von unserem Redaktionsmitglied Heike Beudert

Maria Bildhausen — Eine würdevolle Strenge strahlen die Kunstobjekte aus, die Walter Bausenwein im Abteigebäude Maria Bildhausens ab Sonntag, 27. September, im Rahmen seiner Kunstausstellung in der Kloster-Akademie zeigen wird. Die Schlichtheit des zisterziensischen Gebäudes unterstreicht noch die Wirkung dieser Objekte in Gewandform.Dabei handelt es sich eigentlich um Abfallprodukte, die Walter Bausenwein hier zu eindrucksvollen Kunstobjekten veredelt. Die Gewänder bestehen aus Teebeuteln. Wie viele Beutel ein Objekt hat, weiß Bausenwein nicht. Es wäre müßig, sie zu zählen. Teebeutel sind für den Würzburger Künstler ein sehr wandlungsfähiges Material, mit dem er seit Langem gerne arbeitet: "Es ist alles reine Natur".


Der Tee ist nur für die Kunst

Um die ebenso natürlichen wie abwechslungsreichen Farbstrukturen zu erhalten, brüht er die Teebeutel teilweise vor der Verarbeitung. Je nach Sorte verfärben sich die Päckchen. Dabei ist Walter Bausenwein gar kein Teetrinker. "Ich trinke nur Kaffee", sagt er. Tee brüht er ausschließlich für die Kunst. Er hat aber auch einige Lieferanten im Bekanntenkreis, die gebrauchte Teebeutel für ihn sammeln. Andere Beutel bleiben unbehandelt. Sie erhalten ihre Lebendigkeit und Struktur alleine durch ihre Füllung und das Vlies-Material.
Wie ein Pailletten-Kleid erscheinen die schmalen Gewänder. Im Hintergrund dagegen erinnert ein Umhang an ein Messgewand. Auch dieser besteht aus Teebeuteln. Die sakrale Wirkung war eigentlich nicht eingeplant, erzählt Walter Bausenwein. Aber die Assoziation kann auch der Künstler bestätigen.
An der Kunst mit den Teepäckchen reizt den Künstler das Thema Vergänglichkeit. Ewig, das weiß er, werden diese Objekte nicht halten. Beim Aufbau in Maria Bildhausen rieselt aus einigen Päckchen der Tee und verbreitet sich auf dem Boden. Sein Ansinnen sei es nicht, für die Ewigkeit zu arbeiten, meint Walter Bausenwein. Thomas Pfarr (Galerie Pfarr im Heimatspielhaus) ist der künstlerische Leiter der Kloster-Akademie und kennt Walter Bausenwein seit fünf Jahren. An dessen Tee-Kunst fasziniert ihn auch, dass diese gleich zwei Sinne anspricht. Das Auge wird angeregt, aber auch der Geruchssinn. Über dem Abteigebäude liegt schon kurz nach dem Aufbau ein würziger Duft. "Es fühlt sich ein bisschen an wie im Orient", meint Pfarr.
Mit einem ganz anderen Abfallprodukt hat Walter Bausenwein bei seinen Bildern gearbeitet, die in Maria Bildhausen zu sehen sind. Er kreiert Kompositionen aus Seide und mit eingefärbten Kokons von Seidenraupen. Die intensive Wirkung dieses Materials kommt durch die von der Natur vorgegebene Beschaffenheit. Bausenwein bringt diese durch Formgebung und Farbe besonders zur Geltung.


Arbeiten mit Seiden-Kokons

Jeder Kokon nimmt die Farbe anders auf und lässt somit Bilder entstehen, die nur auf den ersten Blick einfarbig sind. Beim zweiten Hinsehen fällt der Facettenreichtum auf.
Die Arbeit mit den Seidenraupen-Kokons vermittle etwas vom Werden und Vergehen, findet Walter Bausenwein.
Walter Bausenwein ist gebürtiger Würzburger und Mitglied der Vereinigung Kunstschaffender Unterfrankens. Bis 2000 war er an der Universität Würzburg Dozent für Textiles Gestalten. Im Stadtgebiet Münnerstadt hat er das letzte Mal 1979 in der Galerie am Markt 11 ausgestellt.
Die Ausstellung "Textiles" von Walter Bausenwein ist die dritte große Ausstellung 2015 im Rahmen der Kloster-Akademie. Sie wird am Sonntag, 27. September, um 14 Uhr offiziell eröffnet. Sie ist bis zum 18. Oktober jeweils von Mittwoch bis Samstag von 13 bis 16 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 17 Uhr zu sehen.