Am Mittwoch, 9. November jährt sich zum 78. Mal die Reichspogromnacht. Der damalige nationalsozialistische Staat plante, die jüdische Bevölkerung in Deutschland und nicht nur da auszurotten. Am 9. November 1938 erlebte die Umsetzung dieses Vorhabens einen ersten Höhepunkt; es endete mit dem Mord an über sechs Millionen Juden.
"Als ein Zeichen des Gedenkens unserer christlichen Gemeinden werden am Mittwoch, um 18 Uhr für fünf Minuten unsere großen Glocken läuten", sagen der evangelische Pfarrer und Initiator der Aktion, Lutz Mertten und sein katholischer Amtsbruder Pfarrer Karl Feser in Bad Königshofen. Die Pfarrer laden gleichzeitig ein, Kerzen in die Fenster zu stellen, um auf stillem und persönlichem Weg dieser Erinnerung Ausdruck zu verleihen. Erstmals mit dabei sind in diesem Jahr die Kirchen im evangelischen Dekanatsbezirk Rhön-Grabfeld, inklusive Münnerstadt.
Der evangelische Pfarrer Lutz Mertten hat dazu ein Plakat entworfen, das darauf aufmerksam macht.
2013 fanden zum 75. Jahrestag der Reichspogromnacht verschiedene Feiern auf den jüdischen Friedhöfen statt. "Wir können nicht in jedem Jahr solche Gedenkfeiern organisieren, aber erreichen, dass sich die Menschen daran erinnern, und das kann eben durch eine kleine Kerze sein", sagen Feser und Mertten. Für beide Pfarrer ist es deshalb keine Frage, dass man als Erinnerung und zum stillen Gedenken an diese schreckliche Nacht vor 78 Jahren, an diesem 9. November für fünf Minuten die großen Glocken der Stadtpfarrkirche und der evangelischen Kirche läutet.
Auch heute noch erinnert man sich in Bad Königshofen und im Grabfeld an die jüdischen Mitbürger, die hier lebten. In einigen Orten stehen noch die Synagogen, die meist aber anderweitig genutzt werden. In Bad Königshofen erinnert ein Gedenkstein in der Bamberger Straße daran, dass hier bis in die 1950er Jahre eine Synagoge stand, die in der Reichspogromnacht nicht angezündet wurde, aber nach dem Zweiten Weltkrieg leer stand. Sie wurde Mitte der 1950er Jahre zugunsten einer Tankstelle abgerissen.
Zeitzeugen gibt es immer weniger. Die Erinnerung müsse aber wach gehalten werden, sagt Pfarrer Lutz Mertten. Er nennt den 9. November auch einen Schicksalstag in der Geschichte des deutschen Volkes. Vor 27 Jahren fiel die Mauer. Auch hier sind die Grenzen längst verschwunden. Kaum gibt es noch Orte, die daran erinnern. Auch das sei es wichtig zu gewahren, was Menschen, Menschen antun. Der 9. November sei deshalb in Deutschland ein besonderer Tag der Erinnerung.
Die Kerzen für den kommenden Mittwoch sind ab sofort in den Kirchen vorhanden. Dort können sie zu den Öffnungszeiten der Gotteshäuser tagsüber abgeholt werden.