Motorradfahren und Kirche, passt das denn zusammen? So könnte mancher denken. Für die Pfarrer Arnold Kroll und Stefan Lipfert stellt sich die Frage nicht. Beide sind begeisterte Biker und - auch das gibt es - Motorradpfarrer. Sie stecken hinter der Gründung der Gruppe "Kirche und Krad" oder kurz: KuK, die in den Dekanaten Coburg, Kulmbach und Thurnau aktiv ist.
Zum Auftakt der Saison lädt KuK alle Biker, gleich welcher spirituellen Ausrichtung, zu einem Motorradgottesdienst (MoGo) ein. Predigt und Lieder sind der Szene angepasst. Danach gibt es Kaffee, Kuchen und "Benzingespräche". Heuer findet der Auftakt-MoGo am Samstag, 6. Mai, 14 Uhr, im Kirchhof von Weißenbrunn vorm Wald statt, wo Pfarrer Arnold Kroll seine Gemeinde hat. Aber auch schon morgen, Sonntag, können Biker um Gottes Segen für die Saison bitten - beim Gottesdienst im Rahmen der Sternfahrt nach Kulmbach, wo sie Tausende Motorradfahrer treffen. Er beginnt um 10 Uhr an der Hauptbühne.
Bei den KuK-Motorradgottesdiensten wird stets für die Selbsthilfegruppe "Verwaiste Eltern" gesammelt. Unter den Betroffenen haben einige ihr Kind durch einen Motorradunfall verloren. So wie Ronald Braun, dem Pfarrer Arnold Kroll und sein Kollege Stefan Lipfert jetzt die Kollekte des vergangenen Gottesdienstes überreichten. Über die Jahre gingen so schon einige Tausend Euro an die Gruppe "Verwaiste Eltern".


Bewusste Hilfe

"Wir unterstützen bewusst diese Gruppe, weil sie auf Spenden angewiesen ist und eine sehr wertvolle Arbeit leistet", betont Arnold Kroll. Mit den Spendengeldern gibt die Gruppe beispielsweise finanzielle Unterstützung für Betroffene, damit diese an einem Seminar zur Trauerbewältigung teilnehmen können.
"Ich würde mir wünschen, dass sich mehr Väter trauen, an solchen Seminaren dabei zu sein", sagt Ronald Braun. Er mache immer wieder die Erfahrung, dass es für Männer viel schwieriger ist, zuzugeben, wie sehr sie unter dem Verlust eines Kindes leiden als für Frauen. "Wenn sie uns dann aber auf ein Seminar begleiten, sind sie hinterher meist überrascht, weil sie es sich ganz anders vorgestellt haben", sagt Braun. Durchweg komme dann von den männlichen Teilnehmern ein positives Urteil zum Nutzen, den sie aus dem Seminar gezogen haben.
Mittlerweile hat sich zwischen den Bikern von KuK und der Selbsthilfegruppe eine dauerhafte Beziehung entwickelt. "KuK besteht seit Anfang der 90er Jahre als offenes Treffen im Raum der Kirche für Menschen, denen zwei Räder zur Fortbewegung reichen", beschreibt Stefan Lipfert die Entstehung der Gruppe.
Seit 1995 erfolgen Tagesausfahrten im Frühjahr und im Herbst, seit 1998 zusätzlich eine Vier-Tages-Tour am ersten Wochenende im August und seit 2003 sind auch Pilgerfahrten (nach Assisi) im Angebot. Seit 2010 gibt es KuK im Dekanat Thurnau seit 2012 auch im Dekanat Kulmbach.