte die Ergebnisse einer Analyse zur Wohnraumversorgung in Herzogenaurach vor, die sie in Kooperation mit der Technischen Universität München durchgeführt hat.
Bei der Analyse zeigte sich, dass es relativ hohe Mietkosten in Herzogenaurach speziell bei kleineren Wohneinheiten gibt. Ein zusätzlicher Bedarf an kleinen Wohneinheiten aber auch größeren Einheiten für Wohngemeinschaften und Wohngruppen wird durch den Ausbau von ambulant betreutem Wohnen entstehen, den die Lebenshilfe forciert. Trotz des knappen Wohnraums gibt es einen Leerstand an Wohnungen, wenn auch nur um die vier Prozent.
Thomas Kohler, Abteilungsleiter in der Wohneinrichtung Würzburger Straße der Lebenshilfe verdeutlicht: "Es sind die Barrieren in den Köpfen, an welchen wir ansetzen müssen. Dann vermieten die Wohnungseigentümer auch an Menschen mit Beeinträchtigung."


Infos für Vermieter

Oliver Kundler, Leiter der Volkshochschule, schlug darum gleich eine Veranstaltung im Rahmen des VHS-Programms vor, zum Thema "Sie verfügen über freien Wohnraum in Herzogenaurach, haben aber Bedenken diesen zu vermieten?" Am 27. März wird es im Generationen-Zentrum nun eine Informationsveranstaltung für Vermieter geben. Wolfgang Jörg erwähnte die erfreuliche Tatsache, dass im privaten Wohnungsbau bei neuen Mehrfamilienhäusern mit mehr als drei Wohneinheiten die Vorgabe besteht, ein Drittel der Wohneinheiten barrierefrei zu gestalten.
Annika Lang, Projektbeauftragte, sagte am Ende der Veranstaltung: "Wir möchten nachhaltige Strukturen schaffen, wie zum Beispiel das Weiterbestehen des "Netzwerks nach dem Auslaufen des Projektes Ende Mai 2018. red