"Ganz Deutschland ist fruchtbar!" Bürgermeister Klaus Homann (CSU) jubelt und freut sich, dass der Trend zu mehr Kindern auch in Hirschaid spürbar ist. Der plötzliche Kinderreichtum zwingt die Marktgemeinde aber auch zu neuen, kreativen Lösungen: Denn plötzlich werden zusätzliche Kapazitäten bei den Kindertagesstätten benötigt. In Sassanfahrt und dem angrenzenden Ortsteil Juliushof wohnen viele junge Familien, so muss der Kindergarten "Pusteblume" erweitert werden - tunlichst bis zum neuen Kindergartenjahr.
Die Erweiterung des Sassanfahrter Kindergartens in so kurzer Zeit wäre zum einen vom langatmigen Genehmigungs- und Zuschussverfahren her sowie aus Kostengründen kaum zu stemmen. Da bot sich in der Julius-von-Soden-Grundschule ein Ausweg an: Nach dem Auszug der Realschule stehen dort zwei Klassenräume und ein Nebenraum zur Verfügung, die sich zur Unterbringung einer Kindergartengruppe bestens eignen.
Homann hatte seinen Bauausschuss zum Ortstermin geladen und geriet ins Schwärmen: "Super bauliche Gegebenheiten!" Die Gruppe könne hier vom Schulbetrieb abgeschirmt werden. Der südwestliche Gebäudetrakt verfügt über einen separaten Eingang von der Wendeplatte her, die über die St.-Mauritius-Straße leicht zu erreichen ist. Ohne großen Aufwand lässt sich ein Spielplatz anlegen. Zusätzlich könnten die Kinder den Bolzplatz und den Spielplatz der Schule nutzen.


"Geschenk für die Schule"

Rektor Wiesneth stehe der Idee, die freien Räume zur Unterbringung der Vorschulgruppe zu nutzen, aufgrund seiner einschlägigen Auslandserfahrung positiv gegenüber, berichtete der Bürgermeister. Und die Konrektorin Heike Hammon sprach von einem "Geschenk für die Schule", weil der Übergang vom Kindergarten in den Unterricht kaum besser gestaltet werden könne. Schon das Ertönen des Stundengongs macht die Vorschüler auf jenes Zeitschema aufmerksam, das ihre folgenden Jahre prägen wird. Das Kindergartenpersonal unter Leitung von Gabi Hofmann hat sich zusammen mit dem Elternbeirat der Kita "Pusteblume" darauf verständigt, aus den drei Kindergartengruppen jeweils die Fünf- und Sechsjährigen für die Vorschulgruppe abzuziehen. Die freien Plätze werden mit den neuerdings angemeldeten kleineren Kindern aufgefüllt.
Die künftige Gruppenleiterin Karin Müller betonte das pädagogische Leitbild "Kind sein dürfen!" Es sei nicht daran gedacht, in dieser ausgelagerten Gruppe schon auf schulische Leistungen hin zu arbeiten. Aber es sei sinnvoll, die älteren Kinder ihren Ansprüchen und Kenntnissen entsprechend anzuleiten. Sie benötigten eine ganz andere Hinwendung als etwa noch die Kita-Neulinge im Alter von zweieinhalb Jahren, die dann auch noch gewickelt werden müssten.
Durch die Ausgliederung der Vorschulkinder ergebe sich eine spürbare Bereicherung des pädagogischen Konzepts der "Pusteblume". Davon ließen sich die Eltern überzeugen, wurde berichtet. Die Vorschulgruppe werde von zwei Erzieherinnen und zwei Ergänzungskräften betreut, informierte die Kindergartenleiterin Gabi Hofmann. Architekt Stefan Paptistella bezifferte den finanziellen Aufwand für die erforderlichen Umbau- und Renovierungsmaßnahmen mit 68 000 Euro. Die beiden Gruppenräume haben eine Gesamtfläche von 103 Quadratmeter.
Hinzu kommt ein Personalraum mit 22 Quadratmeter. Teilweise müssen Leuchten ausgetauscht, die Böden aufgearbeitet und Funk-Rauchmelder eingebaut werden. Für die Einrichtung und Spielgeräte müssen weitere Mittel bereitgestellt werden. Das alles steht jedoch in keinem Verhältnis zu einem etwaigen Erweiterungsbau am Kindergarten, betont der Bürgermeister.


Klärung im Mai

Die Verwendung der freien Schulräume für den Kindergarten war im Bauausschuss unumstritten. Marktgemeinderat Gerhard Lieberth äußerte den Wunsch, die Vorschüler aus Rothensand, Klein- und Großbuchfeld künftig auch an die Julius-von-Soden-Schule abzugeben. Damit bliebe ihnen der Wechsel an die Grundschule Hallerndorf und der Bruch mit ihren Kindergartenfreunden erspart. Homann kündigte für den Mai eine Klärung dieser schulorganisatorischen Frage an.