von unserer Mitarbeiterin Petra Malbrich

Walkersbrunn — Wenn das Brunnenfest ins Wasser fallen könnte, wäre für die Walkersbrunner die Welt in Ordnung. Aber der Brunnen, der aus der Mürtenbachquelle gespeist wird, liegt ausgerechnet im Jubiläumsjahr trocken. Das Brunnenfest - alle 25 Jahre gefeiert - entfällt. Unter anderem Bauarbeiten der Stadt Gräfenberg am Hochbehälter sind daran schuld.
Der Brunnen ist das Wahrzeichen des Dorfs. "1890" steht groß auf dem Brunnen, der in diesem Jahr aus den übrigen vier Wasserstellen geflext und geschweißt worden war.
Von der Mürtenbachquelle bezogen die Walkersbrunner ihr Wasser, als gerade die Wasserleitung hergestellt wurde. Anfang der 1960er-Jahre wurde der Hochbehälter gebaut. Walkersbrunn war damals eine selbststaändige Gemeinde.

"Wasser-Prasser"

Mit dem Wasser der Mürtenbachquelle wurden außer drei höher gelegenen Bereichen, der Kirche und zwei Privathöfen, die Haushalte in Walkersbrunn versorgt. Selbst von einer Wassernot war im Ort einmal die Rede, da es im Hochbehälter keine Speichermöglichkeit gab. Das warf Fragen auf, denn die Bewohner im unteren Dorf hatten Wasser im Überfluss. Als die Wasseruhr als erzieherische Maßnahme eingeführt wurde, war damit schlagartig Schluss.
Das untere Dorf sparte Wasser, es war wieder genügend für alle da. 50 Pfennig pro Kubikmeter kostete es. Schließlich kam die Gemeindegebietsreform, Walkersbrunn wurde Gräfenberg zugeschlagen und musste das Wasser übergeben.
Eine gemeinsame Abrechnungseinheit zu erstellen, ging nicht. Die Walkersbrunner wollten ihr eigenes Wasser behalten. "Mit viel Aufwand und Kosten von ungefähr einer Million Euro wurde der Hochbehälter umgebaut", sagt Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla (SPD). Eingebaut wurde eine Ult rafiltrations- und eine UV-Entkeimungsanlage. Der Überschuss der Quelle wird in den Hochbehälter in Kasberg gepumpt, der Ort Walkersbrunn wird über Kasberg versorgt, zu inzwischen 2,40 Euro pro Kubikmeter.
Nur der Brunnen ist stillgelegt. "Es hieß bereits im vergangenen Jahr, dass die Wasserversorgung fertig ist", sagt Reinhard Hofmann. "Wir wollen nicht das aufbereitete Wasser, sondern nur ein bisschen Rohwasser", sagen die Walkersbrunner. Mit einem T-Stück als Abzweigung von der Leitung könnte das Wasser in den Brunnen geleitet werden, damit es dort wenigstens ein bisschen plätschert. Keine 24 Stunden, sondern einfach nur, damit wieder Wasser im Brunnen ist.

Suche nach Alternativen

Eine weitere Idee lautete, eine andere kleinere Quelle anzuschließen, um von dort wieder Wasser für den Brunnen zu erhalten. Das würde auch wieder etwa 11 000 Euro kosten.
"Wir sind ja guten Willens, den Brunnen plätschern zu lassen", sagt Nekolla. Doch hinter der Bezahlung steht ein Fragezeichen. Zudem betrachte man es als wenig sinnvoll, Trinkwasser für eine Brunnenbewässerung zu verwenden.
Für Walkersbrunn geht es um sein Wahrzeichen. "Seit 1981 wird der Brunnen jedes Jahr vor Ostern im Kindergottesdienst mit echten Eiern geschmückt", sagt Christa Igel, das das organisiert. Heuer nicht.
"Aber es geht auch um den Namen des Orts", fügt Matthias Ebenhack hinzu. Nicht zuletzt deshalb bat er bei der letzten Stadtratssitzung nochmals um eine Lösung. Die Walkersbrunner wollen demnächst vereint ins Rathaus, um mit Bürgermeister Nekolla eine Lösung zu finden.