Ludwig Leisentritt

Wie ein Kartenhaus stürzte am 10. August 1955 gegen 16 Uhr im Bereich des heutigen Anglersees nahe der ehemaligen Zuckerfabrik in Zeil (heute Landkreis Haßberge) ein neu errichtetes Kiessilo samt Sortier- und Waschanlage in sich zusammen. Dabei kam, wie auch der FT anderntags berichtete, der auf der Ladefläche des Maroldsweisacher Lastkraftwagens stehende 46-jährige Fuhrunternehmer und Betriebsinhaber des Kieswerks, Johann Schneidawind, auf grausame Weise ums Leben. Das Führerhaus wurde völlig zusammengepresst und zwei darin sitzende Kinder wurden auf der Stelle getötet. Es handelte sich um einen fünfeinhalbjährigen Buben und einen siebeneinhalbjährigen Jungen, beide aus Maroldsweisach.


Das Zündlicht brannte

Der ebenfalls aus diesem Ort stammende 19-jährige Fahrer Helmut Welz wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen aus dem zertrümmerten Führerhaus geborgen. Er musste regelrecht herausgeschweißt werden. Mit Schaudern stellten die Helfer bei der Bergung der beiden toten Kinder im Führerhaus fest, dass das Zündlicht noch nach Stunden brannte.
Die eingeklemmten Leichen konnten erst 27 Stunden nach der Katastrophe gegen Abend des nächsten Tages geborgen werden. Der Lastwagen war in der Nacht unter der Last in der Mitte zusammengebrochen. Die Zeiler Feuerwehrleute und Angehörige der Polizei bewachten während der ganzen Nacht den Unglücksort.


US-Pioniere rückten an

Der damalige Zeiler Bürgermeister Rudolf Winkler, Vater des späteren Zeiler Bürgermeisters Christoph Winkler (1992 bis 2010), hatte unterdessen eine in Bamberg stationierte amerikanische Pioniereinheit zu Hilfe gerufen. Die rückte mit zahlreichen Soldaten und schwerem Räumgerät an. Die Bergung war mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Drückte doch auf den verunglückten Lkw eine unvorstellbare Last von rund 100 Tonnen aus Eisen, Sand und Kies.


Lockere Stützen

Unter den Augen mehrerer hundert herbeigeeilter Zuschauer schaufelten die US-Soldaten zuerst den Inhalt der auf dem Lastkraftwagen liegenden zwei Silos leer. Mit Hilfe des amerikanischen Bergungskrans wurde dann die über die Silos schwebende Waschanlage entfernt und die eingestürzte Bagger- und Sortieranlage abgehoben. Zuerst konnte die Leiche des Betriebsinhabers geborgen werden, später die Leichen der beiden Buben. Die drei Leichen wurden zunächst in die Zeiler Friedhofskapelle gebracht; ein Leichenhaus hat es zur damaligen Zeit noch nicht gegeben.
Der Betriebsinhaber aus Zeil hatte den jungen Helmut Welz aus Maroldsweisach angewiesen, seinen Lastwagen unter das Silo zu rollen. Johann Schneidawind stieg auf die Ladefläche des Lastwagens. Als er den Schieber des Silos herausziehen wollte, stürzte plötzlich die gesamte Anlage mit allen vier gefüllten Sandbehältern in sich zusammen. Als Ursache fand man später heraus, dass die zusammengeschweißten U-Eisen-Stützen, auf denen die Anlage ruhte, nur lose auf den Zementfundamenten aufgestellt waren.


Projekt in Sand

Knapp zwei Jahre später ließ der Unternehmer Franz Kümmel im benachbarten Sand auf Gemeindegrund ein ähnliches Sand- und Kiessortierwerk aufstellen. Bei der Einweihung im Juni 1957 erinnerte der damalige Pfarrer Rudolf Mauder an das Unglück auf der anderen Mainseite. Offenbar war einigen Sandern die gewaltige Anlage nicht geheuer, denn bei seiner Ansprache wandte sich der Sander Geistliche gegen jeglichen Aberglauben...