Bis zum 24. November 2016 war ein 42-jähriger Lichtenfelser völlig unbescholten. Dann sprach ihn das Amtsgericht Lichtenfels wegen Besitzes von kinderpornografischer Schriften schuldig. 18 Monate Haft drohten dem 42-Jährigen. Dagegen legte er Berufung ein, plädierte seine Verteidigerin Katharina Steffen in Anklagepunkten doch gar auf Freispruch. Am Dienstag wurde das Verfahren in zweiter Instanz am Landgericht Coburg erneut aufgerollt.
Die Beweislast von Hunderten aufgefundenen Bildern und Videodateien auf dem PC blieb erdrückend und die eigentliche Frage lautete: Bewährung oder Haftantritt? Äußerlich und in seiner Wortwahl ruhig saß der Angeklagte vor dem Schöffengericht, bei dem Richter Klaus Halves den Vorsitz führte. Ob der Beschuldigte nicht nur ruhig, sondern auch gesammelt war, war eine andere Frage. Denn tatsächlich stritt er auch Vorwürfe ab, zu denen die Staatsanwaltschaft schon im Vorprozess klare Beweise vorgelegt hatte. Nur um sie nach ermahnenden Worte doch zuzugeben. Eben dieses Verhalten brachte ihm während der Sitzung immer wieder Kritik ein.
Rückblende: In den Abendstunden des 28. September 2012 nahm der Mann per Internet mit einem anderweitig verfolgten Täter Kontakt auf. Ziel war der Austausch von Dateien mit kinderpornografischem Inhalt. Darunter Bilder und Videos, die auch von schwerem sexuellem Missbrauch von Mädchen unter zehn Jahren zeugten, mitunter sogar unter sechs Lebensjahren. Auch auf der Festplatte des Mannes fanden sich Dateien. Überdies verfügte der Beschuldigte auch über eine Software, mit der er auf Tauschbörsen unterwegs war. Immer wieder wurde der 42-Jährige gefragt, warum er Wert auf solche Bilder legte. In einem Fall erklärte der Gefragte, dass er sie zu löschen versucht habe, ihm dies aber nicht gelungen sei. "Ich bin kein Informatiker", so die Begründung.


Vorwürfe voll eingeräumt

Das brachte Staatsanwalt Pfab hoch: "Entweder man steht zu seinen Taten oder man laviert rum", erklärte Pfab, der ein eindeutiges Bekenntnis des Lichtenfelsers zu seinen Taten erwartete. Nach einer kurzen Bedenkzeit erklärte seine Anwältin in seinem Namen: "Er räumt die Vorwürfe voll ein."
Schon vor dem Prozess in Coburg und gleich nach dem Prozess in Lichtenfels war für den Verurteilten nichts mehr, wie es vorher war. Eine "öffentliche Prangerwirkung" (Pfab) habe er an sich erfahren, umgehend den Job verloren, den Freundeskreis auch, und sogar Morddrohungen habe der zweifache Vater erhalten. "Die Sache ist höchst prekär", schilderte Katharina Steffen. Was die Staatsanwaltschaft dem Lichtenfelser zugute hielt, war die Einschätzung, dass es sich bei ihm nicht um einen pädophil veranlagten Mann handele, sondern um jemanden, der übersättigt von sexuellen Reizangeboten nach Verbotenem gesucht habe. Aus diesem Grunde signalisierten Pfab und auch Halves immer wieder eine Bereitschaft, Bewährung durchgehen zu lassen, wenn der an sich und durch Zeugenvernehmung zweier Ermittlungsbeamten erneut überführte Mann zu seinen Vergehen stünde. Allerdings wäre die Bewährung zudem an schwere Auflagen gekoppelt. "Bewährung ist aus Sicht der Staatsanwaltschaft nur vorstellbar, wenn er sich therapieren lässt. Ich werde ein bloßes Formalgeständnis nicht akzeptieren als Grundlage einer günstigen Sozialprognose", so Pfab. Darauf gestand der Angeklagte auch Motive wie Neugierde ein.
In seinem Plädoyer griff Pfab den Gedanken noch einmal schärfer auf. "Mir ist es lieber, Sie gehen in Therapie und arbeiten da mit. Wenn nicht, dann fahren Sie ganz schnell ein - das ist keine Drohung, sondern ein Versprechen." Anstelle der schon verhängten 18 Monate Haft sprach sich Pfab für nun 22 Monate Haft aus. Jedoch zur Bewährung und mit massiven Auflagen: Vier Jahre Bewährungszeit, drei Jahre Aufsicht unter Bewährungshelfer, Behandlung in einer Sexualtherapie und erkennbare Mitarbeit statt bloße Anwesenheit. So lange, wie die Therapiestelle das für nötig befinde. Zudem eine Arbeitsauflage von 200 Stunden, abzuleisten binnen eines halben Jahres.
Dann bange Momente für den Angeklagten. Würde er Haftverschonung erhalten? Ja. Und das Urteil fiel auch in Bezug auf die Anzahl der Monate milder als von Pfab gefordert aus. Die 18 Monate des ersten Urteils in Lichtenfels wurden bestätigt, allerdings auch sämtliche von der Staatsanwaltschaft geforderten Auflagen.