Coburg — San Francisco in den 60er-Jahren: Margaret (Amy Adams), geschieden und alleinerziehend, lernt bei einer Kunstausstellung Walter Keane (Christoph Waltz) kennen und lieben. Mit dem charmanten, eloquenten Mann erhofft sie sich endlich das schöne Leben, von dem sie bislang nur geträumt hat. Überzeugt vom künstlerischen Talent seiner Frau versucht Walter ihre, Bilder zu Geld zu machen.
Nur leider will keine Galerie die Gemälde von Kindern mit großen, traurigen Augen ausstellen. Kurzerhand verkauft Walter die Bilder selbst und gibt sich als Urheber der "Big Eyes" aus. Schon bald macht der brillante Geschäftsmann mit dem Verkauf von Postkarten, Postern und Drucken Millionen - zu Tausenden finden die "Big Eyes" ihren Weg in die Wohnzimmer Amerikas. Unter der führenden Hand von Walter hütet auch Margaret das Geheimnis, wer die Bilder erschaffen hat. Doch bald kann sie nicht länger mit der Lüge leben.

Spektakulärer Gerichtsprozess

Tim Burton gilt als Meister des skurrilen, visionären Kinos mit Faible für ungewöhnliche Stoffe. Zusammen mit den Autoren Scott Alexander und Larry Karaszewski, mit denen er schon Ed Wood (1994) realisiert hat, erzählt Burton ("Alice im Wunderland", "Big Fish") wieder eine wahre Geschichte, die so unglaublich ist, dass man sie als Erfindung abtun könnte - wenn nicht ein spektakulärer Gerichtsprozess in die Geschichtsbücher eingegangen wäre. Das Leben schreibt die besten Geschichten. Das erkannten auch die Autoren Scott Alexander und Larry Karaszewski, als sie im Jahr 2003 erstmals auf den wahren Fall von Margaret und Walter Keane stießen. Fasziniert von einem der erfolgreichsten Künstlerpaare der 1960er-Jahre, begannen sie ihre mehrjährigen Recherchen.
"Das ist ein wichtiges Stück Kunstgeschichte, das kaum einer kennt", sagt Scott Alexander. "Wenn es nicht wirklich so passiert wäre, würde es niemand glauben." Larry Karaszewski ergänzt: "Margaret Keane ist eine tolle weibliche Hauptfigur, weil sie für den Beginn der Frauenbewegung steht. Der Film zeigt sie zunächst als typische Hausfrau der 1950er-Jahre, die alles für ihren Mann tut. Doch später kämpft sie für ihr eigenes Wohl."
Die Autoren sahen in der Lebensgeschichte der Keanes das Potenzial, ein Drehbuch über die Kunstwelt und die Frauenbewegung in einer bestimmten Epoche zu schreiben.

Die Kunstwelt revolutioniert

"Wir waren überrascht, dass vor uns noch niemand diese großartige amerikanische Erfolgsstory erzählt hatte", sagt Larry Karaszewski. "Walter erfand die massenhafte Vermarktung von Kunst. Weder die Galerien noch die Kunstkritiker akzeptierten ihn, also eröffnete er seine eigenen Galerien und verlegte seine eigenen Bildbände, Poster und Postkarten. Er revolutionierte die Kunstwelt, indem er die Gemälde so billig anbot, dass der kleine Mann auf der Straße sie kaufen konnte."
Margaret Keane verkaufte den Autoren die Filmrechte an ihrer Geschichte und an ihrer Kunst. "Es hat über ein Jahr gedauert, bis wir ihre Bedenken ausgeräumt hatten", sagt Scott Alexander.
Die Oscar-nominierte Amy Adams und Oscarpreisträger Christoph Waltz brillieren in diesem Drama, in dem sich eine Frau aus den Konventionen des Nachkriegsamerikas befreien muss, um sich in ihrer Kunst und ihrem Leben frei entfalten zu können.
Übrigens - die echte Margaret Keane lebt heute, knapp neunzigjährig, im Norden Kaliforniens und malt noch immer Bilder mit Kindergesichtern. S.G.