von unserem Mitarbeiter Richard Sänger

Herzogenaurach — Im Kunstraum des Herzogenauracher Kunst- und Kulturvereins an der Langenzenner Straße stellen derzeit zwei Künstler aus, die unterschiedlicher nicht sein können. "Farbenvielfalt im Duett" betiteln der Niederndorfer Bernhard Belzer und der Aurachtaler Maler Wolfgang Knobl ihre Ausstellung.
Die Tochter des Niederndorfer Künstlers, Claudia Belzer, stellte die beiden Künstler vor und führte in die Ausstellung ein. Die hauptberufliche Lehrerin beklagte ob der überschaubaren Zahl der Eröffnungsgäste, dass die Mehrzahl der Jugendlichen kein Interesse an Kunst und Geschichte habe und sich stattdessen für eine Spaßgesellschaft entscheide. Es sei für Lehrkräfte schwierig, die Schüler für einen Museums- oder Galeriebesuch zu motivieren. Es sei denn, der Besuch wird mit einem besonderen "Event" verbunden.
Dass Geschichte und Kunst in einer engen Beziehung stehen, verdeutlichte sie am Lebenslauf ihres Vaters. Der Maler und Kunstschmied Bernhard Belzer beschäftigt sich bei seinen Bildern mit Darstellungen aus dem Alltagsleben, der geschichtlichen Vergangenheit und mit nahestehenden Personen. Der Malerei widmete sich Belzer, der schon im Kindergarten als kleiner Künstler bezeichnet wurde, erst im Ruhestand. "Ich habe mir damit einen Kindheitstraum verwirklicht." Aber bis es so weit war, galt es als einziger Sohn, die elterliche Schmiede zu übernehmen und Tradition des Schmiedehandwerks weiterzuführen. Belzer absolvierte die Schlossermeisterprüfung und baute die Hufschmiede Schritt für Schritt zur Kunstschmiede aus. Dies war dann auch ein wichtiger Schritt in Richtung Kunst. Belzer konnte seine künstlerische Kreativität zumindest bei seinen Schmiedearbeiten entfalten.

Handwerk braucht Kunst

Den Wunsch, Bilder in Öl zu malen, hat Belzer in all den Jahren nicht aus den Augen verloren. Nach der Geschäftsübergabe an die nächste Generation war es dann so weit. "Ich sehe meine vornehmliche Aufgabe darin, Augenblicke der Zeitgeschichte, sei es aus dem eigenen Alltag oder aus großen geschichtlichen Ereignissen, in Bildern darzustellen", umschreibt der Künstler seine Werke. Belzer beschäftigt sich aber auch mit der Frage, ob Kunst ohne handwerkliches Fundament noch Kunst ist. "Oder erleben wir gerade die Endzeit der traditionellen Kunst und des klassischen Handwerks, weil das Eine ohne das Andere auf lange Sicht keinen Bestand haben kann?", fragte Belzer in die Runde. So entstand das Handwerk, um das Bedürfnis des Menschen, Dinge zu schaffen, die nützlich sind und das Leben erleichtern, zu befriedigen.
Das Handwerk sei zu allen Zeiten vor den Karren des menschlichen Machtstrebens gespannt worden, meint der Künstler. Seien es die Waffenschmiede des frühen Mittelalters oder die Herrscherdynastien der Antike, alle bedienten sich handwerklicher Baukunst, um sich Ruhm und Unsterblichkeit zu sichern. "Spätestens hier liegt die Geburtsstunde der Verbindung von bildender Kunst und Handwerk", davon ist Belzer überzeugt. Die Menschheit wüsste nichts vom alten Ägypten oder den Griechen der Antike, von den Menschen des Mittelalters, der Renaissance oder des Barocks. Auch nicht wie die Menschen gekleidet waren und in welchen sozialen Gefügen sie lebten oder wie sie gekämpft haben. All das verdankt die Menschheit den Malern und Bildhauern der Jahrtausende. Denn sie waren meist Handwerker und oft auch Künstler, eine äußerst fruchtbare Verbindung, wie Belzer erklärt.

Experimente in Farbe

Der freischaffende Aurachtaler Künstler Wolfgang Knobl, setzt mit seinen Bildern mehr auf die Gegenwart und wagt mit seinen Werken auch Experimente. Knobl, nach eigener Aussage ein eher gegenständlicher Maler, präsentiert in seinen Bildern Stadtansichten, aber auch Farbspielereien und Porträts. So inspirierte ihn beispielsweise die Farbe des ungarischen Weins zu dem Bildzyklus "Kekfrankos", eine Variation in Blau in Acryltechnik.
Der in Türmitz (Sudetenland) geborene Wolfgang Knobl hatte bereits in der Schule Interesse am Zeichnen, zumal sein damaliger Klassenlehrer auch als Maler künstlerisch tätig war. Als Autodidakt nutzte er später Besuche in Ausstellungen und Museen sowie entsprechende Literatur, um sein Wissen und Wirken in der künstlerischen Tätigkeit zu erweitern. Fortbildungskurse, unter anderem an der Faber-Castell-Akademie, rundeten seine Entwicklung ab.
Knobl ist aber nicht nur künstlerisch tätig. Er widmet einen großen Teil seiner Freizeit einer Reihe von Ehrenämtern. Seit mehr als 25 Jahren ist Knobl der barmherzige Samariter für das Kinderheim, das Seniorenheim, die Schule sowie das Krankenhaus in der ungarischen Gemeinde Högyész. Mehrmals im Jahr organisiert der Aurachtal Künstler Hilfslieferungen in die ungarische Gemeinde und auch ein Teil der Erlöse aus dem Bilderverkauf kommt Hilfsbedürftigen und insbesondere den Kinder der ungarischen Gemeinde zugute.