Herzogenaurach — Der langjährige Schulleiter der Staatlichen Realschule und Herzogenauracher Kulturpreisträger Karl Ernst Stimpfig ist am Donnerstag in einem Erlanger Seniorenheim im Alter von knapp 90 Jahren gestorben. Rund 20 Jahre leitete er die Staatliche Realschule und verhalf ihr zu dem Ruf, eine hervorragende Lehranstalt zu sein, deren Absolventen bei ihren Arbeitgebern ob ihrer Qualitäten geschätzt und beliebt waren.
Dem gebürtigen Mittelfranken blieben Kriegseinsatz und Gefangenschaft nicht erspart. In den harten Jahren der Nachkriegszeit fand er in der Oberpfalz eine neue Heimat. Von Neustadt/Waldnaab, seinem geliebten "Neistadtl" aus, kam der ehemalige Volksschullehrer 1963 an die Aurach an die Mittelschule, unterrichtete in der Erlanger Straße als Konrektor Deutsch und Englisch bevor ihm vom Kultusministerium ab 1968 die Leitung der Schule, nun in Realschule umbenannt, übertragen worden war.
Bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand 1985 war er dort ein geschätzter und beliebter Schulleiter. Ernst Stimpfig war ein äußerst musischer Mensch, ein Ästhet, der mit der Violine genauso gut umgehen konnte wie mit dem Zeichenstift, dem die Pflege der deutschen Sprache ebenso am Herzen lag wie der höfliche Umgangston in der Schulfamilie. Im Gegenüber sah Ernst Stimpfig immer den Menschen. Er reichte einem Schüler, der am Boden saß - was damals noch nicht üblich war - lieber die Hand, hob ihn auf und wies ihm einen Stuhl zu, anstatt dem Jugendlichen einen Anpfiff zu verpassen. Immer suchte er das Gespräch mit den Schwächsten, den Schülern also, mit den Erziehungsberechtigten und dem Kollegium.
Ernst Stimpfig liebte die Natur, fotografierte leidenschaftlich gerne und verlegte sich im Alter auf die Geschichtsforschung. Hier hatten es ihm die Geschichte der Mühlen an der Aisch und das Leben sowie die Geschichte der Landjuden im Landkreis Neustadt besonders angetan. Rund 1000 Seiten umfasst seine Veröffentlichung über die jüdische Bevölkerung im Raum Sugenheim. Auch über das Leben der Juden in Herzogenaurach publizierte er. Für seine Forschungen wurde er 2003 mit dem Herzogenauracher Kulturpreis ausgezeichnet, und 2006 bekam er den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.
Karl Ernst Stimpfig wird am Mittwoch, 4. März, um 13.15 Uhr auf dem neuen Friedhof in Herzogenaurach beerdigt.