Eltmann/Rauhenebrach — Wie können Ehrenamtliche gemeinsam mit den Priestern und anderen Hauptamtlichen in die Gemeindeleitung eingebunden werden? Das soll ein Pilotprojekt mit dem Titel "Der Kirche ein Gesicht geben - Ergänzende Formen von Gemeindeleitung" klären, das Bischof Friedhelm Hofmann gestartet hat. Es ist nach einer Mitteilung der Pressestelle des Ordinariats (POW) Teil des Dialogprozesses im Bistum Würzburg, zu dem auch ein Großteil der katholischen Pfarreien im Landkreis Haßberge gehören. Drei Modellpfarreiengemeinschaften werden bis Juli 2017 Formen von Gemeindeleitung auf Chancen und Grenzen hin erproben. Bischof Hofmann beauftragte die Pfarreiengemeinschaften "Jesus - Quelle des Lebens", Bad Kissingen, "Main-Steigerwald" Eltmann" sowie "Heilig Geist" Rauhenebrach bei einer Feierstunde im Würzburger Kilianshaus.
"Unser Ziel ist es, nach der zeitlich befristeten und professionell begleiteten Erprobungsphase Bausteine für ergänzende Formen von Gemeindeleitung in der Diözese Würzburg vorzulegen", erklärte Domkapitular Christoph Warmuth, stellvertretender Leiter der Hauptabteilung Seelsorge.

Synergien angestrebt

"Letztlich geht es um die Überlegung, welche Ressourcen und Potenziale zur Verfügung stehen, um die Frage nach dem Auftrag als Kirche für den konkreten Ort und darum, welche Schwerpunkte und Synergien sich für den jeweiligen pastoralen Raum ergeben." Dialogbeauftragte Monika Albert verglich das Bistum mit einem Containerschiff, auf dem viel Platz sei für unterschiedliche Menschen, Traditionen, Geschichte, für verschiedene Dienstgrade, Fachwissen und Proviant. "Ein Schiff dieser Größe ist aber nicht ideal für das Erkunden unbekannter Gewässer." Ein Schleppschiff sei aufgrund seiner geringeren Ausmaße und der damit verbundenen kurzen Wege mobiler und flexibler.
Bischof Hofmann betonte, es gehe darum, dass die Lebendigkeit der Kirche dort besonders aufscheine, wo sich viele Menschen engagierten. "Keineswegs wollen wir einfach nur mehr Verantwortung auf die Laien übertragen." Vielmehr sei es das Ziel, neue Impulse in das Gemeindeleben zu bringen. Unverzichtbar sei dafür die Bereitschaft der Kleriker vor Ort, den Einsatz der Laien im Vertrauen mitzutragen.
"Konkrete Schritte brauchen auch eine Absicherung", hob Karl Hillenbrand hervor. Die sei dadurch gesichert, dass Diözesanrat, Diözesanpastoralrat, Priesterrat und Dekanekonferenz hinter dem Pilotprojekt stünden. "Dass auch in den Pfarreiengemeinschaften eine breite Basis sich für das Projekt stark macht, zeigen die großen Delegationen, die heute beim Start dabei sind", sagte der Generalvikar. Damit die Erprobung Früchte bringen könne, sind Gemeindeberatung, Supervision, Gemeindeentwicklung und ähnliche Fachstellen mit einbezogen. Regelmäßige Reflexionsveranstaltungen, an denen die Bistumsleitung teilnimmt, sind geplant.
Überwiegend ländlich geprägt ist nach den Worten von Lydia Hessenauer aus Ober-s teinbach, stellvertretende Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, Rauhenebrach. "Es geht bei den 15 Dörfern darum, wie der Zusammenhalt in den einzelnen Orten, aber auch in der Pfarreiengemeinschaft, erhalten und vertieft werden kann."
Klaus Förtsch, Kirchenpfleger aus Eltmann, will sich überraschen lassen. "Ich denke, es gilt abzutasten, was praktikabel ist. Offen für Veränderungen müssen wir bleiben. Das Projekt gibt uns die Chance, die Zukunft mitzugestalten, statt nur Vorgesetztes umzusetzen. Wir können also Vorbildfunktion übernehmen."