Igensdorf/Stöckach — Einen Hilfeschrei haben die Mitglieder des Elternbeirats des katholischen Kindergarten St. Ägidius ausgestoßen. Als Forum, sich Gehör zu verschaffen, nutzten sie die Bürgerfragestunde des Marktgemeinderats. Der Grund ihres Aufschreis sind fehlende 25 Stunden, also eine Erzieherin, und deren Auswirkungen auf die künftigen Betreuungszeiten.
Als Grundlage zur Ermittlung dieser dient das Kinderbildungs- und Betreuungsgesetzes, kurz KiBiG. Nun ist es so, dass die Kindertagesstätte seit Mai und ganz akut seit August eine Erzieherin sucht. Ruhestand, Ortswechsel und Mutterschutz sind Gründe.
Alle Ausschreibungen waren bisher vergeblich. 90,5 Erzieherstunden und 136 Kinderpflegerstunden sind derzeit besetzt, bei 60 Kindern im Alter von zwei bis sechs Jahren. In zwei Regelgruppen und einer Kleinkindgruppe sind diese untergebracht. Laut Betreuungsschlüssel steht das in einem Verhältnis von eins zu elf, als Personal zu den zu betreuenden Kindern. Dem Betreuungsschlüssel stehe aber der Qualifikationsschlüssel gegenüber. Der sei unverrückbar und eben die Grundlage für das Bayerische KiBiG und demnach die Berechnungsgrundlage für staatliche Förderung. Nur entspricht eine Erzieherin nicht demselben Qualifikationsschlüssel wie eine Pflegerin für die Berechnung der Förderung. In Konsequenz daraus erfüllt die Kita durch die fehlenden Erzieherstunden den Qualifikationsschlüssel nicht mehr.


Kürzere Öffnungszeiten drohen

Findet sich nicht bald eine Erzieherin, die diese 25 Stunden arbeiten könnte, läge die Kita zum ersten Dezember dieses Jahres im förderschädlichen Bereich und muss infolge dessen die Betreuungszeiten und somit die Öffnungszeiten kürzen, um wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Ein Unding bei einem vollausgelasteten Kindergarten mit Warteliste, findet der Elternbeirat in seiner Presseinformation. Die Tabelle der Behörden wären damit bereinigt, der Qualifikationsschlüssel würde wieder stimmen.
"Das ist lediglich blinde Augenwischerei auf Kosten der Kinder und der Eltern", heißt es in der Presseinformation. Obwohl ausreichend Personal im Kindergarten wäre, könnten die Eltern aufgrund der reduzierten Öffnungszeiten ihre Kinder nicht mehr im vollem Umfang betreuen lassen. Im Kindergarten werde derzeit geprüft, ob freiwillige "Rückbuchungen" der Eltern das Problem "offiziell" löse. Auch als Augenwischerei für die Behörden. Da der Kindergarten aber die gesetzlichen Vorgaben erfüllen müsse, gebe es momentan keine andere Lösung als die Reduzierung der Öffnungszeiten. Eine Katastrophe für die 60 Eltern und für die Mitarbeiter.
Von Seiten der Kita wurde alles Mögliche getan, um Abhilfe zu schaffen. Stellenausschreibungen wurden geschaltet beim Arbeitsamt, Online-Portalen und selbst bei Sozialen Medien. Auch erkundigte man sich bei Grundschullehrern, ob sie Erzieherstunden übernehmen könnten. Ein Nein war die Antwort. Bürgermeister Wolfgang Rast, Landrat Hermann Ulm, MdL Michael Hofmann und mit dem Ministerium für Familie und Soziales wurde Kontakt aufgenommen. Das Fazit der Bemühungen: Es gibt einen Erziehermangel.


Qualität stimmt

Nun wurde der Gemeinderat über die dringliche Situation informiert und mit einer großen Bitte konfrontiert: Die gut ausgebildeten Kinderpflegerinnen zu halten, ohne förderschädlich zu werden. Denn der Anstellungsschlüssel stimme und die Qualität der Kinderbetreuung. Bei Entscheidungsträgern soll der Gemeinderat die Stimme erheben, um das grundlegende Problem zu thematisieren. Abgesehen davon, dass der Elternbeirat eine Petition an den Landtag verfassen möchte, sagte Bürgermeister Wolfgang Rast volle Unterstützung zu. Deshalb wurde als Hilfestellung eine Stellenausschreibung auf die Homepage der Gemeinde gesetzt.
Auf politische Entscheidungsträger einzuwirken, war einstimmiger Tenor am runden Tisch. Bereits mit der Fachaufsicht beim Landratsamt und dem Ministerium im Gespräch ist die Kindertagesstättenbeauftragte Claudia Blöchel. Trotzdem hoffen die Verantwortlichen auf ein Happy End durch eine neue Erzieherin, die sich auf das Stellenangebot bewirbt.