Norbert Felgenhauer

Wäre Nico Rosberg Formel-1-Weltmeister geworden, wenn alle Fahrer mit den gleichen Fahrzeugmodellen angetreten wären? Das werden wir nie erfahren. Fest steht dagegen: In der Citroen-Racing-Trophy 2016 haben sich die Brüder Tobias und Florian Just unter genau diesen Voraussetzungen auf die Plätze 1 und 2 der Gesamtwertung geschoben. Sie dürfen somit als die besten Fahrer dieser Rennserie im Rahmen der deutschen Rallyemeisterschaft (DRM) gelten.
Gleicher Motor mit jeweils 125 PS, gleiche Fahrwerks- und Getriebeabstimmung, gleiche Reifensätze (einer für Regen, einer mit harter und einer mit trockener Gummimischung) - die 13 bis 14 Zweier-Teams, die die sechs Läufe dieser Rennserie in Angriff nahmen, hatten alle die gleichen technischen Voraussetzungen. Dass vier dieser Wettbewerbe von den beiden Burgpreppachern gewonnen wurden, zeigt ihre Überlegenheit. Dreimal stand der 21-jährige Tobias Just ganz oben auf dem Siegerpodest, einmal der seit kurzem 24 Jahre alte Florian. Und einmal, bei der Rallye Stemweder Berg, belegten sie sogar die Ränge 1 und 2.
Erstmals nahmen die beiden angehenden Automobiltechniker - Florian hat sein Studium bereits abgeschlossen, für Tobias stehen im Januar seine Prüfungen an - im zu Ende gehenden Jahr an einer nationalen Rennserie teil. "Dass das fahrerisch machbar ist, wussten wir, das haben wir schon vorher gezeigt", erklärte Tobias Just. Dennoch räumt er ein, dass er sich an die neuen Herausforderungen erst einmal gewöhnen musste. "Die Vorbereitungen dauern länger, man muss viel ausgiebiger planen", sagt er. Sein Bruder verweist darauf, dass "die Strecken größere Ansprüche stellen, und wir haben ja keine Streckenkenntnis gehabt".


Lange Wertungsprüfungen

Im Vergleich zu den Eintages-Rallyes in der Region, die meist um die 35 Kilometer Wertungsprüfungen umfassen, waren bei den DRM-Läufen um die 150 Kilometer zu meistern. "Niemand kann sich 150 Kilometer merken, da ist es ganz wichtig, dass man einen perfekten Aufschrieb macht", erklärt Florian Just. Aufschrieb, das sind die Notizen, die sich der Beifahrer in den zwei Stunden macht, die vor dem Start für die Besichtigung der Strecke zur Verfügung steht. Beschaffenheit des Untergrunds, Kurven und deren Radius, Kuppen, Senken und manches mehr werden möglichst genau vermerkt, damit der Co-Pilot während des Wettkampf seinem Fahrer sagen kann, was ihn in den nächsten Sekunden erwartet.
Beeindruckt zeigten sich die beiden Burgpreppacher auch vom Zuschauerinteresse. Nicht nur an der Strecke seien zahlreiche Fans zu sehen, auch im Servicebereich, wo die Fahrzeuge auf die Rallye vorbereitet und gewartet werden. "Da kommen viele extra angereist, um sich mit den Fahrern und Mechanikern zu unterhalten, Autogrammkarten abzuholen und auch den Service selbst zu beobachten", erzählt Florian Just.
In diesem Servicebereich sei für die Teilnehmer an der Citroen-Trophy ein bestimmtes Areal reserviert gewesen, damit sie ein geschlossenes Bild abgeben, "da hatten wir schon einen gewissen Luxus. Die Veranstalter freuen sich darüber, dass die Trophy mit rund 20 Autos kommt, und die Firma will sich natürlich bestmöglich präsentieren", erklärt Florian Just diesen Aufwand. "Ein paar Mal war auch der Citroen-Pressechef aus Frankreich da und hat sich das angeschaut."
Zwei Tage dauert ein DRM-Lauf, aber die Vorbereitung darauf beginnt schon mehr als zwei Wochen vorher, schildert Tobias Just. Ersatzteile müssen bestellt, die Autos auf ihre volle Funktionsfähigkeit überprüft, Zelte, Werkzeug und Teile schließlich verladen werden. Meist am Donnerstagvormittag bricht dann der Tross auf - Fahrer und Beifahrer, Vater Peter Just, der sich zusammen mit den Mechanikern Simon Hirmke und Fabian Schneider darum kümmert, dass die Autos bestmöglich "in Schuss" sind, und "meine Freundin Denise Kuhn als Küchenfee", wie Tobias Just sagt. Noch am Donnerstagabend nach der Ankunft am Wettkampfort erfolgt die Dokumentenabnahme: Führerschein und Fahrzeugpapiere werden überprüft, und ob die Nennungsgebühr bezahlt wurde.
Am Freitag dann, im Zeitraum zwischen 7 und 16 Uhr, erledigen die Fahrer und Beifahrer die Streckenbesichtigung für die zwölf bis 14 Wertungsprüfungen. "Während dieser Zeit bauen die Mechaniker das Servicezelt auf", schildert Florian Just. Und am Freitagabend wird es dann ernst, dann stehen die ersten Prüfungen an. "Da sind wir auch schon mal erst um halb drei nachts ins Bett gekommen, und dann um 6 Uhr wieder raus", sagt Tobias. Nach dem Haupttag der Rallye, dem Samstag, folgt die Siegerehrung am Samstagabend "und der große Hunger", denn die Anstrengungen der Prüfungen, körperlich und geistig, fordern ihren Tribut. "Meistens fahren wir erst am Sonntag wieder heim", erklärt Florian.
Dass sich dieser Aufwand für die beiden Burgpreppacher gelohnt hat, steht für sie außer Frage. "Ganz sicher", antwortet Tobias auf diese Frage. "Wir waren sehr erfolgreich, und nicht nur das. Alle im Team hatten viel Spaß, die Stimmung war gut. Man wächst zusammen."
Saisonabschluss und Krönung war für Tobias Just ein Start beim Finale der französischen Citroen-Racing-Trophy bei der Rallye du Var in Südfrankreich. Dies war sein Preis für den Sieg in der Juniorenförderung für Nachwuchsfahrer bis 23 Jahre, die die meisten Bestzeiten in den Wertungsprüfungen erzielt haben. "Schon bei der Anreise an die Cote d'Azur gab es so viele Eindrücke", erzählt er darüber. Das Starterfeld war mehr als doppelt so groß wie das bei DRM-Rallyes. Rund 220 Fahrzeuge plus 60 in der historischen Klasse, "und man sieht deutlich mehr moderne und neue Rallyefahrzeuge der Klassen R1 bis R5 als in Deutschland".
Herausfordernd sei die Streckenführung auf den schmalen Straßen der Seealpen gewesen, "und man glaubt nicht, welche Massen an Zuschauern an die Strecken in den Bergen wandern." Als 81. der Gesamtwertung und Siebter der Klasse R1 (bis 1600 Kubikzentimeter Hubraum) schlug sich der Burgpreppacher Nachwuchspilot beachtlich.


Die Planungen laufen

Gerne wären die Just-Brüder auch 2017 in der Citroen-RAcing-Trophy gefahren, doch sei noch nicht sicher, ob die Rennserie fortgesetzt wird, sagt Florian Just. Deshalb hat er sich dazu entschlossen, in der kommenden Saison mit einem 190 PS starken Citroen C2 R2 Max als Privatfahrer in der DRM zu starten. "Unser bisheriger DS3 R1 war ein Serienfahrzeug, das für
Rallyes umgebaut worden ist. Das neue Auto ist der Einstieg bei den richtigen Rallye-Autos und damit sportlich der nächste Schritt", erklärt er.
Tobias Just hat seinen DS3 R1 bereits verkauft. "Bisher war es so, dass der R1-Klassensieger im nächsten Jahr in der Klasse R3 starten durfte", sagt er. Doch wie erwähnt ist noch offen, ob die Citroen-Racing-Trophy eine Zukunft hat. "Wenn ich im Januar nichts Definitives höre, werde ich wohl auch, wie Florian, in der Klasse R2 fahren", sagt er. Gut möglich, dass sich die schnellen Burgpreppacher Brüder dann auch in der neuen Umgebung schnell einen Namen machen.